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  Undine Jung


Hildegard Maria Rauchfuss

 

 

Hildegard Maria Rauchfuß wurde als Tochter eines kaiserlichen Gardeoffiziers und einer französisch-stämmigen Mutter am 22. Februar 1918 in Breslau geboren. Sie besuchte das dortige Lyzeum, wurde jedoch kurz vor dem Abitur wegen Parteinahme für jüdische Freunde von der Schule verwiesen. Darauf hin setzte sie ihre Ausbildung an einer Handelschule fort und arbeitete während des Krieges als Bankangestellte. Außerdem ließ sie sich als Sängerin ausbilden.

Als Breslau im Frühjahr 1945 zur Festung erklärt wurde, floh sie und arbeitete in Cieplice in einer polnischen Gärtnerei und kam 1947 nach Leipzig. Dort war sie anfangs als Buchhalterin tätig. Von 1948 bis 1952 arbeitet Rauchfuß in der Abteilung Literatur des Mitteldeutschen Rundfunks. Als der Sender RIAS zwei Kurzgeschichten von ihr sendet, wird sie 1952 fristlos entlassen.
Als freie Schriftstellerin begann sie mit Lyrik und Novellen. In ihren Romanen wendete sie sich Themen und Menschen, ins besonders Frauen aus dem kleinbürgerlichen Milieu, zu.
Ihr Roman einer Künstlerehe "Wem die Steine Antwort geben" 1953 hat den Wiederaufbau des Dresdner Zwingers zum Hintergrund, die stark autobiografischen gefärbten Bücher "Schlesisches Himmelreich" 1968 und "Fische auf den Zweigen" 1980 schildern die Entwicklung einer jungen Frau aus konservativem schlesischen Milieu von den 1920er Jahren bis zur Übersiedlung in die DDR Ende der 1940er Jahre. In ihrem letzten, damals vieldiskutierten Roman "Schlussstrich" 1986 behandelt Rauchfuß das Thema Alkoholismus.
"Von 1967 bis 1976 war sie unter dem Decknamen "Bettina" oder auch "Bettina Schreiber" Inoffizielle Mitarbeiterin des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR."1

Hildegard Maria Rauchfuß' Werk umfasst Romane, Erzählungen, Kinderbücher, Gedichte und Liedtexte, Fernsehdrehbücher sowie Texte für das Leipziger Kabarett Leipziger Pfeffermühle.

"Die traurige Ballade", die auf aktuelle Missstände Bezug nahm, wurde zu einer Spitzennummer in deren Programm 2:

    Horch - erschallt aus Leipzigs Mauern
    nicht ein banges Ach und Weh?
    Jeder Bürger muß erschauern,
    hört er´s wimmern: Vau-eee-bee….
    Welch ein trutzig Werk, doch innen
    herrscht ein fürchterlicher Wahn.
    Weiber, laßt die Zähren rinnen
    übern VEB Montan.

    Eine Jungfrau, namens Biele,
    diplomierter Ingenieur,
    hockt vergessen im Asyle,
    fern von Mitleid, Schutz und Wehr.
    "Denn" befahl der Kaderleiter
    "Fraun mit Grips und im Berufe,
    nehmen auf der Aufstiegsleiter
    Platz. Doch auf der Anfangsstufe."

    Gräßlich sitzt sich´s auf der Leiter,
    weit liegt Sprosse zwei, drei, vier.
    Grimmig sitzt der Kaderleiter
    hinter einer anderen Tür.
    Dort befreit er seine Niere,
    manchmal tut der Bauch ihm weh;
    Dann, statt dem Toilett´papiere
    nimmt er´s Fraunkommunique.

    Bürgerinnen, die ihr tüchtig
    wollt studieren, laßt es sein.
    Nehmt die Leistung nicht so wichtig,
    legt zu Hause Gurken ein."

Rauchfuß' Liedtexte wurden unter anderem von Gisela May und der DDR-Band City interpretiert.

Am Fenster
Text: Hildegard Maria Rauchfuß (Vom Album "City")

    Einmal wissen dieses bleibt für immer
    Ist nicht Rausch der schon die Nach verklagt
    Ist nicht Farbenschmelz noch Kerzenschimmer
    Von dem Grau des Morgens längst verjagt
    Einmal fassen tief im Blute fühlen
    Dies ist mein und es ist nur durch dich
    Nicht die Stirne mehr am Fenster kühlen
    Dran ein Nebel schwer vorüber strich
    Einmal wirklich fassen und nie wieder
    alles geben müssen, was man hält
    Klagt ein Vogel? Ach, auch mein Gefieder
    Näßt der Regen flieg ich durch die Welt
    Einmal fassen tief im Blute fühlen
    Dies ist mein und es ist nur durch dich
    Klagt ein Vogel? Ach, auch mein Gefieder
    Näßt der Regen flieg ich durch die Welt

"Hildegard Maria Rauchfuß gehörte seit 1950 dem Schriftstellerverband der DDR und seit 1975 dem Verband der Journalisten der DDR an. Sie erhielt unter anderem folgende Auszeichnungen: 1963 den Kunstpreis der Stadt Leipzig, 1973 die Johannes-R.-Becher-Medaille, 1979 den Vaterländischen Verdienstorden sowie 1986 einen Nationalpreis der DDR. Sie starb am 28 Mai 2000 in Leipzig." 1

 

(März 2011)

 

1 http://de.wikipedia.org/wiki/Hildegard_Maria_Rauchfuß
2 "Geh hin, wo der Pfeffer wächst Drei Jahrzehnte Mühlen-Malerei" v. Hanskarl Hoerning S.89/90 Henschelverlag Berlin 1984

 

 

 

 

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