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Projektgruppe: Donau II

PD Dr. Orsolya Heinrich-Tamáska

Archäologie des frühen Christentums im mittleren und unteren Donauraum zwischen Spätantike und hohem Mittelalter

D II Heinrich Tamaska Scheibenfibel aus Keszthely-Fenékpuszta mit einer Reiterheiligen (hl. Georg?), Balatoni-Mus., Keszthely

Kurzbeschreibung

Im Projekt werden Fortleben, Abbruch und Neuanfang des Christentums sowie der kirchlichen Strukturen in den Donauprovinzen aus der Sicht der Archäologie in dem Zeitraum von der Spätrömerzeit bis zur Gründung der hochmittelalterlichen regna untersucht. Dieser Blick auf die longue durée soll es ermöglichen, den nicht immer gerade und kontinuierlich verlaufenden Weg des Christentums nachzuzeichnen, der über die Jahrhunderte hinweg verschiedene Formen der Bekehrung, Institutionalisierung und Etablierung aufweist. Der Vergleich einzelner Fundorte entlang der Donau von Noricum bis in die Scythia erlaubt es zudem, Regionen mit unterschiedlichem historischem Hintergrund und unter wechselnden Machtstrukturen miteinander in Beziehung zu setzen. Ziel des Projektes ist es, die Aussagekraft der archäologischen Zeugnisse zu überprüfen und ihre Bedeutung im Hinblick auf die Frage nach Kontinuität oder Diskontinuität des Christentums neu zu bewerten. Sakralarchitektur und -topografie spielen hier ebenso eine wichtige Rolle wie Märtyrerkulte, verschiedene Bestattungsformen, die Wahl der Bestattungsplätze und die Verbreitung von Kleinfunden mit christlicher Symbolik. Auch die Fragen nach der Institutionalisierung kirchlicher Strukturen, nach der Beziehung ihrer Träger zur Macht vor Ort und nach der Bewahrung antiker Traditionen sollen thematisiert werden. Auf der anderen Seite gilt es auch zu beachten, ob, und wenn ja, auf welche Weise pagane Herrschaftsbereiche und Vorstellungen vom Jenseits die Praxis und Verbreitung christlicher Strukturen mitbestimmten.