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  Ute Tartz


Rosalie Marbach geborene Wagner

 

 

Rosalie Marbach war eine in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts bekannte und gefeierte Schauspielerin. Sie war die Lieblingsschwester Richard Wagners. Er empfand für sie eine große Zuneigung und verehrte sie fast schwärmerisch. Sie hielt treu zu ihm, zweifelte nie an seinen Fähigkeiten wie andere Familienmitglieder und er manchmal auch selbst und bestärkte ihn darin, Musiker zu werden.


 
Gedenktafel am Haus Brühl 3
in Leipzig
 

Am 4. März 1803 wurde sie als drittes Kind des Polizeiaktuars Friedrich Wilhelm Wagner und seiner Ehefrau Johanna Rosine Wagner in Leipzig im Haus Brühl 3 geboren. In diesem Haus wurde 10 Jahre später auch Richard Wagner geboren. Es wurde 1886 abgerissen, das Gelände mehrmals überbaut. Nur eine Bronzetafel von Fritz Zalisz am ehemaligen Kaufhaus Brühl, das 2010 abgerissen wurde, erinnerte an Richard Wagners Geburtshaus. Mit der 2012 erfolgten Eröffnung der "Höfe am Brühl" erinnert die Tafel am Brühl 3 wieder daran, dass sich hier einst das "Gasthaus zum roten und weißen Löwen " befand, über dem Richard Wagner 1813 das Licht der Welt erblickte.

Friedrich Wagner war ein gebildeter Mann. Er liebte das Theater und die Schauspielerei. Manchmal übernahm er selbst kleine Rollen als Laienschauspieler. Befreundet war er unter anderem mit E.T.A. Hoffmann. Aufgrund seiner Französischkenntnisse fungierte er während der französischen Besetzung Leipzigs 1813 als Verbindungsmann zwischen dem Magistrat der Stadt und der Besatzungsmacht. Kurz nach der Völkerschlacht bei Leipzig brach eine Typhusepidemie aus, deren Opfer auch Friedrich Wagner im November 1813 wurde.

Ludwig Geyer, Schauspieler, Porträtmaler und Dichter und langjähriger Freund der Familie, heiratete die Mutter Johanna Rosine im August 1814 und wurde für die noch lebenden 7 Kinder ein treu sorgender zweiter Vater. Weil er im gleichen Jahr ein Engagement als Charakterdarsteller in Dresden erhielt, siedelte er mit der Familie nach Dresden über. Sein Dresdner Haus war ein Treffpunkt für Theaterleute und -liebhaber. Im Hause Geyer gab es viele Feste mit Kostümierung, Puppentheater, gemeinschaftliches Singen und Lesungen sowie Ausflüge in die Umgebung. U. a. war Kapellmeister Carl Maria von Weber gern zu Besuch bei der Familie Geyer.
Durch ihren Stiefvater lernten die Kinder die Welt des Theaters kennen. Die Geschwister Albert, Rosalie, Luise und Klara ergriffen eine Theaterlaufbahn, Albert als Sänger und Regisseur, Rosalie und Luise als Schauspielerinnen, Klara als Sängerin. Richard wurde Komponist und Kapellmeister.

Geyer förderte Rosalies künstlerisches Talent nach Kräften. Sie trat in Dresden 15-jährig am 02. 03. 1818 in Geyers nicht überliefertem Stück "Das Erntefest" auf. In dem Stück "Das Mädchen aus der Fremde" von Geyer hatte bereits im Mai 1817 ihre jüngere Schwester Luise debütiert. 1820 wurde Rosalie zur Dresdner Hofschauspielerin ernannt. Sie war im Sprechtheater tätig, versuchte sich aber auch mit Erfolg unter Carl Maria von Webers eigener Leitung in der Rolle der "Preziosa" in Webers Oper zum ersten Male im Gesang und Tanz. Den gleichen Beifall wie in Dresden erntete sie in Leipzig, wo sie eine Reihe von Gastrollen gab, bei denen sie neben dem Käthchen von Heilbronn, der Marianne in Goethes "Geschwistern" auch die "Preziosa" spielte.

Als Ludwig Geyer 1821 an Schwindsucht starb, war die Familie so gut wie mittellos. Die Kinder mussten früh für sich selbst sorgen. Rosalie wurde mit ihrer Theatergage die wichtigste finanzielle und emotionale Stütze der Mutter.

 
  Rosalie Wagner 1

1826 erhielt sie ein Theaterengagement in Prag. Mit ihr übersiedelte die Familie nach Prag, nur Richard blieb in Dresden. Als Emilia Galotti, Luise in "Kabale und Liebe", Thekla im "Wallenstein" und Portia im "Kaufmann von Venedig" feierte Rosalie in Prag große Erfolge. Sie war beliebt und genoss als Schauspielerin künstlerische Anerkennung.
Auch Schwester Klara setzte ihre Sängerinnenlaufbahn in Prag fort. 1827 ging sie aber mit Bruder Albert ans Augsburger Stadttheater.

Seit 1827 wohnte die Mutter mit den jüngeren Kindern wieder in Leipzig. Auch die Schwester Luise war nach Leipzig berufen worden, und Richard war ebenfalls ab Weihnachten 1827 bei seiner zurückgekehrten Familie in Leipzig.

1829 gab Rosalie Gastspiele in Darmstadt, Kassel und Hamburg. Im gleichen Jahr erhielt sie ein Engagement am Theater in Leipzig. Es befand sich unweit ihres Geburtshauses auf der Ranstädter Bastei. Auch die Schwester Luise war hier zeitweilig als Schauspielerin engagiert. Anlässlich der Theatereröffnung am 2. August sprach sie zu Shakespeares "Julius Cäsar" den Prolog. Der Höhepunkt ihrer Karriere war die Rolle des Gretchens in der ersten Leipziger Inszenierung des "Faust", die Goethes 80. Geburtstag gewidmet war. Sie trat auch in der "Stummen von Portici" von Auber auf, doch ihre Paraderolle war das Gretchen.
 
  Theater auf der Ranstädter Bastei 2
Der Schriftsteller und Theaterkritiker Heinrich Laube schrieb dazu: "Ich habe das Gretchen nie mit so intensiver Kraft der Empfindung spielen sehen. Es ist mir hier zum ersten Male beim Ausbruch von Gretchens Wahnsinn kalt bis ins Mark gedrungen, und ich habe bald eingesehen, woran es liegt. Die meisten Schauspielerinnen schrauben den Wahnsinn zum Pathos, zur Unnatur hinauf, sie sprechen ihn hohl, gespensterhaft. Rosalie Wagner sprach ihn mit derselben Stimme, mit der sie kurz zuvor ihre Liebesgedanken gesprochen; dieser grauenhafte Gegensatz brachte die größte Wirkung hervor. Ich meinte einen Augenblick, dieser übermenschliche Schmerz gehöre nicht mehr in das Gebiet der Kunst, und wenn der Wahnsinn so ergreifend dargestellt werden könnte, dürften die Dichter ihn nicht mehr schreiben....".1

Ab 1832 war Friedrich Sebald Ringelhardt Theaterdirektor in Leipzig. Von ihm wird berichtet, dass er die französische und italienische Oper bevorzugte. Darunter litt auch das Ansehen Rosalie Wagners. Ringelhardt und die Leipziger Theaterbesucher schwärmten für eine brünette orientalische Schönheit, Therese Reimann. 1833 war die Rivalität der beiden Damen zugunsten Therese Reimanns entschieden. Nur in der Rolle des Gretchens fand Rosalie noch gebührende Anerkennung. Erst nachdem die bevorzugte brünette Reimann 1835 nach Breslau gegangen war, war Rosalie Wagner wieder in der Gunst des Publikums ganz oben.
Ihr Theaterruhm war aber an die Rollen jugendlicher Liebhaberinnen geknüpft. Sie beendete ihre Theaterlaufbahn zeitig, vielleicht wegen des fortschreitenden Alters, vielleicht auch wegen eines Nervenleidens.

Sie hatte ihre Theaterlaufbahn bereits beendet, als sie 1836 den sieben Jahre jüngeren Dichter und Schriftsteller Dr. Oswald Marbach heiratete.
Er hatte Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften in Breslau und Halle studiert und 1831 promoviert. 1833 habilitierte er sich an der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig, wo er dann als Privatdozent arbeitete.
Die Ehe währte nur kurz, denn Rosalie Marbach starb fünf Tage nach der Geburt ihrer Tochter Margarete Johanna Rosalie am 12. Oktober 1837 an den Folgen eines Kreislaufkollapses.
Marbach widmete ihr eine Folge von Sonetten im "Buch der Liebe", die seinem Schmerz über den Verlust Ausdruck gaben.


 
Grabstein für Rosalie Marbach
und Johanna Rosine Wagner 3
 

Rosalie Marbach wurde auf dem Alten Johannisfriedhof begraben.
Heute findet man auf dem Johannisfriedhof noch den Gedenkstein an sie und ihre ebenfalls dort begrabene Mutter. Bei der Umgestaltung des Friedhofs in den 1990er Jahren wurde er einige Meter von der ursprünglichen Stelle entfernt wieder aufgestellt. Er trägt den Vers ihres Mannes:

"Was der Erde entspross,
Nahm sie mütterlich auf,
Was sich vom Himmel ergoss,
Schwang sich zum Himmel hinauf"

Zu Ehren Oswald Marbachs erhielt 1898 eine Straße in Gohlis seinen Namen.

 

(November 2013)

 

 

 

 

1 http://dresden.stadtwiki.de/wiki/Rosalie_Wagner
2 http://www.richard-wagner-leipzig.de/de/ein_Leipziger/Das_Theater_auf_der_Ranstaedter_Bastei_1054.html
3 http://www.leipzig-lexikon.de/biogramm/Marbach_Rosalie.htm

 

 

 

 

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