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deutsch

Projektgruppe:  Völkerrecht

Prof. Dr. Stefan Troebst

Die jüdisch-deutsche Völkerrechtlersymbiose im Ostmitteleuropa der Zwischenkriegszeit

VR Troebst

Schlusssitzung des Völkerbundrates in Genf 1926. Foto: Bundesarchiv, Bild 102-02454

Kurzbeschreibung

Die Pariser Friedensregelung von 1919/20 brachte für die „imperialen“ Minderheiten von Juden und Deutschen im östlichen Mitteleuropa eine Statusinversion mit sich: Von nun an waren sie unterprivilegierte Minoritäten in den jetzt von den „vorigen“ Minderheiten von Polen, Tschechen, Ungarn, Slowaken, Esten, Letten und Litauern dominierte Nationalstaaten. Ähnliches galt für die post-habsburgischen Teile Italiens und des neuen Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. Eine Folge dieser Umkehr von Machtverhältnissen war die enge Kooperation von deutsch(sprachig)en und jüdischen Juristen bezüglich der Ausgestaltung und Umsetzung des Minderheitenschutzes im Rahmen des neuen Völkerbunds – eine regelrechte Symbiose, die bis ins Jahr 1933, der Machtübertragung an die Nationalsozialisten in Deutschland, anhielt. Höhepunkt und zugleich Endmarke war die erfolgreiche Bernheim-Petition, mit welcher das „Dritte Reich“ gezwungen wurde, die Minderheitenschutzbestimmungen des Deutsch-polnischen Abkommens über Oberschlesien von 1922 einzuhalten.

english

Research Group: International Law

Prof. Dr. Stefan Troebst

Research Project: A Jewish-German Symbiosis of International Lawyers in Interwar East-Central Europe

VR Troebst

Engl. Übersetzung: Schlusssitzung des Völkerbundrates in Genf 1926. Foto: Bundesarchiv, Bild 102-02454

Abstract

The Paris Peace Conference of 1919/20 inverted the status of the formerly ‘imperial’ Jewish and German minorities in East-Central Europe: From this point onwards, they were national minorities in nation-states dominated by the ‘previous’ minorities of Poles, Czechs, Slovaks, Estonians, Latvians, and Lithuanians. The situation was similar in the post-Habsburg parts of Italy and of the new Kingdom of the Serbs, Croats and Slovenes. One of many consequences of this fundamental change in power relations was the close cooperation between German(-speaking) and Jewish lawyers concerning international minority protection in the framework of the newly founded League of Nations – a veritable symbiosis that lasted until 1933 when the Nazis came to power in Germany. The European Congress of Nationalities functioned as an important platform for this type of cooperation – with Paul Schiemann (1876–1944) and Leo Motzkin (1867–1933) as its most prominent protagonists.