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Die Rektoren der Universität in der Zeit von 1945 bis 1990

Bernhard Schweitzer (1892 - 1966)     Amtszeit : Mai 1945 bis Dezember 1945
Klassischer Archäologe

Schweitzer
 
Bernhard Schweitzer  


Erster Rektor nach dem Krieg, als die Universität noch nicht offiziell wieder eröffnet war; gewählt am 16.05.1945 unter Mitwirkung der amerikanischen Militärbehörde.
Er sah seine wichtigsten Aufgaben in der Erhaltung des Personalbestandes des Lehrkörpers bei vorsichtiger Säuberung von NS-belasteteten Hochschullehrern - etwa 15 wurden in seiner Amtszeit von der Hochschule entfernt - sowie in der Wiederherstellung demokratischer Strukturen einer traditionellen "bürgerlichen" Universität.
Schweitzer wurde durch die neuen politischen Verhältnisse nach dem Einmarsch der Sowjetarmee zum Rücktritt gezwungen und verließ später Leipzig in Richtung Tübingen.


Hans-Georg Gadamer (1900 - 2002)    Amtszeit : Januar 1946 bis September 1947
Philosoph

Gadamer
 
Hans-Georg Gadamer  

Am 21.01.1946 übernahm Gadamer das Rektorat, der seit 1939 als ordentlicher Professor für Philosophie und seit Juni 1945 als Dekan der Philosophischen Fakultät I in Leipzig tätig war.
In seiner Amtszeit wurde die Universität am 5. Februar 1946 wieder eröffnet.
G. unterstützte die im Senat noch vorhandene Mehrheit der bürgerlich-konservativen Kräfte, so dass er des öfteren im Widerspruch zu den Vorgaben der politischen Machtorgane stand, u.a. bei der Gründung einer Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät im April 1947.
Noch 1947 folgte G. den Berufungen an den Universitäten Frankfurt/Main und Heidelberg.



Erwin Jacobi (1884 - 1965)     Amtszeit : Oktober 1947 bis September 1948
Jurist

Jacobi
 
Erwin Jacobi  

Jacobi war seit den 1920-er Jahren Professor an der Leipziger Universität, nachdem er auch dort studiert hatte. In der Nazizeit wurde er wegen seiner jüdischen Vorfahren entlassen.
Nach dem Krieg nahm er seine Lehrtätigkeit in Leipzig wieder auf und wurde am 1. Oktober 1947 zum Rektor gewählt. In seiner Amtszeit vollzogen sich die Umwandlungsprozesse zur marxistischen Universität ohne spürbaren Widerstand seinerseits. Gleiches gilt für das anschließende Dekanamt an der Juristischen Fakultät.
Später zog er sich immer mehr auf das Gebiet des Kirchenrechts zurück und wurde 1954 zum Ehrendoktor der Theologischen Fakultät der Leipziger Bildungsstätte ernannt.
1959 erfolgte seine Emeritierung.

Johannes Friedrich (1893 - 1972)     Amtszeit : Oktober 1948 bis September 1949
Altorientalist

Friedrich
 
Johannes Friedrich  

Studium, Promotion und Habilitierung erfolgten an der Universität in Leipzig. Ab 1936 war Friedrich ordentlicher Professor für orientalische Philologie an der hiesigen Lehranstalt.
Am 30. Juli 1948 wurde er zum Rektor gewählt. In seiner Amtszeit erfolgte die Verhaftung der oppositionellen Gruppe um Wolfgang Natonek, der er in einem gemeinsamen Aufruf mit dem Senat "reaktionäre Wühlarbeit" unterstellt hatte.
Im Oktober 1948 wurde ein Kurator der Landesregierung an der Universität installiert, der neben organisatorischen Aufgaben auch eine Überwachungsfunktion ausfüllte.
1950 verließ Friedrich Leipzig und ging an die Freie Universität Berlin.



Julius Ernst Lips (1895 -1950)    Amtszeit : Oktober 1949 bis Januar 1950()
Ethnologe und Soziologe

Lips
 
Julius Lips  


Lips absolvierte sein Studium an der Leipziger Universität und weigerte sich in der NS-Zeit, die Ethnologie in den Dienst der nationalsozialistischen Rassenlehre zu stellen. Daraufhin wurde ihm 1938 der Doktortitel in Leipzig aberkannt, und er musste in die USA emigrieren. 1948 zurückgekehrt, nahm er eine Berufung an der hiesigen Hochschule an und wurde am 25. Juli 1949 zum Rektor gewählt. Während seiner Amtszeit verstarb er am 21.Januar 1950.
Das Leipziger Institut erhielt nach seinem Tode den Namen Julius Lips-Institut für Völkerkunde und Vergleichende Rechtssoziologie.




Georg Mayer (1892 - 1973)    Amtszeit : März 1950 bis August 1964
Wirtschaftswissenschaftler

Mayer
 
Georg Mayer  

Georg Mayer, der aus politischen Gründen 1933 aus dem Lehramt der Universität Gießen entfernt worden war, kam 1947 als ordentlicher Professor für Volkswirtschaftslehre nach Leipzig. Nach den Stationen Direktor des Weltwirtschaftsinstitutes sowie Prorektor wurde er am 24. März 1950 zum Rektor der Universität gewählt. Dieses Amt füllte er über den langen Zeitraum von 14 Jahren bis zu seiner Emeritierung aus, auch Beleg für seine allgemein anerkannte Persönlichkeit.
Mayer war Mitglied der SED und förderte den Wandel zur sozialistischen Volksuniversität. In seine Amtszeit fällt auch die Namensgebung "Karl Marx" für die Leipziger Bildungseinrichtung im Jahre 1953.



Georg Müller (1917 - 2004)    Amtszeit : Dezember 1963 bis Dezember 1967
Landwirtschaftswissenschaftler

Müller
 
Georg Müller  

Georg Müller hatte bis 1942 in Budapest Landwirtschafts-wissenschaften studiert und erhielt 1958 eine Professur an der Universität in Leipzig, ab 1961 mit Lehrstuhl für Bodenkunde und Mikrobiologie an der Veterinärmedizinischen Fakultät.
In seiner Amtszeit als Rektor wurden einschneidende Strukturveränderungen "zur weiteren Entwicklung der Lehre und Forschung an den Hochschulen der DDR" vorbereitet.
1967 fand erstmals eine Versammlung von 500 Delegierten aus der Hochschule statt, die künftig unter der Bezeichnung "Konzil" verschiedene Themen der Universitätsentwicklung berieten.





Ernst Werner (1920 - 1993)    Amtszeit : Dezember 1967 bis September 1969
Historiker

Werner
 
Ernst Werner  
Ernst Werner lehrte ab 1951 mit Lehrauftrag zur Geschichte des deutschen Volkes an der Universität. 1952 wurde er promoviert, erhielt 1957 eine Professur mit Lehrauftrag und 1961 eine Professur mit Lehrstuhl. 1969 erfolgte die Ernennung zum ordentlichen Professor für Allgemeine Geschichte.
Nachdem er von 1960 bis 1963 bereits Prorektor für den wissenschaftlichen Nachwuchs war, erfolgte 1967 der Einsatz als Rektor der Universität.
Mit einem Aufruf des Rektors Werner vom 23. Mai 1968 wurde die Strukturumwandlung mit der Bildung der Sektionen - 16 an der Zahl - eingeleitet.
In seine Amtszeit fällt auch die Sprengung der Paulinerkirche sowie des Augusteums und der Baubeginn des neuen Campus am Augustusplatz- damals Karl-Marx-Platz.


Gerhard Winkler (geb. 1924)    Amtszeit : September 1969 bis November 1975
Agrarökonom

Winkler
 
Gerhard Winkler  



Gerhard Winkler studierte von 1946 - 1949 in Leipzig Wirtschaftswissenschaften, wurde hier 1954 promoviert und habilitierte sich 1961. Er war 1963 Dekan der Landwirtschaftlichen Fakultät, 1968 Direktor der Sektion Tierproduktion / Veterinärmedizin und 1969 Prorektor der Universität.
Am 23. September 1969 übernahm er das Amt des Rektors für sechs Jahre. Seine Amtszeit war vor allem von der Ausformung der mit der 3. Hochschulreform neu gebildeten Sektionen und Institute geprägt.




Lothar Rathmann (geb. 1927)    Amtszeit : November 1975 bis November 1987
Historiker

Rathmann
 
Lothar Rathmann  

Lothar Rathmann studierte an der Pädagogischen Fakultät in Leipzig von 1948 bis 1952. Die Promotion erfolgte 1956, die Habilitation 1961. Nach dem Wirken als Leiter des Orientalischen Instituts (1964) und als Dekan der Philosophischen Fakultät wurde er 1968 zum ordentlichen Professor für die Geschichte der arabischen Länder berufen.
Nach dem Direktorat der Sektion Afrika- und Nahostwissenschaften übernahm er am 5. November 1975 das Rektoramt, das er 12 Jahre inne hatte. Die Zeit war vor allem geprägt vom Beschluss des IX. Parteitages der SED zur kommunistischen Erziehung der Studierenden für die Gestaltung einer "entwickelten sozialistischen Gesellschaft" in der DDR.
Anlässlich der 575-Jahr-Feier der Universität im Jahre 1984 war er Herausgeber einer "Geschichte der ALMA MATER LIPSIENSIS".

Horst Hennig (geb. 1937)    Amtszeit : Dezember 1987 bis Juni 1990
Chemiker

Hennig
 
Horst Hennig  


Horst Hennig studierte an der Universität Leipzig, wurde in den Jahren von 1964 bis 1971 mehrfach promoviert und 1977 zum ordentlichen Professor für anorganische Chemie berufen.
Ab 1980 war er Prorektor für Naturwissenschaften, und am 2. Dezember 1987 übernahm er das Rektoramt.
Das Ende seiner Amtszeit war gekennzeichnet von den Ereignissen der friedlichen Revolution, die vor allem hier in Leipzig den Herbst 1989 bestimmte. Hennig trat am 21./22. Juni 1990 auf Druck der Öffentlichkeit zusammen mit seinen Prorektoren von seinem Amt zurück.





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