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Projektgruppe: Ländliche Gesellschaften

PD Dr. Dietlind Hüchtker

Fragile Körper – fragile Räume: Jugend in der polnischen Provinz (20. Jahrhundert)

LG Huechtker

Nie ma mocnych (Niemand ist stärker), 1974, Polen, Regisseur: Sylwester Chęciński, Screenshot

Kurzbeschreibung

"Einerseits ist heute alles irgendein ‚Danach‘; ständig reden wir davon, was es nicht mehr gibt (oder was es nicht mehr geben soll). Wobei dieses ‚ Danach‘ keineswegs ein Bezugspunkt zur Geschichte ist, eher deren Ablehnung. [...] Ich bin aber erst in der ersten Hälfte meines Lebens und möchte auf die Gegenwart auch in der Perspektive der Zukunft schauen". (Grażyna Piskorz, Mein "Sitz im Leben".

In: Ost – West. Europäische P erspektiven 6 (2005) 1, S. 49).

Forschungen zur Jugend nach 1945 konzentrieren sich, gestützt auf soziologische Konzepte zu Generationenwechsel, Sozialisation und Stilbildung, einerseits auf Jugend(sub-) sowie jugendliche Protestkulturen. Andererseits spielen Jugendliche eine Rolle in den Untersuchungen über Konsumkultur und (Post-)Moderne. Dies gilt auch für Forschungen zu Ostmitteleuropa bzw. für Polen. Während sich ältere Forschungen mit den sozialistischen Jugendorganisationen beschäftigt haben, stehen nunm ehr Konsum und Habitus oder avantgardistische, spektakuläre und vor allem städtische Jugendkulturen, die bikiniarze, beatniks und punks oder die Happening-Gruppe "Pomarańczowa Alternatywa" im Mittelpunkt. Mit Blick auf das Dorf, das Land und die Provinz steht die Frage nach dem Unspektakulären, dem Alltag und der Rezeption jugendkultureller Phänomene im Zentrum der Untersuchung. Die Studie fragt nach der Konstruktion von jugendlichem Habitus und der Bedeutung von Raum für das jugendliche Selbstverständnis. Inwiefern werden Stadt und Land als divergierende Räume erfahren? Welche Rolle spielten Medien und Körperpraktiken (Musik, Tanz etc.) für generationelle, räumliche und soziale Differenzen? Die Studie wird soziale Praktiken Jugendlicher in ländlichen Regionen in mehreren Zeitabschnitten (1945–1968, 1968–1980, 1980–1989) untersuchen, um Veränderungen und Kontinuitäten herausarbeiten zu können.