6_veranstaltungen.png

Oskar-Halecki-Vorlesung / Jahresvorlesung des GWZO

Die jährliche Oskar-Halecki-Vorlesung des GWZO verfolgt das Ziel, Spitzenwissenschaftler aus den östlichen Nachbarländern Deutschlands zu einem in der wissenschaftlichen Diskussion umstrittenen Thema einzuladen. Die vor prominenter Öffentlichkeit gehaltenen Vorlesungen werden anschließend zum Druck gegeben, um ihre breite Rezeption und fortdauernde Diskussion anzustoßen.

zu Oskar Halecki

Biographie 

Halecki

Oskar Halecki (1891–1973): Der in Wien gebürtige Pole war einer der führenden Mittelalter- und Neuzeithistoriker im Polen der Zwischenkriegszeit. Auf dem internationalen Historikerkongreß 1933 in Warschau prägte er die erste Grundsatzdebatte über das Selbstverständnis der historischen Teildisziplin Osteuropäische Geschichte. 1940 in die Emigration gezwungen, gründete er 1942 in New York das Polish Institute of Arts and Sciences in America. Hier entwickelte Halecki seine geschichtsregionale Konzeption Ostmitteleuropas als historischer Strukturlandschaft und verfaßte seine bis heute wegweisende Gesamtdarstellung Borderlands of Western Civilization. A History of East Central Europe (New York 1952; deutsch als Grenzraum des Abendlandes. Eine Geschichte Ostmitteleuropas, Salzburg 1957) sowie seine grundlegende Studie The Limits and Divisions of European History. London, New York 1950; deutsch als Europa. Grenzen und Gliederung seiner Geschichte, Darmstadt 1957.

Bibliographie 

  • 1958: From Florence to Brest. 1439–1596.
  • 1950: The Limits and divisions of European history. deutsch: Europa. Grenzen und Gliederung seiner Geschichte. Darmstadt 1957.
  • 1952: Borderlands of western civilization.
  • 1951: Eugeniusz Pacelli. Papież pokoju.
  • 1943: A history of Poland.
  • 1943: Nowe uwagi krytyczne o wyprawie warneńskiej. (1939). englisch: The crusade of Varna. A discussion of controversial problems.
  • 1937: Dzieje Polski pod panowaniem Jagiellonów.
  • 1937: Idea jagiellońska.
  • 1919: Geschichte der Union Litauens mit Polen.
  • 1918: Polens Ostgrenze im Lichte der Geschichte Ostgaliziens, des Chelmer Landes und Podlachiens. Perles, Wien 1918.
  • 1916: Das Nationalitäten-Problem im alten Polen. 

Ostmitteleuropa als historische Strukturlandschaft

Aus: Borodziej Włodzimierz: Das kurze 20. Jahrhundert Polens: Bilanz eines europäischen Sonderwegs? Leipzig, Leipziger Universitätsverlag 2002, 34 S. ISBN 3-936522-48-0

Zur Einführung von Stefan Troebst

Auf dem Fünften Internationalen Historikerkongreß 1923 in Brüssel trat ein Pole mit einem der Form nach fulminanten und dem Inhalt nach ungewöhnlichen Vortrag zum Thema "L'histoire de l'Europe Orientale. Sa division en époques, son milieu géographique et ses problèmes fondamentaux" auf. Ungewöhnlich deshalb, als hierin die These aufgestellt wurde, daß kulturregionale Gliederung, Epochenabfolge und vor allem eine Reihe von Strukturmerkmalen das östliche Europa in seiner Gesamtheit zu einer der großen europäischen Geschichtsregionen machen. Die Rede ist von dem Historiker Oskar Halecki (1891–1973), der damals für die Zweite polnische Republik als Diplomat im Sekretariat des Völkerbundes in Genf tätig war. Allein Haleckis Verwendung des Begriffes "Geschichte Osteuropas" war ein Novum, für manchen auch eine Provokation, konzentrierten sich seine osteuropäischen Kollegen doch nahezu ausschließlich auf die Geschichte einzelner Staaten bzw. Imperien der Region, wobei sie mit ethnisch konnotierten Kollektivbegriffen operierten, bevorzugt mit dem ,,Slaventum". So betitelte der Prager Historiker Jaroslav Bidlo vier Jahre nach Haleckis Brüsseler Vortrag seine großregionale Gesamtdarstellung noch mit Dějiny Slovanstva – "Geschichte des Slaventums" –, wie ja auch eine der damals international bedeutendsten Zeitschriften für die Beschäftigung mit Osteuropa den Titel Le Monde Slave trug - und zwar unabhängig davon, daß die hierin abgedeckte Region auch von Nicht-Slaven wie Magyaren, Rumänen, Juden, Griechen, Albanern, Türken, Roma, Deutschen, Armeniern, Balten und anderen bewohnt wurde.... [die gesamte Einführung gwzo-pfeil als PDF]

Vorlesungsübersicht

2017

24. Oktober 2017, 18 Uhr c.t.
GWZO, Specks Hof (Eingang A) Reichsstr. 4–6

Prof. Dr. Ulrich Schmid
(Universität St. Gallen)

Modellierung und Emotionalisierung. Nationale Geschichtsnarrative in osteuropäischen Populärmedien

SchmidUlrich Der Literatur- und Kulturwissenschaftler Ulrich Schmid ist eine wichtige Stimme in den Debatten um die aktuelle Situation im östlichen Europa. Stationen seiner Laufbahn führten den studierten Slawisten, Germanisten und Politologen von Zürich, Heidelberg, Leningrad und Kiew nach Warschau, Krakau und Harvard. Er hatte Professuren in Basel, Bern und Bochum und ist seit 2007 Professor für Kultur und Gesellschaft Russlands an  der Universität St. Gallen, wo er seit 2011 ein internationales Forschungsprojekt zum Regionalismus in der Ukraine koordiniert. In seinen Studien reagiert er immer wieder auch auf brennende Fragen der Zeit, das gilt insbesondere für seine Publikationen: „De Profundis. Vom Scheitern der russischen Revolution“ (2017), „Technologien der Seele. Die Verfertigung von Wahrheit in der russischen Gegenwartskultur“ (2015), „UA – die Ukraine zwischen Ost und West“ (2015), „Schwert, Kreuz und Adler. Die Ästhetik des nationalistischen Diskurses in Polen (1926−1939)“ (2014). Er ist ständiger freier Mitarbeiter des Feuilletons der Neuen Zürcher Zeitung.

 Programm der Jahresvorlesung 2017 gwzo-pfeil

2016

11. Oktober 2016, 18 Uhr c. t.
Alte Handelsbörse, Naschmarkt 1, 04109 Leipzig

Magdaléna Vášáryová
(Botschafterin a.D., ehem. Mitglied des Slowakischen Nationalrates, Bratislava)

Slowakische Geschichte und Kultur im alten und neuen Europa: von der Doppelmonarchie der Habsburger bis zur EU der 28

Vasayrova Magdaléna Vášáryová. Die studierte Soziologin wurde 1990 zur Botschafterin der Tschechoslowakei in Wien ernannt und war 2000–2005 Botschafterin der Slowakischen Republik in Warschau. 1999 kandidierte sie bei der Präsidentschaftswahl, 2006 wurde sie ins Parlament gewählt und gehörte dem Slowakischen Nationalrat bis 2016 als Abgeordnete an. Sie ist Ehrenvorsitzende der von ihr 1993 ins Leben gerufenen Slowakischen Gesellschaft für Auswärtige Politik und seit 2013 Präsidentin des ältesten, 1869 gegründeten Slowakischen Frauenverbandes „Živena“. Darüber hinaus ist sie Mitglied im Forum Mitteleuropa beim Sächsischen Landtag. Bis zu ihrem Einstieg in die Diplomatie und Politik war
Magdaléna Vášáryová eine sehr erfolgreiche Schauspielerin. Von
ihren fünf Buchpublikationen sind einige mehrfach aufgelegt worden. Der Band Polonočný sused (Bratislava 2008) über die Botschaftsjahre im nördlichen Nachbarland wurde mit Nachwörtern von Władysław Bartoszewski und Adam Michnik ins Polnische übersetzt.

Programm der Jahresvorlesung 2016 gwzo-pfeil

 

2015

13. Oktober 2015, 17 Uhr c. t.
GWZO, Specks Hof (Eingang A) Reichsstr. 4–6, 4. Etg. Konferenzraum

Prof. Dr. Adam Daniel Rotfeld
(Universität Warschau, Außenminister der Republik Polen a.D.)

Searching for a New World Order

Rotfeld Adam Daniel Rotfeld (*1938 ). Der 1938 in der heutigen Westukraine geborene renommierte polnische Völkerrechtler, Politologe und Diplomat, 2005 Außenminister der Republik Polen, ist seit 2011 Professor am Institut für Interdisziplinäre Foschungen „Artes Liberales“ der Warschauer Universität. Zunächst am Polnischen Institut für Internationale Angelegenheiten (PISM) tätig, übernahm er nach der politischen Wende von 1989 zahlreiche Funktionen in bedeutenden internationalen Gremien und beteiligte sich an der Ausgestaltung der internationalen Sicherheitspolitik. So war er 1990–2002 Direktor des Stockholmer Internationalen Instituts für Friedensforschung (SIPRI), 2006–2011 Berater für Abrüstungsfragen beim Generalekräter der Vereinten Nationen, 2009–2010 Mitglied der Expertengruppe zum strategischen Konzept der NATO. Er ist Mitglied des Direktoriums des European Leadership Network (ELN) und seit 2008 Ko-Vorsitzender der Polnisch-russländische Gruppe für schwierige Fragen. Rotfeld veröffentlichte mehr als 20 Monographien und über 450 Artikel und Studien. Zu seinen neuesten Büchern gehören Poland in an Uncertain World (2006), Where is the World Heading? (2008), NATO 2020: Assured Security – Dynamic Engagement (2010), White Spots – Black Spots. Difficult Matters in Polish-Russian Relations 1918–2008 (2010), In Shadow (2012).

Programm der Jahresvorlesung 2015 gwzo-pfeil

2014

21. Oktober 2014, 19 Uhr c. t.
GWZO, Specks Hof (Eingang A) Reichsstr. 4–6, 4. Etg. Konferenzraum

Prof. Dr. Karol Modzelewski
(Warschau)

Gesellschaftspsychologie einer Revolution. Die „Solidarność“ als Massenbewegung, ihre Niederlage während des Kriegsrechts, und wie ihr Mythos als Deckmantel für die Transformationsprozesse in Polen genutzt wurde

Karol-Modzelewski Karol Modzelewski (*1937). Der renommierte polnische Historiker und Oppositionelle war Professor für mittelalterliche Geschichte an den Universitäten Breslau und Warschau. Seit den 1960er Jahren gehörte er der politischen Opposition gegen die herrschende Polnische Vereinigte Arbeiterpartei an und war mehrere Jahre inhaftiert. Während der August-Streiks 1980 in Polen prägte er den Namen „Solidarność" (Solidarität) für die neue Gewerkschaft und engagierte sich in den 1980er Jahren politisch und publizistisch für die „Solidarność" und die Oppositionsbewegung. 1989 – 1991 war er Mitglied des Polnischen Senats, 2007 – 2010 Vizepräsident der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Zu seinen neuesten Publikationen gehören:Zajeździmy kobyłę historii. Wyznania poobijanego jeźdźca, Warszawa 2013 [Reiten wir den Gaul Geschichte. Erkenntnisse eines gebeutelten Reiters]; Barbarzyńska Europa(Warszawa 2004; dt. Das barbarische Europa. Zur sozialen Ordnung von Germanen und Slawen im frühen Mittelalter, Osnabrück 2011); Dokąd od komunizmu?(Warszawa 1993; dt. Wohin vom Kommunismus aus?: Polnische Erfahrungen, Berlin 1996).

Programm der Jahresvorlesung 2014 gwzo-pfeil

2013

10. Oktober 2013, 18 Uhr c. t.
GWZO, Specks Hof (Eingang A) Reichsstr. 4–6, 4. Etg. Konferenzraum

Prof. Dr. Steven A. Mansbach
(University of Maryland, USA)

Riga's Modernism

Steven MansbachSteven A. Mansbach ist Professor für Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts an der University of Maryland, USA. In seinen Forschungen beschäftigt er sich in erster Linie mit der Genese und Rezeption klassischer Moderne, vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Sein besonderes Interesse gilt dabei der Kunst Mittel- und Osteuropas. Zu seinen bedeutendsten Publikationen zählen Graphic Modernism (2007), Modern Art in Eastern Europe: From the Baltic to the Balkans ca. 1890 to 1939 (2004), und Standing in the Tempest: Painters of the Hungarian Avant-Garde (1991). Neben zahlreichen Gastaufenthalten in Deutschland, Polen, Ungarn, Südafrika sowie US-amerikanischen Universitäten war er assoziierter Dekan des Center for Advanced Study in the Visual Arts an der Nationalen Kunstgalerie in Washington sowie maßgeblich an der Gründung der American Academy in Berlin beteiligt.

Programm der Jahresvorlesung 2013 gwzo-pfeil

 

 

2012

20. Juni 2012, 18 Uhr c.t.
GWZO, Specks Hof, (Eingang A) Reichsstr. 4–6, 4. Etage

Prof. Dr. Ákos Moravánszky
(Eidgenössische Technische Hochschule Zürich)

Mitteleuropäische Raum(ge)schichten: Ein Querschnitt durch Budapest

150px_MoravanszkyÁkos Moravánszky, einer der besten Kenner der Architektur Ostmittel- und Südosteuropas im 19. und 20. Jahrhundert, vertritt einen breiten Forschungsansatz unter Einschluss der Architekturikonologie und politisch-sozialer Kontexte. Er studierte Architektur in Budapest und Kunstgeschichte sowie Denkmalpflege in Wien. Nach einer Tätigkeit als Architekt und Chefredakteur der ungarischen Architekturzeitschrift "Magyar Épitömüvészet" ging er 1986 als Alexander-von-Humboldt-Stipendiat ans Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München und 1989 als Research Associate ans Getty Center for the History of Art in Los Angeles. 1991–96 lehrte er am Massachusetts Institute of Technology, seit 1996 ist er Professor für Architekturtheorie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören: Experiments. Architektur zwischen Wissenschaft und Kunst (Berlin 2011, Hrsg.); Architekturtheorie im 20. Jahrhundert: Eine kritische Anthologie (Wien u. a. 2003, Hrsg.); Das entfernte Dorf: Moderne Kunst und ethnischer Artefakt (Wien u. a. 2002, Hrsg.); Competing Visions: Aesthetic Invention and Social Imagination in Central European Architecture, 1867–1918 (Cambridge, Mass. 1998); Die Architektur der Donaumonarchie. (Berlin 1988); Die Erneuerung der Baukunst: Wege zur Moderne in Mitteleuropa (Salzburg 1988).

Programm der Jahresvorlesung 2012 gwzo-pfeil

 

2011

20. Juni 2011
GWZO, Specks Hof, (Eingang A) Reichsstr. 4–6, 4. Etage

Prof. Dr. Matti Klinge
(Universität Helsinki)

Nordosteuropa als Geschichtsregion –
Prof. Dr. Dr. h.c.mult. Klaus Zernack zum 80. Geburtstag

250px-Matti_KlingeDer renommierte finnische Historiker ist durch seine Pionierarbeiten zur finnischen nationalen Identität hervorgetreten. Darin lenkte er die Aufmerksamkeit auf die politischen und ideologischen Motive, die sich hinter einer solchen Konstruktion einer nationalen Identität verbergen. Klinge hat in vielen seiner Werke die Geschichte Finnlands neu geschrieben, besonders im Hinblick auf die Beziehungen zu Schweden und Russland. Er stellte sich damit gegen die bis dahin etablierten Paradigmen der finnischen Geschichtsforschung. Dabei sind seine Fragen durch eine international vergleichende Perspektive charakterisiert. Klinge lehrte 1970–72 an der Sorbonne-Universität in Paris und war 1975–2001 Professor für Geschichte an der Universität Helsinki. Zu seinen wichtigsten Publikationen gehören: Ancient Powers of the Baltic Sea: An Illustrated Historical Outline (Ontario 2007), The Baltic World (Helsinki 1995), The Finnish Tradition: Essays on Structures and Identities in the North of Europe (Helsinki 1993) und Let Us Be Finns: Essays on History (Helsinki 1990). Seine Geschichte Finnlands im Überblick (Helsinki 1977) wurde in Deutschland viermal aufgelegt und insgesamt in 17 Sprachen übersetzt.

Programm der Jahresvorlesung 2011 gwzo-pfeil

2010

19. Oktober 2010
GWZO, Specks Hof, (Eingang A) Reichsstr. 4–6, 4. Etage

Univ.-Prof. Katherine Verdery
(Universität New York)

Secrets and Truths: Knowledge Practices of the Romanian Secret Police

Verdery Die profilierte Anthropologin und Vertreterin der Postsozialismusforschung Katherine Verdery hat auf der Grundlage intensiver Feldstudien in Rumänien Stellung genommen zu so bedeutenden Themen wie interethnische Beziehungen im Kontext sozialer Ungleichheit, Entstehung und Erscheinungsformen von Nationalismus, Transformation des sozialistischen Systems und Wandel der agrarischen Besitzverhältnisse. Ausgezeichnet durch zahlreiche hochrangige Stipendien und Funktionen in wissenschaftlichen Organisationen ist sie gegenwärtig Professorin an der City University of New York, wo sie das Ph.D.-Programm in Ethnologie betreut. Zu ihren bekanntesten Publikationen gehören: Transylvanian Villagers: Three Centuries of Political, Economic, and Ethnic Change (Berkeley CA 1983), National Ideology Under Socialism: Identity and Cultural Politics in Ceauşescu's Romania (Los Angeles 1991), What Was Socialism, & What Comes Next? (New Jersey 1996), The Political Lives of Dead Bodies: Reburial and Postsocialist Change (New York 2000) oder The Vanishing Hectare: Property and Value in Postsocialist Transylvania (Culture and Society After Socialism) (New York 2003).

Programm der Jahresvorlesung 2010 gwzo-pfeil 

 

2009

14. Oktober 2009
Hörsaalgebäude der Universität Leipzig, HS 9

Dr. Hans-Dietrich Genscher
(Bundesminister des Auswärtigen a. D.)

Auf dem Wege zum und im Epochenjahr 1989

Hans-Dietrich Genscher gehört zu den führenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in der Bundesrepublik Deutschland. Seit 1965 Mitglied des Bundestages für die FDP, deren Vorsitzender er in den Jahren 1974 bis 1985 war, bekleidete er hohe Ämter in der Bundesregierung. Er wirkte zunächst als Innenminister der sozial-liberalen Koalition (1969-74) und leitete danach bis 1992 das Auswärtige Amt. Während seiner 18-jährigen Dienstzeit als Chefdiplomat entwickelte Genscher im Zeichen der Entspannungspolitik einen kontinuierlichen Ost-West-Dialog. Sein persönliches Engagement für die DDR-Botschaftsflüchtinge in den Hauptstädten Ostmitteleuropas prägte die Ereignisse im Epochenjahr 1989.

Zugleich Auftaktvortrag zur internationalen Konferenz: 1989 in a Global Perspective, Leipzig, 15.-16. Oktober 2009 gwzo-pfeil

2008

13. November 2008
Geschwister-Scholl-Haus der Universität Leipzig, Ritterstr. 8-10

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger
(Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin)

Herrschaftsrepräsentation und Totenritual in der eurasischen Steppe:Neue Forschungen in skythenzeitlichen Großkurganen

Hermann Parzinger ist Prähistoriker und Spezialist für die Kultur der Skythen. Seit dem 1. März 2008 leitet er als Präsident die Berliner Stiftung Preußischer Kulturbesitz; zuvor war er bis Februar 2008 Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin. Bereits 1995 wurde er als Gründungsdirektor der Eurasien-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts nach Berlin berufen. In dieser Position unternahm er zahlreiche Ausgrabungen, darunter im Iran, in Russland, in der Türkei und in Spanien. Weltweit bekannt wurde Parzinger durch die Entdeckung eines skythischen Fürstengrabes mit tausenden Goldobjekten im Juli 2001 bei Aržan in der südsibirischen Republik Tuwa. Diese bedeutenden Funde wurden im kulturhistorischen Kontext vom 6. Juli bis 1. Oktober 2007 im Berliner Martin-Gropius-Bau im Rahmen der Ausstellung "Im Zeichen des Goldenen Greifen" ausgestellt. Ein weiterer bedeutender Fund war im Sommer 2006 Hermann Parzingers Entdeckung der Eismumie eines skytischen "Prinzen" im Altai Gebirge, mit erhaltenen Kleidungsstücken (z.B. Pelzmantel) und hölzernem Kompositbogen. 1998 wurde Hermann Parzinger mit dem Leibniz-Preis, dem höchstdotierten wissenschaftlichen deutschen Förderpreis, ausgezeichnet.

Zugleich Festveranstaltung aus Anlass des Beginns der Projektförderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung "Perspektiven 2008-2013"
siehe Jahrestagung 14.–15.11.2008  "Ostmitteleuropa und die Steppe" gwzo-pfeil

2001–2007

 

22. November 2007
Aula der Alten Nikolaischule, Nikolaikirchhof 2, 04109 Leipzig

Univ.-Professor Dr. István Fried
(Szeged)

Gibt es ein Literarisches Ostmitteleuropa?

István Fried promovierte an der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest und war als Professor für Literatur Leiter des Lehrstuhls für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Attila-József-Universität in Szeged. Er ist Träger des Tiszatáj-Preises (1995) und des Herder-Preises (1999). Im Mittelpunkt seiner Forschungen stehen die deutsch-österreichisch-ungarischen sowie die slawisch-ungarischen Literaturbeziehungen zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert, über die er vor allem in den Bänden Kelet- és Közép-Európa között (Zwischen Ost- und Mitteleuropa, 1986), Utak és tévutak Kelet-Közép-Európa irodalmaiban (Wege und Irrwege in den Literaturen Ostmitteleuropas, 1989) und Ostmitteleuropäische Studien (1994) geschrieben hat.

 

1. Dezember 2006
Aula der Alten Nikolaischule, Nikolaikirchhof 2, 04109 Leipzig

Univ.-Professor Dr. Walter Pohl
(Universität Wien)

Die "ethnische Wende" des Frühmittelalters und ihre Auswirkungen auf Ostmitteleuropa

Walter Pohl (* 1953 in Wien) ist Professor für mittel­alterliche Geschichte und Hilfswissenschaften an der Universität Wien, Direktor des Instituts für Mittelalterforschung, wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Träger des Wittgenstein-Preises. Als Schüler von Herwig Wolfram gehört er der Wiener Schule der Frühmittel­alter-Forschung an, die neue Akzente für das Wissen über das Werden der europäischen Identitäten und Völker gesetzt hat. Zu seinen wichtigsten Arbeiten, in denen auch die Frühzeit Ostmitteleuropas thematisiert wird, zählen die Monographien über "Die Awaren. Ein Steppenvolk in Mitteleuropa" (1988, 2002), "Werkstätte der Erinnerung - Montecassino und die Gestaltung der langobardischen Vergangenheit" (2001) sowie "Die Völkerwanderung. Eroberung und Integration" (2002).

 

27. Oktober 2005
Bundesverwaltungsgericht Leipzig, Historischer Plenarsaal

Professor Dr. Thomas DaCosta Kaufmann
(Princeton University, USA)

(Ost-)Mitteleuropa als Kunstgeschichtsregion?

Thomas DaCosta Kaufmann (* 1948 in New York) promovierte 1977 an der Harvard University und lehrt seitdem am Department für Kunst und Archäologie der Princeton University, seit 1989 als Professor. Seine reiche Publikationstätigkeit umfasst ein breites Themenspektrum der Kunst und Architektur Mittel­europas und Lateinamerikas der Frühneuzeit. Seine Studie The School of Prague: Painting at the Court of Rudolf II (Chicago 1988) gehört zu grundlegenden Untersuchungen zur Prager Hofkunst um 1600; Court, Cloister, City. The Art and Culture of Central Europe, 1450-1800 (Chicago 1995) wurde 1998 ins Deutsche übersetzt. Die historiographischen Traditionen der Kunstgeschichte des östlichen Mitteleuropa bilden auch den Ausgangspunkt zu den methodologischen Überlegungen in seinem jüngsten Buch Toward a Geo­graphy of Art (Chicago 2004).

Im Rahmen der Veranstaltungen zum zehnjährigen Bestehen des GWZO
siehe Internationale Tagung aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des GWZO "Ostmitteleuropa als geschichtsregionale Konstruktion" 27.-29. Oktober 2005 gwzo-pfeil

 

7. Oktober 2004
Polnisches Institut Leipzig

Professor Dr. Dr. h. c. mult. Piotr S. Wandycz
(Yale University, New Haven, CT, USA)

Die Grossen Mächte und Ostmitteleuropa 1878-1991

Piotr S. Wandycz (*1923 in Krakau) emigrierte 1939 über Rumänien, Frankreich und Spanien nach Großbritanien. Dort 1951 Promotion an der London School of Economics and Politics. Seitdem in den USA als Hochschullehrer an mehreren Universitäten, ab 1966 an der Yale University als Bradford Durfee Professor of History tätig. Wandycz veröffentlichte vierzehn Bücher zur Geschichte der internationalen Beziehungen. Sein in mehrere Sprachen übersetztes Werk The Price of Freedom. A History of East Central Europe from the Middle Ages to the Present (1992) weist ihn als hervorragenden Kenner der Geschichte Ostmitteleuropas aus.

 

12. Dezember 2003
Leipzig, Alte Nikolaischule

Professor Dr. Maria Todorova
(Department of History, University of Illinois at Urbana-Champaign, USA)

Die Kategorie Zeit in der Geschichtsschreibung Ostmitteleuropas

Maria Todorova hat an der Kliment-Ochridski-Universität in Sofija (Bulgarien) promoviert und lehrt derzeit Geschichte an der Universität von Illinois in Urbana-Champaign (USA). Sie ist die Autorin des in zahlreiche Sprachen übersetzten Buches Imagining the Balkans (Oxford 1997; deutsch als Die Erfindung des Balkans. Europas bequemes Vorurteil, Darmstadt 1999) und hat umfassend zur modernen Geschichte Südosteuropas sowie zur Geschichte europäischer Familienstrukturen publiziert. Ihr neues Buch über Heldenkult, Nationalismus und historisches Gedächtnis am Beispiel des bulgarischen Nationalheroen Vasil Levski ist im Erscheinen.

 

9. Dezember 2002
Dresden, Blockhaus

Professor PhDr. Dr. h.c. mult. Miroslav Hroch, DrSc.
(Fakulta humanitních studií, Univerzita Karlova, Praha)

Ethnonationalismus - eine ostmitteleuropäische Erfindung?

Miroslav Hroch (*1932) ist Historiker und Professor für Allgemeine Geschichte an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Karls-Universität Prag, Ehrendoktor der Universität Uppsala (1998) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (2003). Seine vergleichend angelegten Forschungen behandeln das 17. Jahrhundert (Ostseehandel, Dreißigjähriger Krieg, Gegenreformation), die bürgerlichen Revolutionen sowie vor allem die europäischen nationalen Bewegungen, deren Programme, Zielsetzungen, Motivationen und soziale Strukturen. Zu den bekanntesten von Hrochs über zwanzig Büchern gehören Die Vorkämpfer der nationalen Bewegung bei den kleinen Völkern Europas (1968 - 2000 als Social Preconditions of National Revival in Europe erschienen), Handel und Politik im Ostseeraum während des Dreißigjährigen Krieges (1976), V národním zájmu (1996 - 2000 als In the National Interest erschienen), Na prahu národní existence. Touha a skutečnost (1999) und Małe narody. Perspektywa historyczna (2003).

 

4. Dezember 2001
Leipzig, Alte Nikolaischule

Professor Dr. Włodzimierz Borodziej
(Uniwersytet Warszawski)

Das kurze 20. Jahrhundert Polens: Bilanz eines europäischen Sonderwegs?

Włodzimierz Borodziej (*1956) ist seit 1996 Professor für Zeitgeschichte am Historischen Institut der Universität Warschau, seit 1997 Ko-Vorsitzender der deutsch-polnischen Schulbuchkommission. Seine Forschungsschwerpunkte sind die neueste Geschichte Polens sowie die deutsch-polnischen Beziehungen im 20. Jahrhundert. Zu seinen monographischen Publikationen zählen Der Warschauer Aufstand 1944 (Frankfurt/M. 2001), Od Poczdamu do Szklarskiej Poręby. Polska w stosunkach międzynarodowych 1945-1947 (London 1990) und Terror i polityka. Policja niemiecka a polski ruch oporu w Generalnym Gubernatorstwie 1939-1944 (Warszawa 1985 - deutsch 1999 in Mainz als Terror und Politik. Die deutsche Polizei und die polnische Widerstandsbewegung im Generalgouvernement 1939-1944 erschienen). Er ist Mitherausgeber zahlreicher Sammelwerke zur deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte, darunter die vierbändige Quellenedition Niemcy w Polsce 1945-1950. Wybór dokumentów (Warszawa 2000-2002 - auf deutsch seit 2000 unter dem Titel Die Deutschen östlich von Oder und Neiße 1945-1950. Dokumente aus polnischen Archiven in Marburg/L. im Erscheinen).

Die Vorlesungen werden in der Regel in der GWZO-Reihe "Oskar-Halecki-Vorlesungen" veröffentlicht.