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  Ute Tartz


Rahel Amalia Augusta Trier

 

 

Rahel Amalia Augusta Trier war eine Frau, deren Leben nur durch das Ansehen ihres Mannes definiert ist, obwohl sie eine Wohltäterin für die Stadt Leipzig war.


 
Rahel Amalia Augusta Trier  

Sie lebte von 1731 bis 1806, war die zweite Frau des "Kurf. Sächs. Appelationsrats und vorm. Prokonsul" 1 Dr. Carl Friedrich Trier. Über ihr Leben ist ansonsten so gut wie nichts bekannt. Auf dem Alten Johannisfriedhof befindet sich das Grab von Dr. Trier, der 1794 verstarb. Da auf dem Familiengrabstein nur seine zweite Frau, aber keine Namen von Kindern stehen, ist anzunehmen, dass das Ehepaar kinderlos war.

In ihrem Testament vermachte Rahel Amalia Augusta Trier der Universität Leipzig ein Grundstück mit dazugehörigem Gartenhaus zur Eröffnung eines "Hebammen-Instituts" auf dem Gelände der Wasserkunst am Pleißemühlgraben (heute stehen dort das Reichsgerichtsgebäude und die Universitätsbibliothek). Die teilweise Nutzung des Geländes für einen Botanischen Garten wurde zugelassen. Dieser wurde dann 1876/77 verlegt, als die Entscheidung gefallen war, auf dem Gelände das Reichsgerichtsgebäude zu errichten. Prof. Dr. Johann Carl Gehler, ein Verwandter des Ehepaars Trier, selbst auch Geburtshelfer, hatte das Ehepaar für die Stiftung gewinnen können. Grund waren die sozialen Missstände vor allem in der Krankenversorgung von Frauen, Schwangeren und Wöchnerinnen. Häufig starben Säuglinge und Wöchnerinnen, und diesem Übel konnte nur durch Ausbildung von Hebammen begegnet werden. Bis dahin waren Hebammen kaum fachkundig ausgebildet. Auf Geburtskomplikationen, Früh- und Totgeburten, die Bekämpfung des Kindbettfiebers und von Geschlechtskrankheiten war man schlecht vorbereitet. Die theoretische und praktische Ausbildung der Geburtshelfer war also eine vordringliche Sozialaufgabe zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Unter Aufsicht der Medizinischen Fakultät sollte das neue Hebammeninstitut entstehen. Im Stiftungsbuch ist genau festgelegt: "Darin sollen fähige, von den Obrigkeiten ausgesuchte Weiber aus den benachbarten Kreisen, vornehmlich aber aus dem Leipziger und dem Thüringer Kreise, in allen für die Geburtshilfe, Besorgung der Wöchnerinnen und der Kinder nötigen Kenntnissen unentgeltlichen Unterricht erhalten, ebenso die in Leipzig studierenden jungen Ärzte, die in der Zukunft die Geburtshilfe ausüben wollen. Das ganze Institut soll zum Andenken der Familie der Stifterin den Namen Triersches Institut führen." 1

Dem Hebammeninstitut sollte eine Entbindungsstation angegliedert werden. Diese sollte vor allem mittellosen und ledigen Schwangeren zur Verfügung stehen, was Kritiker aus kirchlichen Kreisen auf den Plan rief. Trotzdem wurde im Oktober 1810, auch dank der Geldspenden weiterer Leipziger Bürger, das Triersche Institut mit anfangs sechs Betten eröffnet. Auf den ersten Lehrstuhl für Geburtshilfe kam Dr. Johann Christian Gottfried Joerg.
Das erste Kind wurde am 9. Oktober 1810 geboren.

Die Hebammenschülerinnen erhielten in Halbjahreskursen theoretische und praktische Kenntnisse der Behandlung der natürlichen und der unnatürlichen Geburt und mussten eine Abschlussprüfung ablegen. Sie erhielten damit eine berufliche Anerkennung und ein Stück Selbständigkeit. Im 19. Jahrhundert war das keineswegs die Regel. Die Hebammen hatten damit die Chance, allein für sich und eine Familie zu sorgen, falls der Ernährer fehlte.
Am Trierschen Institut erfolgte auch erstmals für Medizinstudenten eine praktische Ausbildung in der Geburtshilfe. Vorher hörten die Studenten nur in der Chirurgievorlesung ein wenig darüber.

Bereits nach 18 Jahren litt das Triersche Institut unter Platzmangel und brauchte ein größeres Gebäude. Aus dem Trierschen Institut wurde die heutige Universitätsfrauenklinik. Über dem Portal der 1892 eingeweihten Universitätsfrauenklinik in der Philipp-Rosental-Straße stand bis in die heutige Zeit "Triersches Institut".

 

(Dezember 2010)

 

1 Irma Hildebrandt "Provokationen zum Tee" Eugen Diederichs Verlag München 1998

 

 

 

 

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