Die Katharinenstraße

Die 199 m lange Straße beginnt am Markt, führt geradlinig in nördliche Richtung und mündet schließlich in den Brühl. Im südöstlichen Winkel der Einmündung auf den Brühl befand sich seit dem Mittelalter die 1233 geweihte Katharinenkapelle bis 1546, nach der die Straße benannt wurde. Beginnend mit dem Romanushaus an der Ecke zum Brühl , entstanden durch Um- und Neubau zahlreiche prächtige barocke Bürgerhäuser, so dass sie bald als Hauptstraße des Barocks in Leipzig galt.
Bei den Bombenangriffen von 1943 bis 1945 wurde die Bebauung auf der Ostseite der Katharinenstraße vollständig zerstört. In den Jahren 1962/1964 wurde hier südlich des Böttchergäßchens ein sechsgeschossiger Wohnblock mit öffentlichem Innenhof erbaut. Nördlich des Böttchergäßchens entstand im Jahr 1969 der Sachsenplatz, der jetzt aber mit dem Museum der bildenden Künste bebaut wurde. Zwei der vier das Museum umschließenden Winkelbauten liegen an der Katharinenstraße.


Die Alte Waage, Markt 4 / Ecke Katharinenstraße

Die Sicht nach Norden zeigt die Alte Waage, die 1555 vermutlich unter Aufsicht von Hieronymus Lotter entstand und zu den wichtigsten Bauten der Messestadt im Renaissancestil gehörte. Das Gebäude wurde während des Zweiten Weltkriegs stark zerstört und 1963/64 wieder aufgebaut. Die Fassade zum Markt mit dem charakteristischen Staffelgiebel wurde nach historischem Vorbild errichtet, dabei wurde auf die Rekonstruktion des bereits 1861 abgebrochenen vorgelagerten Treppenturm verzichtet. Die Fassade zur Katharinenstraße ist im Stil der Moderne gestaltet. (Foto links von 1925)

Die Katharinenstraße 3, Oertels Haus

Das Barockgebäude wurde 1709 vom Zimmerermeister Johann Christian Schmidt erbaut. Im Jahre 1710 erwarb es der Leipziger Kaufmann Theodor Oertel. Das Haus wird in der Mittelachse durch einen dreigeschossigen Kastenerker betont. (Foto links von 1910)

Von der Katharinenstraße 5 mit Blick zum Alten Rathaus

Im Vordergrund ist die Katharinenstraße 5, dahinter das Barockgebäude Nr. 3 (Oertels Haus) und die Alte Waage, Katharinenstraßen-Seite, zu sehen. (Foto links von 1938)
Die kriegsbedingt zerstörten alten Gebäude Nr. 5-9 wurden abgebrochen. In der Baulücke entstand ab 1966 ein modernes Büro- und Wohngebäude.


Die Katharinenstraße

Die Katharinenstraße Nr. 9-23, linke Seite mit Blick zum Brühl. (Foto links um 1930)
Die heutigen Gebäude Nr. 15 und 17 wurden am Anfang des 20. Jahrhunderts als Geschäftshäuser neu errichtet.


Die Katharinenstraße 11, Fregehaus

Der Kaufmann Gottfried Otto kaufte 1705 das Grundstück und ließ das dort befindliche Haus in den Jahren 1706 bis 1707 vom Leipziger Ratsmaurermeister Johann Gregor Fuchs im barocken Stil umbauen. Aus dem Vorgängerbau aus dem 16. Jh. wurde das spätgotisch anmutende Eingangspotal einbezogen. Zu den erhaltenen Teilen des Vorgängerbaus gehört das Kreuzgewölbe der Hofeinfahrt. Das aus vier Flügeln bestehende Gebäude ist um einen rechtwinkligen Innenhof herum angelegt. Die symmetrische Hauptfassade ist von einem mit Fruchtgirlanden verzierten Kastenerker gekennzeichnet. Auf dem steilen Dach sitzen 15 Gauben. Seinen heutigen Namen verdankt das Fregehaus dem Bankier Christian Gottlob Frege, der es 1782 erwarb. (Fotos links von 1880 und mittig vor 1943)

Die Katharinenstraße 13

Der Gebäudekomplex zwischen Katharinenstraße 13 und Hainstraße 10 wurde 1906 vom Architekten Otto Riehl für den Rittergutsbesitzer Johannes von Grane errichtet. Bei der Fassadengestaltung wurden neogotische Elemente verwendet. Die im Haus befindliche Passage endet in der Hainstraße als "Der große Joachimsthal".

Die Katharinenstraße 17

1910/12 entstand durch Zusammenlegung dreier Gebäude der heutige Kretschmanns Hof vom renomierten Leipziger Architekten Max Fricke. Die Mittelachse der vertikal betonten Fassadengestaltung wird durch einen zweigeschossigen steilen Dreiecksgiebel abgeschlossen. Im Erdgeschoß befand sich mit dem Metropoltheater eines der frühesten Kinos in Leipzig. Die Passage führte zu dem Gasthof "Blauer und Goldener Stern" in der Hainstraße 14. (Foto links von 1912)

Die Katharinenstraße 19

Das reich verzierte Rokoko-Gebäude wurde 1748/49 für den Kaufmann Jobst Heinrich Hansen errichtet. Architekt war der berühmte Barockbaumeister George Werner. Die Mittelachse wird nicht mehr durch Erker sondern durch Rocaillen betont. Das Gebäudeensemble besteht aus zwei hintereinander liegenden Höfen. Diese erstrecken sich vom straßenseitigen Haupthaus hofartig nach innen und weisen nutzungsbedingt einen unterschiedlichen Charakter auf. Der halb öffentlich zugängliche barocke Durchgangshof bleibt den vielfältigsten Handelsangeboten vorbehalten. Der dahinter liegende Hof ist ein urbaner Wohnhof. (Foto links von 1912)
Seit 2016 wird das Gebäude mit der Rokkoko-Fassade saniert. Nach Abschluss der umfassenden Baumaßnahmen werden die Katharinenhöfe einen attraktiven Mix von Einzelhandels-, Büro- und Wohnflächen bieten.


Die Katharinenstraße 21

Unter Verwendung älterer Bausubstanz aus dem 16. Jh. wurde das um einen kleinen Innenhof angelegte Bürgerhaus in den Jahren 1750 bis 1752 durch den Maurermeister Friedrich Seltendorff errichtet. Bauherr war der Kaufherr Gottlieb Benedikt Zehmisch. Aus der Erbauungszeit stammt das Einganstor mit dem zierlichen Rokoko-Oberlichtgitter. (Foto links von 1945)

Die Katharinenstraße 23, Romanushaus

Das in den Jahren 1701 bis 1704 erbaute Stadtpalais zählt zu den Hauptwerken der von Dresden beeinflussten Leipziger Barockarchitektur. Früher als Bürgerhaus genutzt, dient es heute als Geschäftshaus. Das vier Grundstücke umfassende Romanushaus ist als barockes Stadtpalais mit sockelartigem Erdgeschoss, drei verschieden hohen Stockwerken und einem Mansarddach ausgelegt. Verbunden sind beide Fronten durch einen zweistöckigen Erker an der im 45-Grad-Winkel abgeschrägten Hausecke. Im Südwesten umschließt das Bauwerk einen kleinen rechteckigen Innenhof. dem Dach war ursprünglich ein fünf Fenster breites und zwei Fenster tiefes, einstöckiges Belvedere Dachpavillon) mittig über der Nordfassade aufgesetzt, welches 1874 entfernt, in den 1990er Jahren im Zuge von Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten aber wieder aufgebaut In der Nische unter dem Eckerker wurde in neuerer Zeit eine vermutlich von Balthasar Permoser geschaffene Hermesstatue aufgestellt. Das Romanushaus verdankt seinen Namen Franz Conrad Romanus (1671-1746), ab 1701 Bürgermeister Leipzigs, der das Gebäude zwischen 1701 und 1704 nach Plänen des Leipziger Ratsmaurermeisters Johann Gregor Fuchs erbauen ließ. Zu diesem Zeitpunkt gehörte das Gebäude bereits nicht mehr Romanus, der inzwischen der Fälschung von Ratsschuldscheinen überführt und auf der Festung Königstein inhaftiert worden war. (Foto links von 1932)

Von der Katharinenstraße mit Blick zum Markt und zum Alten Rathaus

Links im Vordergrund die Katharinenstraße 4 (Griechenhaus) mit der Gaststätte Alt-Nürnberg. (linkes Foto von 1928)
Heute befindet sich seit 1966 ein Wohnblock, der in Form eines umbauten Durchgangshofes gestaltet wurde.


Die Katharinenstraße mit Blick zum Markt

Im Griechenhaus, Katharinenstraße 4, befand sich seit dem 18. Jh. ein Bethaus der Hellenisch-Griechischen Gemeinde. Das Haus stammte noch aus gotischer Zeit, der Holzerker wurde 1680 angebaut. (Fotos links um 1940) Während des Krieges wurde diese Straßenseite fast vollständig zerstört. An dieser Stelle befindet sich seit 1966 ein Wohnblock, der von den Architekten Rudolf Rohrer, Heinrich Göller und Klaus Poller in Form eines umbauten Durchgangshofes gestaltet wurde.

Die Katharinenstraße 12-26 mit Blick zum Brühl

Die Katharinenstraße 16 war eines der schönsten barocken Bügerhäuser (Foto oben links und Mitte um 1905). Das Haus war im Autrag des Kaufmanns Peter Hohmann von Gregor Fuchs begonnen worden. Als dieser 1715 verstarb, wurde es wie die Nachbarhäuser Nr. 14 und 12 durch Christian Döring für die Leipziger Kaufleute Schacher und Schellhafer fertiggestellt (Kupferstich oben rechts). Besonders interessant an den reich gegliederten Fassaden sind die über drei Stockwerke gehenden Erker. Auch diese Häuser fielen den Bomben zum Opfer.
Das Zimmermannsche Kaffeehaus, befand sich in dem 1717 von Christian Schellhafer, erbauten barocken Bürgerhaus Nr.14, Ecke Böttchergasse, das ab 1727 Oertelsches Haus hieß. Das Kaffeehaus wurde betrieben von Gottfried Zimmermann. Dort konzertierte ab 1723 das Leipziger studentische Collegium Musicum, das Georg Philipp Telemann als Student der Rechtswissenschaft 1702 gegründet hatte. Von 1729 leitete Johann Sebastian Bach das Collegium Musicum und führte hier viele seiner weltlichen Kantaten auf. Die Konzerte endeten mit Zimmermanns Tod im Jahre 1741. Sie gelten als Vorläufer der Gewandhauskonzerte, als deren Geburtsstunde die Gründung der musikalischen Gesellschaft Großes Concert 1743 angesehen wird. (siehe Tafel am Gebäude)
1969 bis 2001 befand sich hier der Sachsenplatz. Im Jahr 1969 wurde am Brühl angrenzend an den Sachsenplatz das aufwendig gestaltete Gebäude der "Leipzig-Information" eröffnet.
Von 2002 bis 2004 entstand auf dem Gelände der kubusförmige Neubau für das Museum der bildenden Künste. Als Randbeauung wurde im Mai 2011 das Katharinum mit Handelseinrichtungen im Erdgeschoß, Büroflächen und hochwertigen Wohnungen in den Obergeschossen übergeben. Der Bau erfolgte in Parzellierung, wie sie bis zur kriegsbedingten Zerstörung prägend war. Von 2015-2017 wurde das Bernstein Carré als Randbebauung mit hochwertigen Büros, Handelsflächen und Wohnungen erbaut.

Die Katharinenstraße 6-8

Am 6. Mai 2011 fand unweit des alten Standorts des Jöcherschen Hauses, Markt 2, die Einweihung des Neubaus des Katharinums statt. Dabei wurden die beiden restaurierten barocken Frauenfiguren vom Jöcherschen Haus (1930 von Bildhauer Johannes Hartmann) enthüllt. Sie schmücken nun den Eingang der Leipziger Tourismus-Information am Nordgiebel des Katharinums, Katharinenstraße 8. (Foto links von 1890, Portal des Jöcherschen Hauses)

Die Katharinenstraße Mit den letzten Häusern in Richtung Brühl

Diese Gebäude der östlichen Seite der Katharinenstraße fielen ebenfalls den Bomben zum Opfer. Hier standen u. a. die Nr. 18, Richters Hof (Foto links von 1885), die Nr. 20 mit einem über zwei Etagen reichenden Renaissanceerker und die Gebäude bis zur Nr. 26, dem Lotterhaus. (Fotos rechts von 1933)
Heute befindet sich an Stelle von Richters Hof die Freifläche zum Haupteingang des Museums der Bildenden Künste Leipzig.


Die Katharinenstraße 26, das Lotterhaus

Ab dem 16. Jh. stand hier ein prachtvolles Wohn- und Geschäftshaus, in dem Hyronimus Lotter wohnte. Das Haus fiel 1943 den Bombenangriffen zum Opfer und wurde abgerissen. (Foto vor 1943)
1969 wurde hier der Sachsenplatz errichtet. Von 2015-2017 wurde das Bernstein Carré mit hochwertigen Büros, Handelsflächen und Wohnungen erbaut.