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  Ute Tartz


Johanna Elisabeth Lehmann

 

 

Im 17. Jahrhundert verrichteten sowohl Männer als auch Frauen die Arbeiten im Haushalt und auf den Feldern, es gab keine Trennung von Hausarbeit und Erwerbstätigkeit. Erst im 18. Jahrhundert änderte sich mit der zunehmenden Arbeitsteilung dieses Muster. Der Mann übernahm die Rolle des Ernährers der Familie, und die Frau hatte eine aufopferungsvolle Hausfrau zu sein, sich um die Kinder zu kümmern und ihrem Mann ein angenehmes Zuhause zu bieten. Nur als Gehilfinnen des Mannes oder als Witwen konnten es Frauen zu eigenen Leistungen außerhalb des Haushaltes bringen.

Ein Beispiel dafür ist Johanna Elisabeth Lehmann, geborene Schütze. Sie war jahrelang die Wirtin des "Arabischen Coffee Baums" in Leipzig. Dieser ist das zweitälteste noch existierende Kaffeehaus Europas nach dem Pariser Café Procope.


 
Zum Arabischen Coffeebaum  

 

Die Bauakten zum Gebäude besagen, dass 1703 Johanna Elisabeths Vater, der Gold- und Silberplättner Adam Heinrich Schütze, sein altes und baufälliges Haus abreißen und ein neues Haus- und Seitengebäude bauen ließ. Erstmals urkundlich erwähnt war das Haus bereits 1556. Damals wurde von Barthels Hof (damals hieß er Goldene Schlange) das alte Hinterhaus abgetrennt und neu erbaut. Im Jahre 1711 erhielt Adam Heinrich Schütze die Genehmigung zum Kaffeeausschank in seinem völlig umgebauten Haus.

 

1716 heiratete die erst 17-jährige Johanna Elisabeth den 51-jährigen Königlich Polnischen und Churfürstlich Sächsischen Hofchocoladier Johann Lehmann. Dieser hatte bis dahin Kaffee am Markt ausgeschenkt. Der Rat der Stadt erteilte ihm 1716 die Erlaubnis, Tee, Kaffee und Schokolade ausschenken zu dürfen.

 

Das nun per Heirat erworbene Haus ließ er abermals umbauen, erlebte aber die Wiedereröffnung 1719 nicht mehr. So wurde die Witwe Johanna Elisabeth nun die umtriebige Wirtin. Mit der Eröffnung des "Kaffeebaum" 1720 wurde das Kaffeetrinken in Deutschland legalisiert.

 

Der "Kaffeebaum" war immer ein Kaffeehaus mit Getränke- und Speisenangebot. Die Gäste erhielten neben Kaffee auch Liköre, Wein und Gebäck. Nach 1742 ging das Kaffeehaus in den Besitz von Johanna Rosina Külbel, der ältesten Schwester von Johanna Elisabeth Lehmann, über. Johanna Rosina Külbel schenkte ab 1742 auch Bier aus.

Prominente Stammgäste zu Johanna Elisabeths Zeiten waren August der Starke, der Literaturprofessor Johann Christoph Gottsched, Johann Sebastian Bach, Christian Fürchtegott Gellert, Gotthold Ephraim Lessing. Später verkehrten hier auch Robert Schumann mit seinen Davidsbündlern, Johann Wolfgang von Goethe, Napoleon Bonaparte, E. T. A. Hoffmann, Franz Liszt und Richard Wagner als Musikstudent.

 
  Portalplastik

Das Gebäude ziert eine barocke Portalplastik. Ein Araber reicht Amor eine Tasse, zwischen ihnen ein blühender Kaffeebaum. Diese Plastik begründete 1720 den Hausnamen "Zum Arabischen Coffe Baum". Es ist weder geklärt, wer sie in Auftrag gab und wer sie schuf noch wer sie bezahlt hat. Daher hält sich die Legende, nach der sie August der Starke der Wirtin Johanna Elisabeth für erbrachte Liebesdienste geschenkt haben soll.

 

 

(November 2016)

 

 

 

 

 

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