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Carl Friedrich von Weizsäcker (1912-2007)
Atomphysiker und Philosoph

Carl Friedrich von Weizsäcker wurde am 28. Juni 1912 in Kiel geboren. Nach dem ersten Weltkrieg ging der Vater in den diplomatischen Dienst, der einen häufigeren Wohnortwechsel mit sich brachte. Die Familie zog 1925 nach Kopenhagen. Dort lernte v. Weizsäcker bereits als Schüler Werner Heisenberg kennen, damals 25 Jahre alt und zu der Zeit Mitarbeiter von Niels Bohr. Es war der Beginn einer lebenslangen Freundschaft.
1929 Beginn des Studiums der Physik in Berlin, Fortsetzung in Leipzig bei Werner Heisenberg und 1933 bereits im Alter von 21 Jahren Promotion. Danach war v. Weizsäcker für einige Zeit am Institut von Niels Bohr in Kopenhagen tätig. 1935 beschäftigte er sich mit der Bindungsenergie von Atomkernen (Tröpfchenmodell). 1936 war er Assistent am Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin.
Im Alter von 24 Jahren Habilitation in Leipzig über Kernkräfte. Entdeckung der Energieerzeugung der Sonne mittels Kernfusion - zeitgleich mit Hans Bethe in Amerika (Bethe-Weizsäcker-Zyklus). Anschließend war er Dozent an der Universität in Berlin.
1937/38 erkannte v. Weizsäcker bereits vor Beginn des Zweiten Weltkriegs die Möglichkeit, Atombomben herzustellen. Er entwickelte die Theorie der Plutoniumbombe. 1938 Freundschaft mit Georg Picht, der ihn "schrittweise in Kant, Platon, Aristoteles einführte". Otto Hahn spaltete in dieser Zeit den Urankern. Eine ganze Nacht lang diskutierte v. Weizsäcker deshalb mit Georg Picht über die Konsequenzen der nun möglichen Atombombe. Diese Diskussion wurde zum Ausgangspunkt seines Engagements, den Krieg als anerkannte Institution der Konfliktlösung zu überwinden, nicht zuletzt im Hinblick auf die Verantwortung des Wissenschaftlers auch für die Folgen seiner Arbeit. Mit Beginn des zweiten Weltkriegs wurde v. Weizsäcker mit anderen deutschen Kernphysikern zum Heereswaffenamt dienstverpflichtet. Schon bald stellte sich heraus, die Kürze der Zeit und die geringen Mittel, die zur Verfügung standen, enthoben die Physiker von der Entscheidung, die Atombombe zu bauen oder nicht zu bauen. 1942 erhielt v. Weizsäcker eine Professur für theoretische Physik an der Universität Straßburg.


Carl Friedrich von Weizsäcker
 
Carl Friedrich von Weizsäcker  
Mit Ende des zweiten Weltkriegs wurde er anderen deutschen Kernphysikern in Farm Hall in England interniert. Die Gespräche der Kernphysiker standen unter dem erschütternden Eindruck des Abwurfs der ersten Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Diese Gespräche legten den Grundstein für die spätere "Göttinger Erklärung". 1946 Rückkehr aus Farm Hall. Werner Heisenberg wurde Leiter des Max-Planck-Instituts für Physik in Göttingen, v. Weizsäcker wurde Abteilungsleiter dieses Instituts und Honorarprofessor an der Universität Göttingen.
Seine Grundlagenforschungen in der Physik sind untrennbar verbunden mit Schritten über Grenzen der Disziplinen, speziell in Richtung philosophischer Reflexion. Besondere Wirkung erzielte damals seine Vorlesung über "Die Geschichte der Natur". 1957 wurde die "Göttinger Erklärung" veröffentlicht, die v. Weizsäcker im Wesentlichen formulierte: 18 prominente Physiker machten die Haltung der übergroßen Mehrheit der deutschen Kernphysiker öffentlich, sich nicht an der Entwicklung von Kernwaffen zu beteiligen. V. Weizsäcker folgte dem Ruf der Universität Hamburg auf einen Lehrstuhl für Philosophie und wurde zu einem gesuchten Gesprächspartner und Ratgeber verschiedener gesellschaftspolitischer Gruppierungen und Gremien. In Hamburg ordnete er ab 1957 seine Gedanken zur "Einheit der Natur" und zum biologischen und sozialen Ursprung des Menschen. Zentrales Anliegen seiner naturphilosophischen Arbeiten ist die begriffliche Durchdringung der Grundlagen der Quantenphysik, u.a. der so genannten "Kopenhagener Interpretation". Er leitete gleichzeitig eine Forschungsstelle für Kriegsverhütung und die Ernährungslage in der Welt und übernahm einige Jahre später den Vorsitz im Verwaltungsrat des Deutschen Entwicklungsdienstes. In der Phase internationaler Spannungen und studentischen Aufbegehrens 1968 förderte insbesondere der Bundespräsident Gustav Heinemann die Gründung eines Max-Planck-Instituts für "unbequeme Fragestellungen", das v. Weizsäcker gemeinsam mit dem Philosophen Jürgen Habermas bis 1980 leitete. Eines seiner letzten Werke trägt den Titel "Bewusstseinswandel". In den 90er Jahren arbeitete er hauptsächlich am philosophischen Hauptwerk "Zeit und Wissen".
Er wurde mit einer Vielzahl deutscher und internationaler Auszeichnungen geehrt. Nach seiner Emeritierung 1980 betrieb v. Weizsäcker mit großer Intensität seine physikalischen Forschungen und sein philosophisches und gesellschaftspolitisches Engagement weiter, das beispielsweise in seinem Einsatz für den konziliaren Prozess zum Ausdruck kam, der 1990 zu einer Weltversammlung der christlichen Kirchen in Seoul und 1994 zur Gründung der Gesellschaft "Wissen und Verantwortung e.V." führte.


Weizsäcker/Fuchs
 
Carl Friedrich von Weizsäcker, Klaus Fuchs
Leipzig März 1980   (UAL FS_N03564)
 
Mit der Universität Leipzig blieb er auch in den Zeiten der deutschen Teilung verbunden. Im März 1980 nahm er am Symposium "150 Jahre Physik-Institut Leipzig" teil. Am 14. April 1987 wurde ihm die Ehrenpromotion der Sektion Physik verliehen und 1988 inspirierte er in einem Leipziger Kolloqium die naturwissenschaftlich interessierten Philosophen. Nach der politischen Wende in der DDR widmete er einen Vortrag in der Nikolaikirche der Analyse der von Leipzig ausgehenden friedlichen Revolution.

Carl Friedrich von Weizsäcker starb am 28. April 2007 im Alter von 94 Jahren im bayerischen Söcking am Starnberger See.

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Friedrich_von_Weizsäcker , eingesehen am 25.04.2007
Eisenberg, W.: Physik, Philosophie und Friedensforschung  In memoriam Carl Friedrich von Weizsäcker, Journal der Universität Leipzig, Heft 3/2007, S. 32

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