Die Petersstraße

Die Stecknerpassage, Petersstraße 2 und das Messehaus Mädler, Petersstraße 8

Die Stecknerpassage wurde 1873 im Auftrag der Kaufmannsfamilie Steckner errichtet. Die Passage erstreckte sich bis zum Thomaskirchhof (75m).
Das Messehaus im Jugendstil für den Kofferfabrikanten Moritz Mädler entstand 1900 nach einem Entwurf von Leopold Stentzler.
Beim Bombenangrif 1943 wurde die Bebauung der Thomasgasse vollständig zerstört. Die Südseite blieb unbebaut und wird seit 1973 als Grünfläche genutzt. Die Neubebauung der Fläche war nach dem Protest der Leipziger Bevölkerunng nicht duchsetzbar.
Lediglich das Wohn- und Geschäftshaus Marquette (Petersstraße 12/14) bildet als Blockrandbebauung die südliche Kante des Thomaskirchhofes. Die Gliederung des Baukörpers findet ihren Ursprung in der kleinteiligen Parzellenstruktur der Leipziger Innenstadt und wird nach dem Entwurf des Architekten Friedrich Gildemeier aus Essen in moderner Form interpretiert.


Der Petershof, Petersstraße 20

Auf dem alten Grundstück befand sich ehemals das Bürgerhaus Blauer Engel; ab 1819 hieß es "Hotel de Russie". Im Jahre 1869 erfolgte unter Hinzuziehung des nördlichen Nachbargrundstücks der Neubau, der ab 1915 Hotel "Reichskanzler" genannt wurde. Am Ende des ersten Welkriegs erfolgte der Umbau zum Meßhaus "Reichskanzler". In den Jahren 1927 bis 1929 entstand nach Plänen des Leipziger Architekten Alfred Liebig das Messehaus Petershof. Der Stahlbetonskelettbau wurde nach Kriegszerstörungen bereits 1946 wieder aufgebaut. In Höhe des ersten Obergeschosses stehen 7 überlebensgroße Fassadenplastiken des Leipziger Bildhauers Johannes Konstantin Göldel. Im Zuge der Progromnacht 1938 wurden diese Figuren entfernt, da der dargestellte Bankier Hans Kroch Jude war. 1994 nach wiederaufgefundenen Fotos sowie einer wiederentdeckten Figur wurden diese durch den Bildhauer Markus Gläser neu geschaffen und wieder aufgestellt. Im Keller- und Erdgeschoß befand sich das Filmthater Capitol mit 1030 Plätzen, das bis 2003 betrieben wurde.
Von 2004 bis 2006 wurde der Petershof (bis auf die denkmalgeschützte Fassade und einen Teil des Lichthofes) abgebrochen und neu als Geschäfts- und Bürohaus mit einer Tiefgarage umgebaut.


Der Grönländer, Petersstraße 24

Das prächtige barocke Bürgerhaus ist 1749 bis 1751 von George Werner für den Kaufmann Johann Martin Haugk erbaut worden. Bis 1875 war es im Besitz der Familie. Wie viele Häuser des 18. Jahrhunderts verfügt es über einen kunstvollen, dreigeschossigen Kastenerker, der im unteren Bereich von zwei liegenden Figuren flankiert wird. Dazwischen befindet eine Relieftafel mit einem Kajakfahrer. Das in Verfall geratene Gebäude wurde 1992 bis 1994 saniert.

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Das Schletterhaus, heute Concentrahaus, Petersstraße 26

Das fünfgeschossige Concentrahaus wurde 1920 vom Leipziger Architekten Otto Droge als Mustermessehaus erbaut. Im Erdgeschoß war dem Gebäude ehemals der Vorbau des Cafes Centra vorgelagert. Bei der Sanierung 1995/96 wurde dieser durch eine zeitgemäße Stahlkonstruktion ersetzt. Der Vorgängerbau wurde nach dem Besitzer, dem Leipziger Kaufmann A. H. Schletter benannt. In seinem Testament stiftete er das Grundstück der Stadt Leipzig mit der Bedingung, den aus dem Grundstückverkauf erzielten Erlös zum Neubau eines Museums einzusetzen.

Die Petersstraße 28

Das niedrige Gebäude, ehemals das Gasthaus zum "Goldenen Arm" wurde 1878 erbaut. Es wurde durch ein fünfgeschossiges Geschäfthaus ersetzt und erhielt 1931 eine moderne Glasfassade. 1996 wurde das Gebäude abgerissen und es entstand ein Neubau mit verglaster Fassade.

Das Messehaus "Drei Könige", Petersstraße 32-34

Das Messehaus “Drei Könige” war früher das Zentrum der Schuhmesse. Erbaut in den Kriegsjahren 1915-1916, nach den Plänen der Architekten Pflaume und Nebel als Stahlbetonbau, wurde es zur Frühjahrsmesse 1917 in Dienst gestellt. Die zwei unteren Etagen beherbergte ein Conzertcafe. Die Fassade aus Muschelkalkstein erhält ihren besonderen Akzent durch den zweistöckigen Erker, in dessen unterem Teil die von Albertshoffer geschaffenen Skulpturen “Drei Könige aus dem Morgenland”, die als Gebälkträger dienen, zu erkennen sind. Auf einem Teil des ehemaligen Messehauses stand einst das Gasthaus “Zu den drei Königen”, von dem sich der Name ableitet.


Den Blick in Richtung Markt zeigen die beiden historischen Fotos um 1942 (oben), dazu die heutige Situation 2016 (unten).

Der Petersbogen, Petersstraße 36-44

Die Bebauung, die 1999 bis 2001 erfolgte, schließt die im Zweiten Weltkrieg entstandene Lücke. Im leichten Schwung durchquert die neue Passage Petersbogen den massigen Baublock von der Petersstraße und mündet in eine Rotunde. Im Neubau ist ein Supermarkt, das neue Juridicum der Universität, ein Multiplexkino mit 8 Sälen und eine Bibliothek vorhanden. Die Planung realisierte das Leipziger Büro von HPP Hentrich, Petschnigg & Partner.
Auf dem Gelände standen bis zur Zerstörung u.a. folgende Gebäude: das Messehaus "Großer Reiter", Ledigs Hof und das Collegium Juridicum der Universität.
Das Messehaus "Großer Reiter" (Petersstraße 44) wurde 1900 nach Entwürfen des Leipziger Architekten Leopold Steltzner für die Papiermesse mit Durchgang zur Schlossgasse errichtet.
Das Collegium Juridicum (Petersstraße 36), auch Petrinium genannnt, beherbergte seit 1506 die Einrichtungen der Juristischen Fakultät der Universität. Nach Abriss wegen Baufälligkeit und Neubau eines Hinterhauses, des Hommelbaus 1859, wurde das gesamte Gelände 1880/81 von allen bisherigen Bauten beräumt. Nach Plänen des Leipziger Architekten Gustav Müller wurde 1881/82 zwischen Petersstraße und Schlossgasse ein fünfstöckiges Durchgangshaus mit zwei überglasten Höfen für die Juristenfakultät errichtet, wobei an den Straßenfronten Ladengeschäfte vermietet wurden.
Die daneben liegende Ledigs-Passage (Petersstraße 38) wurde nach dem Bauherrn, dem Kaufmann Ledig, benannt. 1919 baute der Leipziger Architekt Gustav Plaume das Gebäude unter Einbeziehung des Nachbarhauses zum Messepalast um.
Das fünfgeschossige Messhaus "Großer Reiter" (Petersstraße 44) wurde um 1900 nach Entwürfen des Leipziger Architekten Leopold Steltzner auf den Grundrissen von zwei Vorgängerbauten errichtet. Das Haus diente der Papiermesse.
Alle Gebäude wurden beim Luftangriff vom 4. Dezember 1943 zerstört. Die Grundstücke sind ab 1999 im Neubau des Petersbogen aufgegangen.


Das Klingerhaus, Petersstraße 48

Nach Plänen des Leipziger Architekten Arwed Roßbach ließ der Vater des Malers, Grafikers und Bildhauers Max Klinger das viergeschossige Geschäftshaus errichten. Die Verwendung von Elementen der Renaissance zeigt sich in den reichgestalteten Staffelgiebeln und dem dreigeschossigen Erker mit dem Turmaufsatz.

Die Petersstraße / Ecke Markkgrafenstraße 2

Den südlichen Eingang zur Petersstraße schmückte auf der linken Seite das repräsentative Modehaus August Polich. Für das Kaufhaus Polich lieferte der Architekt Arwed Roßbach die Entwürfe. Das mit einer Rolltreppe ausgestattete Gebäude wurde um 1888 erbaut und 1898 erweitert. Auf dem Turm des Gebäudes thronte ein drei Meter hoher Merkur, Gott des Handels und des Reichtums. Der Warenhauskonzern von August Polich verfügte auch über einen eigenen Versandhandel und Wäschefabriken.
Das von C&A Deutschland erworbene jüdische Kaufhaus Polich wurde abgerissen und ein neues Gebäude 1937 von Karl Fezer, der die Um- und Neubauten der Geschäftshäuser von C&A Deutschland leitete, erbaut. Das neue Gebäude ist ein Büro- und Geschäftsgebäude mit drei Straßenfassaden, ausgeführt als sechsgeschossiger Stahlbetonskelettbau mit aufwändiger Muschelkalkverkleidung. Mit seinen beiden erkerähnlichen Vorbauten knüpft das Gebäude an die Leipziger „Erkertradition“ aus der Zeit des Barock und der Renaissance an. Seiner ursprünglichen Bestimmung als Textilkaufhaus entsprechend, stellte man das Haus symbolisch unter dem Schutz des Handelsgottes Merkur.
Von 1969 bis 1990 hatte die Leipziger Handelshochshule hier ihren Sitz.

Das Messehaus am Markt, Petersstraße 1-13

Betont wird die Stellung des Leipziger Marktes im Messeleben auch durch den Neubau des Messehauses am Markt. Es wurde am 01.09.1963 als Buchmessehaus seiner Bestimmung übergeben und steht dort, wo sich das 1943 ausgebombte Messehaus “National” befand. Das Gebäude ist in Stahl-Skelett-Montagebauweise entstanden und mit Rücksicht auf die Umgebung betont schlicht gehalten. Es ist relativ harmonisch mit den benachbarten Gebäuden, dem Königshaus und dem Messehof, verbunden.
Bis 2005 erfolgte der Umbau des Messehauses am Markt zu einem modernen Einzelhandels- und Bürohaus. Dabei wurde der Vorgängerbau bis auf die Rohbaukonstruktion entkernt. Die Passage mit dem Eingang von der Petersstraße blieb erhalten.


Der Messehof, Petersstraße 15

An das Messehaus am Markt, dessen Haupttrakt an der Petersstraße liegt, schließt sich der Messehof, der erste vollständige Messeneubau der Nachkriegszeit, an. Nach einjähriger Bauzeit konnte das Gebäude zur Herbstmesse 1950 übergeben werden. Es stand den Branchen Nahrungs- und Genußmittel zur Verfügung. Für den sechsstöckigen Messepalast lieferte Eberhard Werner den Entwurf. Die Fassade wurde mit Langensalzaer Kalksteinplatten verblendet. Durch die Halle führt ein Teil des charakteristischen Passagensystems, es ist eine 80 m lange Ladenstraße zum Neumarkt. In der Hallenmitte befindet sich die sogenannte Pilzsäule aus hellem Juramarmor mit der zeittypischen Darstellung des “Werktätigen” (Bergmann, Bauer, Spinnerin, Geisteswissenschaftler).
In den Jahren 2004 bis 2006 wurde der Gebäudekomplex von den Leipziger Architekten Weis & Volkmann durchgreifend umgebaut.
Vorher befand sich an dieser Stelle der im Krieg zerstörte “Hohmanns Hof”. Ein 1729 bis 1731 errichtete barockes Durchhaus zum Neumarkt, das der Bankier und Kaufmann Peter Hohmann als sein drittes Stadtpalais errichten ließ (Bildreihe oben).


Peek & Cloppenburg, Petersstraße 17-23 / Ecke Preußergässchen

Die Grundstücke vom Messehof bis zum Preußergässchen blieben nach der Kriegszerstörung unbebaut. Im Ergebnis eines Wettbewerbs 1992 wurde das Bekleidungshaus nach Entwürfen des weltbekannten Architekten der Postmoderne Charles Moore aus Santa Monica (USA) und seiner Partner errichtet. Um die historische Bauflucht wieder aufzunehmen, schlug Moore vor, den Vorsprung der Baukante durch eine stufenartige Abtreppung des Neubaues gegenüber dem Baubestand zu vermitteln. Das 1994 fertiggestellte Kaufhaus Peek & Cloppenburg hat einen Passagenarm zur Preußergasse ermöglicht.

Kaufhaus Karstadt, Petersstraße 25-31

Der Kaufhausbau erfolgte 1912/14 nach einem Enwurf von Philipp Schäfer, einem Schüler von Joseph Maria Olbrich, als Warenhaus des Bauherrn Theodor Althoff. Ausführender vor Ort war der Leipziger Architekt Gustav Pflaume. 1920 schlossen sich die Firmen Althoff und Karstadt zur neuen Rudolph Karstadt AG zusammen. Zum Besitz zählten damal 44 Warenhäuser in Deutschland. Im Dezember 1943 brach bei einem Bombenangriff im Nachbargebäude Feuer aus, das auf das Kaufhaus übergriff und es bis auf die Fassaden zerstörte. 1950 bis 1956 wurde das Kaufhaus etappenweise bei laufendem Verkauf für die Handelsorganisation HO wieder aufgebaut. 1965 wurde es Miglied der Warenhäuser CENTRUM.
2004 wurde das Haus durch Alteigentümer Karstadt bis auf die denkmalgeschützten Fassaden abgerissen und als erweiterter Komplex im Herbst 2006 unter Einbeziehung zweier Baulücken in der Petersstraße 29/31 wiedereröffnet. Kern des Neubaus ist ein zentraler Lichthof mit vier Rolltreppen.
An der Ecke zum Preußergässchen stand ehemals ein alter Gasthof, der bis ins 16.Jh. dem Leipziger Kaufmann und Ratsherrn Preußer gehörte. 1768 erhielt das Gebäude den Namen Hotel Baviére und wurde zum gößten und vornehmsten Haus umgebaut. Später hieß es Central Hotel (Foto oben links um 1912). Rechts daneben befand sich das Gasthaus Drei Rosen. Beide Häuser wichen dem Neubau für Leipzigs erstes großes Kaufhaus.


Stenzlers Hof, Petersstraße 39-41

Ein besonders charakteristischer Messebau Leipzigs ist Stentzlers Hof. Das fünfstöckige Gebäude bot den Vertretern der Sportartikelfirmen eine Ausstellungsfläche. Es wurde 1914-1916 vom Architekt Leopold Stentzler gebaut und spiegelt von allen in dieser Zeit entstandenen Messepalästen die langjährigen Erfahrungen der Mustermesse am besten wider. Die Treppe wurde beispielsweise zentral angelegt, um eine günstige Ausgangssituation für die bewährten Rundgänge zu schaffen. Der monumentale Bau in Stahlbeton weist reichen figürlichen Schmuck auf. Die Figuren an der Außenfront, Arbeiten des Bildhauers Bruno Wollstätter, verkörpern den Handel, die Fülle und ähnliche Allegorien. Von der städtischen Macht kündet an der Hausecke ein Roland mit Schwert und Leipziger Wappenschild. Darunter befindet sich ein Spruchband: “Einigkeit macht stark”. Bei der Sanierung 1994/95 konnte der Zugang zur Petersstraße wieder geöffnet werden, so dass ein passagenartiger Durchgang zum Peterskirchhof möglich ist. Der Hof erhielt auch ein Glasdach. In die Gestaltung des Hofes wurde auch ein zweigeschossiger frühbarocker Kastenerker aus der Zeit um 1690 mit üppigem Blumenschmuck einbezogen.
Der Vorängerbau Petersstraße 41 (Foto) und das Nachbarhaus 39 gingen in den Neubau auf.


Die ehemalige Reichsbank, Petersstraße 43

Auf dem Gelände der zuvor abgebrochenen alten Peterskirche wurde 1886/87 die ehemalige Reichsbank-Hauptstelle Leipzig nach Plänen des Architekten Max Hasak im Stil der Neorenaissance erbaut.
Bis 1990 nutzte die Staatsbank der DDR das Haus. Seit 1995 ist die Landesmusikschule "Johann Sebastian Bach" mit dem Jugendsinfonieorchester darin beheimatet.


Blick vom Leuschnerplatz zur Petersstraße

Das linke Foto zeigt das Kaufhaus August Polich und die ehemalige Reichbank-Hauptstelle Leipzig um 1930. Das rechte Foto von 2015: das Merkurhaus als Geschäftshaus und die heutige Musikschule "Johann Sebastian Bach" im ehemaligen Reichsbankgebäude.

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