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Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig
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Asenova Krepost    PDF

Suedosteuropa inklusive Ungarn

(Asen‑Festung), mittelalterliche Festung 2,5 km südlich von → Asenovgrad (Bulgarien) gelegen auf einem hohen Felsen an strategisch bedeutender Stelle in einer Talenge des Flusses Čepelarska Reka (auch Asenica, Čaja). Im Typikon des Gregorios Pakurianos für das →Baćkovo‑Kloster von 1083 wird die Asenova Krepost unter dem Namen Petritzos (Πετριτζός, bulg. Petrič) zusammen mit dem gleichnamigen, 300 m nordwestlich gelegenen Dorf genannt. Dessen Lage ist durch einen Münzschatzfund aus dem 11./12. Jahrhundert und durch Reste von Werkstätten fixiert. In den Chroniken des Dritten Kreuzzuges (1189 - 1192) wird die Asenova Krepost als stark befestigtes, berühmtes Kastell mit Namen Scribention unterhalb eines Mönchsklosters (Bačkovo‑Kloster) beschrieben. In der Asenova Krepost wurde der bulgarische Bojar →Ivanko (1196 - 1200) vom byzantinischen Kaiser Alexios III. Angelos (1195 - 1203) belagert, schließlich gefangengenommen und wahrscheinlich auch getötet. Seit 1204 gehörte die Festung zum Lateinischen Kaiserreich. Hier fand der lateinische Ritter Renier de Trit, der Verwalter der Region Plovdiv, Zuflucht vor dem siegreichen bulgarischen Zaren →Kalojan (1197 - 1207) und wurde nach dreizehnmonatiger Belagerung 1206 von einem venezianischen Bataillon unter Geoffroy de Villehardouin befreit. Nach Kalojans Tod kam die Festung in den Besitz des in den  Rhodopen herrschenden bulgarischen Despoten → Aleksij Slav . Nach dem Sieg bei Klokotnica 1230 ließ Zar →Ivan Asen II. (1218 - 1241) die Asenova Krepost im Zusammenhang mit dem Ausbau der Befestigungslinie in den Rhodopen umgestalten und verstärken. Davon berichtet die Asenovgrader Inschrift des Zaren von 1231. Seit 1246 war die Festung abwechselnd im Besitz byzantinischer (nikäischer) Kaiser und bulgarischer Zaren. Im Jahr 1431 wird die Asenova Krepost noch einmal in der Lebensbeschreibung des serbischen Despoten Stefan Lazarević von Konstantin von Kostenec erwähnt. Die seit 1970 durchgeführten archäologischen Untersuchungen erbrachten Ergebnisse zur Geschichte, zum Bauplan, zu den Bautechniken, zur materiellen Kultur und zur Siedlungsgeschichte der Festung. Die strategische Bedeutung der Asenova Krepost bestand im Schutz des Čepelare‑Passes, der Plovdiv mit dem ägäischen Thrakien verband. Der nach Norden vorspringende Burgfelsen mit dem mehr als 1,5 ha umfassenden Festungsareal ist von drei Seiten durch Steilwände natürlich geschützt; nur der Südhang ist flacher. Hier ist die Festungsmauer, die einen durchgehenden Ring bildet und dem Geländerelief folgt, durch eine zweite äußere Mauer verstärkt. Ihre Fundamente sind unmittelbar in den Felsen eingelassen. Die bis zu 2,2 m starken Mauern aus Bruchstein und hartem weißem Mörtel werden von Plattformen und Zinnen gekrönt. Die Festung besteht aus vier selbständig befestigten Teilen: dem Herrschaftskomplex, dem sog. Kirchenhof, der Ostterrasse mit Wohn- und Wirtschaftsbauten und dem Südhang mit Kasernenräumen. Der einzige Zugang liegt an der Westseite und war durch einen Wehrturm (Donjon) im Inneren gesichert. Von dort führte ein schmaler Weg zum zweiten, inneren Eingang in die Festung, der an der Stelle aus dem Felsen gehauen war, wo Herrschaftskomplex, Kirchenhof und Ostterrasse aneinandergrenzten. Archäologisch erforscht wurden nur der Herrschaftskomplex und der Kirchenhof. In dem aus Wohn- und Wirtschaftsbauten bestehenden erstgenannten Untersuchungsbereich wurden zwei Wasserreservoire, eine kleine einschiffige Kirche mit Apsis, aber ohne Vorhalle (vermutlich eine Hofkapelle) aus dem Ende des 11. bis Anfang des 12. Jahrhundert untersucht. Die große Festungskirche Sveta Bogorodica Petrička (Heilige Gottesmutter von Petrič) ist eine einschiffige, zweistöckige Kreuzkuppelkirche mit einer Apsis und Vorhalle, über der sich ein rechteckiger Glockenturm erhebt. Das zweite Stockwerk diente als eigentlicher Kirchenraum; seine Südfassade ist aus abwechselnden Schichten von Tuffstein und Ziegeln errichtet und durch doppelt abgesetzte Blendbogennischen gegliedert, die mit Wandmalereien verziert waren. Die Kirche wird in die Zeit vom Ende des 12. bis Anfang des 13. Jahrhundert datiert. Bei den Grabungen wurden vor allem Gebrauchsgegenstände gefunden: Küchengeschirr aus Ton, aber auch Sgraffito‑Keramik, Mahlsteine, Metallgeräte (kleine Messer und Hämmer, Schabeisen, Rebmesser u.a.), Pfeil- und Lanzenspitzen, Münzen sowie zwei byzantinische Bleisiegel aus dem 12. Jahrhundert (eines von Alexios I. Komnenos, das andere von der Adelsfamilie der Tornikioi). Die Ausgrabungen dauern noch an; gleichzeitig werden Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten an der Kirche und den freigelegten Festungsanlagen durchgeführt.



Autor(en)Author(s)
ROSICA MOREVA

Erstellungsdatum
Creation Date
1995-01-01

Literatur und Quellen
References
Qu.: Typikon de Grégoire Pacourianos pour le monastère de Pétritzos (Bačkovo) en Bulgarie, ed. L. PETIT, in: VizVrem 11, 1904, Suppl. Nr. 1, S. 1, 10 u.a.; Historia de expeditione Friderici imperatoris, in: Qu. zur Gesch. des Kreuzzuges Ks. Friedrichs I., ed. A. CHROUST, Berlin 1928, 45 (MGH SS RerGerm, NS 5); vgl. Historia peregrinorum, ebd., 141; Geoffroy de Villehardouin, La conquête de Constantinople II, ed. E. FARAL, Paris 19612, 252 - 254. Lit.: I. IVANOV, Asenovata krepost' nad' Stanimaka i Bačkovskijat monastir, in: IzvBArchDr 2, 1911, 191 - 230; V. N. ZLATARSKI, Asěnovijat nadpis pri Stanimaka, in: ebd., 231 - 247; B. PRIMOV, Žofroa de Vilarduen, Četvărtijat krăstonosen pochod i Bălgarija, in: Godišnik na Sofiskija universitet, Istoriko-filologičeski fakultet 45, 1948 - 1949, H. 2, 80 - 81, 91 - 92, 111 - 112; D. CONČEV, ST. STOILOV, Asenovata krepost, Plovdiv 1960; CTR. LIŠEV, Bălgarskijat srednovekoven grad, Sofija 1970; CHR. DŽAMBOV, R. MOREVA, Architekturni problemi na Asenovata krepost v svetlinata na novite razkopki, in: Architekturata na Părvata i Vtorata bălgarska dăržava, Sofija 1975, 136 - 149; S. GEORGIEVA, in: Istorija na Bălgarija III, Sofija 1982, 88, 384.