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Projektgruppe: Spielplätze der Verweigerung

Dr. Matteo Colombi

"Gegen-den-Strich-lesen". Partisanenbild und alternative Kultur in Slowenien

SV_Colombi

 

"Wenn Du das Blatt gelesen hast, gib es weiter!
Der Partisan ist kein Egoist!"

Werbepostkarte zum Essay Kako misliti partizansko umetnost? [Wie ist Partisanenkunst zu denken?] (v. Miklavž Komelj, /*cf., Ljubljana, 2009). Auszug aus der Partisanenzeitschrift Goriški borec [Görzer Kämpfer] (1944, Zeichnung v. Jurij Štante).
 

Kurzbeschreibung

Kulturelle Verweigerung entsteht aus der Konfrontation zwischen Meistererzählungen und Gegendiskursen. Dies lässt sich am Thema "Partisanen", wie es die slowenische alternative Kultur der 1980er bis 2000er Jahre verarbeitet hat, anschaulich zeigen. Zwei miteinander verbundene Verschiebungsprozesse sollen dabei analysiert werden. Zum einen geht es um die Veränderungen innerhalb der alternativen Kulturszene in Slowenien, zum anderen um die Verlagerung des Partisanenbildes von der Meistererzählung hin zum Gegendiskurs. Bildeten die Partisanen noch in den 1980er Jahren einen der offiziellen Gründungsmythen des sozialistischen Jugoslawiens, protestierten alternative Künstler zeitgleich schon gegen die Instrumentalisierung der Partisanenfigur (einseitige Heroisierung, unkritischer Kult, verschwiegene gesellschaftliche Spaltung). Insofern zielt das Projekt auch auf das problematische (begriffliche) Verhältnis zwischen Alternativkultur, Subkultur, Underground und Dissens ab. Strategien der Revitalisierung und Relativierung sowie die Nähe zur Pop-Kultur sollen anhand des folgenden Materials untersucht werden: Arbeiten der Künstlergruppierung NSK – Neue Slowenische Kunst (darunter die Band "Laibach", die Gruppe "IRWIN" u. a.), Videokunst von Marina Gržinić und Aina Šmid, musikalische Praxis des Frauenchors "Kombinat" und Textproduktion der Zeitschrift "Borec" (Kämpfer).