Am 9. Oktober 2017

fand das erste Treffen der etwas veränderten AG Stadtgeschichte statt. Neue Mitglieder, die schon lange auf der Warteliste standen und sich freuten, endlich dazu gehören zu können, verstärken die Gruppe. Pläne wurden geschmiedet, um die „ausgezeichnete“ und erfolgreiche kontinuierliche Arbeit mit frischen Kräften fortzusetzen. Der vorläufige Plan sieht wieder Veranstaltungen unterschiedlicher Art auf dem Gebiet der Stadtgeschichte vor. Dazu wurden von den Mitgliedern umfangreiche Aufgaben übernommen, um das langfristig angelegte Themen-Papier umzusetzen.

Die erste Veranstaltung führte uns am 13.November in die neue katholische Kirche. Frau Steiner ist Mitglied der Gemeinde und hatte einen Termin mit dem Propst, Herrn Giele, ausgemacht. Also ging es in die

Propsteikirche Sankt Trinitatis

Die Kirche wurde 2015 geweiht, ist an prominenter Stelle im Zentrum unweit des historischen Standortes neu errichtet worden. Wie man sieht, außen mit dem wichtigen „Leipziger“ Porphyr aus Rochlitz verkleidet. Auf den ersten Blick einer Kirche nicht ähnlich, wenn man von historischen Bauwerken ausgeht. Auch im Inneren stutzt man erst einmal, muss sich an den Anblick gewöhnen.


Das griechische Kreuz mit den gleichlangen Balken war von der Gemeinde gewünscht, ebenso die Orgel links vorn, um die Musik nicht im Rücken zu haben. Der Propst, Herr Giele, erläuterte die Funktionen der wahrnehmbaren Möblierung des Kirchenraums. Als Beispiele die Positionen von Altar, vorn in der Mitte, im Halbkreis darum die Gemeinde, das Taufbecken nach dem Eingang. Gegenüber, also auf der anderen Seite des Kreuzes, ist dieses nochmals zu sehen, eingelassen in die Mauer. Damit spielt das Licht eine große Rolle. Durch das Fenster in voller Breite als Dachöffnung über Kreuz und Altar sowie Ambo geht der Besucher gewissermaßen ins Licht hinein. Es wird also heller mit jedem Schritt. Das Gleiche ist in der Höhe zu beobachten, hier von unten nach oben.

Das Muster in den Möbeln sieht beim ersten Anblick gleich aus, ist aber an jedem einzelnen etwas variiert. Das trifft vor allen auf die Rauten zu, mal lang, mal kurz, mal schlank, mal dick. Noch eine Besonderheit ist zu bemerken, nämlich, dass der Fußboden zum Altar hin leicht abfällt, ganz oben, also am Eingang, befindet sich, wie schon angeführt, das Taufbecken.

Soweit Propst Giele. Er machte noch auf wichtige Schriften in den Fenstern aufmerksam. Innen an der Westseite, sind die ersten Worte des Alten Testaments verankert.

"Im Anfang war das Wort"

An der Nordseite außen sind Altes und Neues Testament eingelassen, die im Wechsel zu sehen sind. Da muss man aber ganz dicht davor stehen, um das zu erkennen. Im Kirchenraum in der linken hinteren Ecke befindet sich eine Nische mit der Marienstatue aus der 1.Kirche.

Frau Steiner erläuterte uns dann im Kirchen - Cafè die "Geschichte von Sankt Trinitatis".

In vorreformatorischer Zeit gab es in Leipzig katholisches Leben, dessen Kirchenstandorte fast nur noch in Straßennamen bezeugt sind.

1. Jakobskapelle
2. Augustiner-Chorherrenstift
3. Nikolaikirche
4. Erste Petrikirche
5. Neue Petrikirche
6. Johanniskirche
7. Dminikanerkloster und –kirche „St. Pauli“
8. Franziskanerkloster und –kirche zum „Hl. Geist“ - Matthäikirche
9. Bernhardiner am Brühl
10. Katharinenkapelle
11. Kapelle „Zu unserer Lieben Frauen“
12. Benediktinerinnenkloster „St. Georg“ außerhalb der Stadtmauern

Das Gelände des Klosters gegenüber der Pleißenburg ist der heutige Standort der Propsteikirche. Es ist die dritte katholische Trinitatiskirche.

Die erste wurde 1847 gebaut,auch gegenüber der Pleißenburg, aber im Westen.

Die Zweite 1982 am Rosental.


Bild aus „Leipzig um 1900“ Die Innenstadt in kolorierten Ansichten von Heinz Peter Brogiato im Lehmstedt Verlag 2009
Zwischen West- und Rudolphstraße stand die erste Trinitatiskirche. Das Gelände hatte man von Karl Heine gekauft, der das im Bild rechte Haus als erstes Mietshaus in Leipzig hatte bauen lassen, Hufeiesen genannt. Links ist das Haus der Loge „Minerva zu den drei Palmen“ zu sehen. Der Kirchturm ist hinten zu finden, ungewöhnlich, aber das ist die Westfassade. Die gesamte Ansicht ist verschwunden im Bombenhagel des II. Weltkrieges.



Die Kirche von „hinten“ (aus dem von Frau Steiner erstellten Material)


Der Altarraum der Kirche (aus dem von Frau Steiner erstellten Material)




Zweite Trinitatiskirche

Die zweite Kirche wurde nach langen Verhandlungen endlich genehmigt und an der Emil-Fuchs- Straße realisiert. Der von der Bevölkerung wenig tolerierte Bau hatte drei Baukörper und den als Campanile gestalteten Glockenturm an der Ecke zur Leibnizstraße und am Elstermühlgraben.



Glocken-Turm (Bild aus: Wikipedia, own work, 18.03.2010, Lumu)


Innenraum (Bild aus: Wikipedia, own work, 18.03.2010, Rabanus Flavus)
Ähnlich wie ein Campanile stellt sich auch der Turm der neuen Trinitatiskirche dar und bildet damit einen sichtbaren Gegensatz zum historisierenden Turm des Neuen Rathauses.



( Wikipedia, own work, 9.5.2015 Robert Kohlmann)