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Ausgabe 2/16 

Multiple Futures - Africa, China, Europe

Herausgegeben von Ulrich Bröckling, Gregor Dobler und Nicola Spakowski

 

Inhaltsverzeichnis


Aufsätze

Ulrich Bröckling / Gregor Dobler / Nicola Spakowski
Multiple Futures? Comparing Approaches to the Future in Africa,China, and Europe: An Introduction, S.7

Die Zukunft ist ungewiss, und sie ist nicht für alle dieselbe. Das Heft untersucht in vergleichender Perspektive zeitgenössische Zukunftserwartungen, Formen des Zukunftswissens und Strategien des Zukunftsmanagements in Afrika, China und Europa. Während je eigene soziale, politische und ökonomische Gegebenheiten Unterschiede im individuellen und kollektiven Zugang zu Zukunft bedingen, bringt die Verflechtung der Welt gleichzeitig Parallelen und Konvergenzen hervor.

Christoph Deutschmann
Multiple Futures or One Future? The Capitalist Growth Imperative, S.17

Das zentrale Stichwort, das Zukunftsorientierungen im gegenwärtigen Kapitalismus beschreibt, lautet „Wachstum“. Wirtschaftliches Wachstum ist eine Variable, die die Entwicklungschancen fast aller gesellschaftlichen Subsysteme – von privaten Unternehmen, dem Staat bis hin zu Haushalten und persönlichen Biographien – bestimmt. Im Zuge der Globalisierung des Kapitalismus beschränkt sich der Wachstumsimperativ längst nicht mehr auf westliche Länder, sondern ist zu einem globalen Phänomen geworden. Vorangetrieben wird der Wachstumsprozess durch unternehmerische Innovationen, und durch die Kommunikation von Innovationen in Form technologischer Visionen und „Utopien“, die die für den Markterfolg von Erfindungen nötige gesellschaftliche Resonanz vermitteln.
Der Beitrag skizziert zunächst die Hauptbefunde der bekannten Studie Angus Maddisons über das langfristige historische Profil des Wachstumsprozesses. Im Anschluss daran werden sozioökonomische, institutionelle und kulturelle Theorien des Wachstums dargestellt und diskutiert. Die These lautet, dass die in der Soziologie immer noch einflussreichen kulturellen Wachstumstheorien dem heutigen globalen Charakter kapitalistischen Wachstums nicht gerecht werden. Der Wachstumsimperativ kann nicht aus den kulturellen Traditionen des Westens allein abgeleitet und nicht länger als etwas afrikanischen oder asiatischen Ländern durch den Westen „Aufgezwungenes“ interpretiert werden. Um ihn zu erklären, erscheint vielmehr ein globalisierungstheoretischer Ansatz sinnvoll, der das Phänomen entgrenzter Märkte in den Blick rückt.

Amanda Hammar
Juxtafications of the Future: Growth-speak and its Shadow Sides in Africa, S.29

Repräsentationen des afrikanischen Kontinents behandeln ihn zunehmend als „Zukunftskontinent“, der einen klaren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwung vor sich habe. Diese Welle des Optimismus folgt einer vorausgegangenen Welle des Afropessimismus. Der Aufsatz fragt, wessen Ideen und Interessen sich in solchen Diskursen niederschlagen, warum sie gerade heute so virulent werden und wessen Interessen sie dienen. Die Wachstumsrhetorik, so wird deutlich, rechtfertigt die gleichen externen Interventionen, Investitionen und Extraktionen wie die vorausgegangenen Wellen der Rhetorik. Kritische afrikanische Stimmen weisen auf die Widersprüche und Sinnentleertheit der neuen Hyperrhetorik hin und bieten damit alternative, komplexere und historisch klarer verankerte Entwürfe der zukünftigen Einbindung des Kontinents in das globale Wirtschaftsgefüge.

Doris Fischer
“Green Growth” or “System Transition”? Competing Discourses of China’s Past Economic Success and Future Perspectives, S.42

Der Wechsel der Partei- und Regierungsführung in China im Winter 2012/13 wurde von der Erwartung begleitet, dass damit auch ein Wechsel in der Wirtschaftspolitik einhergehen würde. Insbesondere hofften viele Ökonomen, dass sich die neue Führungsriege wieder verstärkt ordnungspolitischen Reformen und einer Stärkung der Marktkräfte zuwenden würde, und sprachen entsprechend von einer „zweiten Transformation“. Im Mittelpunkt des Artikels steht die Frage, wie die konkurrierenden wirtschaftspolitischen Denkschulen in der Vergangenheit die Wirtschaftspolitik der Regierung beeinflusst und im Zusammenspiel mit der entsprechenden internationalen Agenda auf die Nachhaltigkeitspolitik der chinesischen Regierung gewirkt haben und welche Schlüsse sich daraus für die Nachhaltigkeitspolitik der neuen Führungsriege ergeben.

Christian Göbel
Information Technology and the Future of the Chinese State: How the Internet Shapes State-Society Relations in the Digital Age, S.56

Bis Ende 2015 werden 50 Prozent aller Chinesen über einen Internetzugang verfügen. Die Möglichkeiten für eine größer werdende Anzahl von Chinesen, online zu kommunizieren und zu konsumieren, hat eine Reihe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern dazu inspiriert, sich mit Themen wie Zensur, Überwachung und Nutzung von sozialen Medien zu beschäftigen. Ein Großteil dieser Forschung baut auf der Prämisse einer antagonistischen Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft auf. Allerdings weiß man bisher nur wenig darüber, welche Auswirkungen die staatlich geförderten und internetbasierten Kommunikationskanäle zwischen Regierungsbeamten und chinesischen Bürgern auf die Transformation der autoritären Einparteienherrschaft in China haben. Der vorliegende Artikel beschäftigt sich mit dieser Frage, indem er Chinas E-Government-Strategie einerseits zu globalen Entwicklungen in Beziehung setzt, andererseits im Kontext der sich verändernden Anreize untersucht, die politische Reformen in China in den vergangenen zwei Jahrzehnten ermöglicht haben. Es wird gezeigt, dass die Bemühungen der chinesischen Einparteienregierung, die Interaktion zwischen Staat und Gesellschaft zu digitalisieren, großes Potenzial dafür birgt, das Wesen des chinesischen Staates zu verändern. Allerdings stellen diese Veränderungen keinen Paradigmenwechsel dahingehend dar, wie China regiert wird. Der wichtigste Aspekt dieser Veränderungen ist, dass sie die Möglichkeit bieten, das oftmals als „Diktatoren-Dilemma“ bezeichnete Problem zu lösen: Menschen in nichtdemokratischen Regierungssystemen haben Angst davor, den Herrschenden gegenüber ihre Meinung auszudrücken, und entziehen so dem Staat eine wichtige Informationsgrundlage. Es wird gezeigt, dass die Entwicklung hochintegrierter E-Government-Plattformen, wie sie sich die Technokraten der Kommunistischen Partei Chinas vorstellen, bestehender institutioneller Logik folgt und dringende Probleme zu lösen vermag. So wird die Chance darauf erhöht, dass diese Plattformen nachhaltig eingeführt werden.

Paul Nugent
The Future of States in Africa: Prospects for the Reordering of Space and the Remaking of Bureaucracies, S.75

Staaten sind trotz aller Krisen auch in afrikanischen Ländern jene politischen Institutionengefüge, in deren Rahmen Zukunftsvorstellungen verhandelt und zur Grundlage politischer Entscheidungen werden. Der Artikel fasst Diskussionen um afrikanische Staatlichkeit zusammen. Er zeigt an den Beispielen staatlicher Grenzen einerseits, bürokratischen Handelns andererseits auf, welche Beharrlichkeit die Institution des Staates und seine konkreten Formen trotz aller Veränderungen entwickelt haben und wie stark sie Rahmenbedingungen für das Nachdenken über Zukunft und die Verständigung über zukünftige Gesellschaften bilden. Damit zeigt der Artikel auch, wie stark Zukunftsentwürfe von den Mitteln beeinflusst werden, die Gesellschaften sehen, sie durchzusetzen, und von den politischen Institutionen, die Hintergrund ihrer Sozialität bilden.

 
Buchbesprechungen

Andrea Komlosy: Arbeit. Eine globalhistorische Perspektive. 13. bis 1. Jahrhundert, Wien 2014
Jürgen Schmidt, S.92

Boris Barth / Stefanie Gänger / Niels P. Petersson (Hrsg.): Globalgeschichte. Bestandsaufnahme und Perspektiven (= Globalgeschichte, Bd. 17), Frankfurt am Main 2014
Matthias Middell, S.95 

Judith Große / Francesco Spöring / Jana Tschurenev (Hrsg.): Biopolitik und Sittlichkeitsreform. Kampagnen gegen Alkohol, Drogen und Prostitution, 1880–1950 (= Globalgeschichte, Bd. 18), Frankfurt am Main 2014
Judith Fröhlich, S.99

Stephan Conermann (Hrsg.): Everything is on the Move. The Mamluk Empire as a Node in (Trans-) Regional Networks (= Mamluk Studies, vol. 7), Bonn 2014
Isa Blumi, S.103

Silke Strickrodt: Afro-European Trade in the Atlantic World. The Western Slave Coast c. 1550–c. 1885, Woodbridge 2015
Natalie Everts, S.105

G. R. Cole: The Krio of West Africa. Islam, Culture, Creolization, and Colonialism in the Nineteenth Century, Athens 2013
Jacqueline Knörr, S.108

Willard Sunderland: The Baron’s Cloak. A History of the Russian Empire in War and Revolution, Ithaca 2014
Lutz Häfner, S.110 

Felix Wemheuer: Famine Politics in Maoist China and the Soviet Union (= Yale Agrarian Studies Series), New Haven 2014
Robert Kindler, S.112

Sven Oliver Müller / Jürgen Osterhammel / Martin Rempe (Hrsg.): Kommunikation im Musikleben. Harmonien und Dissonanzen im 20. Jahrhundert, Göttingen 2015; Jessica C. E. Gienow-Hecht (Hrsg.), Music and International History in the Twentieth Century (= Explorations in Culture and International History, vol. 7), New York 2015
Friedemann Pestel, S.115 

Autorinnen und Autoren, S.123

Letzte Aktualisierung ( Monday, 20. March 2017 )
 

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Comparativ 26 (2016),2

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