Die Nikolaistraße

Die Nikolaistraße ist eine der ältesten Leipziger Straßen und sie führt von der Nikolaikirche zum Hauptbahnhof. Der Durchstich zum Stadtring erfolgte 1912/13, wodurch der 1915 fertiggestellte Hauptbahnhof von der Westhalle aus direkten Zugang zum Stadtzentrum erhielt. Das imposante architektonische Erscheinungsbild erhielt die Straße zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Errichtung stattlicher Pelzgewerbehäuser.

Speckshof, Nikolaistraße 6-9

Seit etwa 1430 befand sich an dieser Stelle ein großes Gebäude, das als Wohnhaus, Brauhaus und Weinkeller diente. Das Gelände wurde 1815 von Maximilian Speck von Sternburg gekauft und hieß seitdem Specks Hof. Nach Entwürfen von Emil Franz Hänsel wurde in den Jahren 1908/09, 1911 und 1928/29 in drei Bauabschnitten ein Messepalast errichtet, der zu den architektonisch wertvollsten Geschäftshäusern in Leipzig zählt. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Gebäudekomplex stark beschädigt. In den Jahren 1981/82 wurden die historischen Passagen behutsam saniert. Eine erneute Restaurierung, bei der die historische Bausubstanz weitgehend wieder hergestellt wurde, fand in den Jahren 1993 bis 1995 statt.

Deutrichs Hof, Nikolaistraße 11-13

Deutrichs Hof erstreckte sich als schmaler etwa 80 m langer Bau zwischen den Straßenfronten Reichstraße 8 und Nikolaistraße 13. Der Kopfbau war an beiden Straßenfronten ein dreistöckiges Gebäude im Stil der Spätrenaissance, 1653-1655 von Andreas Egger errichtet. Danach kam das an der Nikolaistraße benachbarte Grundstück Nr. 11 hinzu. Über beide Grundstücke wurde 1896 ein neoklassizistisches Gebäude (Foto Mitte) errichtet. Dieses wurde im Zweiten Weltkrieg total zerstört.
Auf dem Nikolaistraßenteil des Grundstücks wurde während der DDR-Zeit das Interpelz-Gebäude errichtet, das 2008 durch das "Motel ONE" ersetzt wurde.


Die Nikolaistraße mit Blick zum Brühl

Vom Nikolaikirchhof aus gesehen zeigt die Nikolaistraße im linken Foto um 1900 eine geschlossene Front historischer Bauten. Heute stehen hier das "Motel ONE" und vorrangig die zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichteten Bauten des Pelzgewerbes.

Zeppelin-Haus, Nikolaistraße 27-29

Das Zeppelin-Haus wurde in den Jahren 1911/12 für den Rauchwarenhändler Felix Reimann nach Plänen des Architekten Gustav Pflaume erbaut. Am Gebäude selbst steht "Zeppelin Haus", auch ein Relief des Grafen Zeppelin ist an der Fassade zu finden.
Das Foto links zeigt den Vorgängerbau um 1900.


Die Nikolaistraße vom ehemaligen Goldhahngässchen mit Blick zum Brühl

Links die alten Gebäude um 1915 mit dem ehemaligen Goldhahngäßchen. In den 1980er Jahren wurde die durch Kriegsschäden entstandene Baulücke durch einen Neubau in Plattenbauweise (Nikolaistraße31, Foto rechts) geschlossen, wobei das Goldhahngäßchen überbaut wurde.

Blauer Hecht, Nikolaistraße 39-45

Nach einem erstmals im Jahre 1551 erwähnten Gasthof "Zum blauen Hecht" (linkes Foto um 1912) hat das Haus noch heute seinen Namen. Die Fassadenverkleidung des 1911/12 nach einem Entwurf von Leopold Stenzler errichteten Pelzgewerbehauses ist in flächigem Kalkstein ausgeführt. Der Passagenzugang ist durch das Hauszeichen mit der Darstellung eines blauen Hechtes betont. Der Durchgangshof zur "Goldenen Traube" bis in die Reichstraße 30/32 wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Seltershaus, Nikolaistraße 47-53

Das sogenannte "Selters Haus" wurde in den Jahren 1908/09 für den kaiserlich-japanischen Konsul Alfred Selter vom Architekten Alfons Berger errichtet. Schön, daß die Aufschrift "Selter & Weinert - Rauchwaren" am Haus noch erhalten geblieben ist. Über dem Seiteneingang sind 5 Putti im Majolika-Fries zu sehen. Auffällig am "Selters Haus" sind ebenso die Pelztiervorderkörper aus Kupfer. Übrigens besaß der Konsul Alfred Selter noch eine Villa im Stadtteil Gohlis.

Die Nikolaistraße vom Brühl mit Sicht zum Nikolaikirchhof

Das linke Foto zeigt die Straßenansicht von 1913. Daneben ist der heutige Zustand mit Seltershaus und Blauer Hecht zu sehen.

Das Schwarze Hufeisen, Nikolaistraße 55 / Ecke Brühl und die Nikolaistraße 57-59

Dieses Gebäude nennt sich "Das Schwarze Hufeisen" und befindet sich in der Nikolaistraße/Ecke Brühl. Erbaut wurde das Haus mit der Gravur des Hufeisens, den Schlangen sowie der Eule über dem Eingang in den Jahren 1913/1914 nach Plänen des Architekten Emil Franz Hänsel. Heute wird das Gebäude als Büro- und Geschäftshaus genutzt.
Das Geschäftshaus Harmelin befindet sich in der Nikolaistrasse auf dem Weg vom Haupbahnhof in die Innenstadt. Das Gebäude wurde in den Jahren 1913/1914 für die jüdische Kaufmannsfamilie Harmelin, welche Rauchwarenhändler waren, errichtet. Der Kaufmann und Rauchwarenhändler Max Harmelin setzte die Rauchwarendynastie der Harmelins, die im Jahr 1830 durch dessen Großvater Jacob Harmelin gegründet wurde, weiter fort. 1939 wurde die Rauchwarenfirma enteignet,


Die Nikolaikirche

Die dem heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Kaufleute, geweihte romanische Nikolaikirche ist um 1170/80 enstanden. Die heutige äußere Gestalt geht vor allem auf den spätgotischen Umbau zurück. 1555 kappte Hieronymus Lotter die zwei gotischen Turmspitzen, versah sie mit den heute noch erhaltenen welschen Hauben und setzte den achtseitigen Mittelturm einschließlich Türmerwohnung auf. Die Bekrönung wurde 1730/31 barock vollendet (Stich von 1749). In den Jahren 1784 bis 1797 wurde der Innenraum der Kirche durch Johann Friedrich Carl Dauthe durchgreifend umgestaltet. Aus der spätgotischen Hallenkirche wurde ein klassizistisches Raumensemble.
Die montäglichen Friedensgebete in der Nikolaikirche und die Montagsdemonstrationen mündeten im Herbst 1989 in den Ereignissen der friedlichen Revolution.


Die Nikolaistraße von der Nikolaischule zum Brühl

Das linke Foto zeigt die Straßenansicht von 1896. Vorn der Giebel der Alten Nikolaischule. Am 6. September 1512, dem Tag des heiligen Nikolaus, konnte am Nikolaikirchhof die erste weltliche Schule Leipzigs eingeweiht werden. Daneben ist der heutige Zustand zu sehen.

Goldene Hand, Nikolaistraße 16

Das Geschäftshaus "Goldene Hand" befindet sich nur unweit der Nikolaikirche. Das Gebäude ist eines der ältesten in dieser Straße und wurde im Jahr 1854/55 nach Entwürfen des Architeken Paul Bachmann erbaut. Gebaut wurde es als "Commisions- & Speditionsgeschäft von Johann Christian Freygang", dessen Name ebenso an der Hauswand eingraviert ist. Mittig über dem Eingang des Gebäudes prangt eine goldene Hand, welche als Hauszeichen diente und gleichwohl den florierenden Handel während der Messen symbolisiert.

Oelßners Hof, Nilolaistraße 20-26

Das stattliche neobarocke Pelzgewerbehaus zwischen Nikolai- und Ritterstraße wurde 1907/08 durch den Leipziger Architekten und Bauunternehmer Max Pommer im Auftrag der Familie Oelßner errichtet. Charakteristisch ist die Gestaltung der Innenhöfe mit den Durchfahrten, welche sich durch den gesamten Häuserblock zogen, damit die Pferdegespanne die Waren anliefern und abholen konnten, ohne zu wenden.
Bevor Oeßners Hof erbaut wurde standen auf dem Gelände barocke Einzelgebäude (1890) mit Handwerksbetrieben, die erst 1896 durch den Kommerzienrat Wilhelm Oelßner vereinigt wurden und seither den Namen "Oelßners Hof" tragen.
Nach der Wende stand das Gebäude über viele Jahre leer und war dem Verfall preisgegeben. 2007 erwarb Claus Sauter den Gebäudekomplex und ließ ihn von 2012 bis 2015 denkmalsgerecht sanieren.


Zwei Reiter, Nikolaistraße 36

Das Haus "Zwei Reiter" in der Nikolaistraße wurde 1910/1911 durch den Architekten Alfons Berger, wie auch am Haus zu lesen ist, erbaut. Besonders markant sind die 2 Reiterputten auf Geißböcken.

Steibs Hof, Nikolaistraße 28-32

Der Leipziger Baumeister Felix Steib errichtete 1906/07 das nach ihm benannte Geschäftshaus. Obwohl es als Messepalast konzipiert, diente es wie viele andere Gebäude entlang der Nikolaistraße dem Pelzhandel. Der Bau ist eine Mischung aus moderner Geschäftsarchitektur mit Formen und Details des Jugendstil. Auffällig ist die neobarocke Sandsteindekoration der Mittelachse. Die Passage wurde 1994 bis 1996 denkmalgerecht saniert, mit einer Verbindung im Dussmann-Haus zum Brühl. Über 700 Pelzfirmen hatten um 1930 im Gebiet um den Brühl, die Nikolaistraße und die Reichsstraße ihren Sitz.

Die Nikolaistraße mit Blick zur Nikolaikirche

Im Vordergrund das Pelzgewerbehaus Oelsners Hof, erbaut 1907/08.

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