Das neue Jahr 2018 begann so, wie das Jahr 2017 geendet hat, zu warm und ohne Schnee.
Auf dem Plan für die erste Zusammenkunft stand die große Dichterin Hilde Domin am 9. Januar 2018

Herr Bockenheimer hatte eine Power- Point -Präsentation vorbereitet zum Vortrag über das Leben der Autorin. Frau Lindner beteiligte sich mit einem Kinderbuch von H. Domin und Vorträgen einiger Gedichte.

Hilde Domin wurde zur Dichterin des Aufbruchs in eine neue Zeit. Sie kam 1954 aus dem Exil nach Hause in die Bundesrepublik Deutschland zurück. Und sie mischt sich ein. Gelernt hat sie dieses sich Einmischen im Elternhaus durch eine unglaublich demokratische Erziehung.

"Alles haben sie gemeinsam getan und entschieden. In meinem Elternhaus habe ich das Urvertrauen bekommen, das man als Kind bekommt oder nie."



Als Kind 1924

Geburtshaus in Köln

als Studentin
Geboren wurde Hilde Domin 1909 am 27. Juli in Köln. Wissenschaft, Gelehrsamkeit und Kultur waren die Fundamente der Entwicklung der Kinder, sie hatte noch einen Bruder. Mein Vater, Eugen Löwenstein, zwang mich zu nichts, im Gegenteil: "Er ermunterte und bestärkte mich. Ich musste nicht, Ich durfte." Auch studieren. Sie studierte in Heidelberg, der ältesten Universität Deutschlands.Rechtswissenschaften, Nationalökonomie, Soziologie und Philosophie waren ihre Fächer, und das bei Jaspers und Mannheim. Sozialistische Studentengruppe, Studium Karl Marx „Das Kapital“. Ich informiere mich gründlich. Sie verkündet zu Hause: “Familiensachen interessieren mich nicht mehr. Mich interessiert nur noch die Menschheit.“ Hilde beobachtet sehr genau, was in Deutschland vor sich ging bis zur Wahl am 20. Juli 1932. Es gab nur noch einen Weg: so schnell wie möglich weg, und das mit Walter Palm, ihrem Partner.

"Man muss weggehen können"

"Und doch sein wie ein Baum"

So schreibt sie in „Ziehende Landschaft“. In ihrem Roman hat sie das Weggehen so beschrieben:
Es war ein guter Tag, denn du konntest noch aufrecht fortgehen, du fielst nicht mit dem Gesucht auf den Boden, weil du rückwärts gestoßen wurdest. Niemand hat dich hinausgeworfen, beinah bist du von selbst gegangen. Es ist wichtig, nicht öffentlich beschämt zu werden.

Aus Dankbarkeit für die Gastfreudschaft der Einwohner nannte sich Hilde später Domin. Auch ein Gedicht behandelt das Verhältnis von Aufnehmenden und Gästen: „Apfelbaum und Olive“

"Ein Trost ist, zu wissen-wo die Tassen steh’ n und die Teller-in dem Haus, in dem du zu Gast bist,- und einen Anteil zu haben-an der Zärtlichkeit von Katze und Hund-deines Freundes..."

Nach der Rückkehr nach Deutschland West mischt sie sich ein in der vorgefundenen Gesellschaft, die zwar sich eine andere nennt, aber alles andere als eine dem Menschen zugewandte. Die Schlussworte in Günter Eichs Gedicht bezeichnet Hilde Domin als Abschaffung der Leere und dass er sie ersetzt mit ich-du-wir, damit die Mobilisierung des Menschen in Gang setzt, also den Leser vom Objekt zum Subjekt sich entwickeln lässt.

"Seid unbequem, seid Sand, nicht Öl im Getriebe der Welt!"

Eine tiefe Krise befällt sie durch den Tod der Mutter. Das Schreiben ersetzt für sie den Suizid, sie schrieb gegen das Sterben an. Obwohl alle Familien-Angehörigen ihres Mannes umgekommen waren, musste sie nach vorne schauen. Sie widerspricht Theodor Adorno‘ s Satz“ Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch und unmöglich“ mit:

„Nein, nicht trotz, sondern wegen Auschwitz waren Gedichte nötig und nötiger denn je.“

„Ich will ein Gedicht, das schreit, sowie einer vorübergeht.“

1982 sagt Manès Sperber in der Laudatio zur Verleihung der Richard-Benz-Medaille der Stadt Heidelberg an Hilde Domin:

„Sie nahm somit eindeutig Stellung: gegen alle von diesem Vorauskonformismus inspirierten und durch Opportunismus von rechts und von links geförderten Unwahrheiten und Verzerrungen. Sie wurde vielen Intellektuellen eine unwillkommene Zwischenruferin, die weder Schmeichelei noch Abweisung zum Schweigen bringen konnten. Ja, sie ist eine unermüdliche, kühne Zwischenruferin geworden.“




Mit Johannes Rau anlässlich der Verleihung des Verdienstkreuzes Nordrhein-Westfalen 1988
Ihr Gedicht „Abel steh auf“ hielt sie für das letzte Wort ihres gesamten Schaffens.

Abel steh auf

Es muss neu gespielt werden…

…damit es anders anfängt

Zwischen uns allen…

Trotz der vielen Auszeichnungen ist es verwunderlich, das das Werk von Hilde Domin weitgehend vergessen ist, meines Erachtens auch in der Schule keine Rolle spielt. Ihre Gedichte und Worte wären gut geeignet, sich mit der heutigen Zeit auseinanderzusetzen, darin besteht ja der Sinn von Bildung und Erziehung.

Alle Bilder sind dem Buch“ Vokabular der Erinnerungen“ zum Werk von Hilde Domin entnommen vom Fischer Taschenbuch Verlag 1998 Frankfurt am Main