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Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig
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Asenovgrad    PDF

Suedosteuropa inklusive Ungarn

mittelalterliche Namen: Stenimachos (Στενιμαχος 'auf engem Raum kämpfend'), Stanimaka (bis 1934). Stadt 19 km südlich von Plovdiv (Bulgarien); am Nordrand der Mittleren Rhodopen zu beiden Seiten des Flusses Čepelarska Reka (auch Asenica bzw. Čaja) gelegen. In der Nähe von Asenovgrad wurden mehrere prähistorische Siedlungen entdeckt, die älteste aus der Zeit um 6000 v.Chr., auf dem Gelände der heutigen Stadt eine thrakorömische Siedlung mit Nekropole und vier thrakischen Heiligtümern. 2,5 km südlich der Stadt liegt die mittelalterliche → Asenova Krepost (Asen-Festung). Der antike Name von Asenovgrad ist unbekannt. Der mittelalterliche, auf die Lage des Ortes anspielende Name Stenimachos erscheint mehrfach im Typikon des Großdomestikos Gregorios Pakurianos (Grigori Bakuriani) für das 1083 gegründete Kloster Petritzos (bulg. Petriã), das heutige →Bačkovo-Kloster . Der als ländliche Siedlung (χωρίον) bezeichnete Ort wurde dem Kloster vom Großdomestikos als Schenkung übereignet. Der Chronist des 4. Kreuzzuges (1202 - 1204), Geoffroy de Villehardouin, nennt Stanemac eine "sehr feste Burg". Infolge seiner Schlüsselstellung am Zugang zu dem relativ leicht überwindbaren Čepelare-Paß an der Čepelarska Reka war Asenovgrad im Mittelalter ständig umkämpft und wechselte häufig seine Herren. Es war Mittelpunkt der Kämpfe zwischen dem bulgarischen Bojaren →Ivanko (1196 - 1200) und dem byzantinischen Kaiser Alexios III. Angelos (1195 - 1203). Vom Herbst 1204 bis zum Juni 1205 in den Händen des lateinischen Ritters Renier de Trit, des Verwalters der Region Plovdiv, fiel es anschließend an den bulgarischen Staat unter dem Zaren →Kalojan (1197 - 1207). Von 1208 an war die Stadt zeitweilig im Besitz des bulgarischen Despoten → Aleksij Slav . Nach einer erneuten Periode unter der Herrschaft des Lateinischen Kaiserreiches, gehörte sie seit der Schlacht von Klokotnica 1230 unter dem Zaren →Ivan Asen II. (1218 - 1241) wieder zu Bulgarien. Anschließend wurde sie abwechselnd von byzantinisch (nikäischen) Kaisern und bulgarischen Zaren beherrscht: Johannes III. Dukas Batatzes (seit 1246), Michail II. Asen (1254), Theodoros II. Laskaris, Konstantin Asen (Tich), Michael VIII. Palaiologos. Seit Ivan Alexander (1331 - 1371) war Asenovgrad bis zur Eroberung durch die Osmanen in bulgarischem Besitz. In Asenovgrad sind folgende mittelalterliche Denkmale archäologisch nachgewiesen: die nördliche Stadtmauer, errichtet am Ende des 12./Anfang des 13. Jahrhundert aus Bruchsteinen und Geröll in hartem weißem Mörtel, 2,2 m stark; Reste der Festung auf dem Hügel Sveti Archangeli, nach dem Typikon des Gregorios Pakurianos wahrscheinlich am Ende des 11./Anfang des 12. Jahrhundert errichtet; Bruchstücke der Festungsmauern in den Fundamenten der Kapelle Sveti Archangeli (Hl. Erzengel) erhalten; die einschiffige Kirche Sveti Joan (Hl. Johannes) mit einer Apsis und mit zweifach abgesetzten Blendbogennischen an der Fassade; nach dem Architekturstil wohl aus dem Ende des 11. Jahrhunderts, vielleicht Teil der zweiten unter Gregorios Pakurianos in Asenovgrad errichteten und in seinem Typikon erwähnten Festung; die Herberge des Bačkovo-Klosters; ausgegraben wurden Reste des Pakurianos-Baus aus dem Ende des 11. Jahrhundert; einschiffige Kirche mit Apsis und eventuell Vorhalle, an der Südfassade gut erhaltene zweifach abgesetzte Blendbogennischen; in diese Herbergskirche eingebaut die mittelalterliche Kirche Sveta Ekaterina (Hl. Katharina); die Festung Sveti Dimitar (Hl. Demetrios) auf der Anhöhe der südlich der Herberge, im 12. Jahrhundert als Fluchtburg für diese ausgebaut, erhalten ein Teil der Nordmauer und Fundamente eines Wasserreservoirs; die Kirche Sveta Bogorodica Blagoveščenie Ribenata (in die Apsis eingebaut ein Teil des Altars einer mittelalterlichen Kirche) ebenfalls mit den charakteristischen zweifach abgesetzten Blendbogennischen und Mauerwerk aus einander abwechselnden Schichten von Steinen und gebrannten Ziegeln; errichtet im 12. - 13. Jahrhundert, wahrscheinlich als Kirche des mittelalterlichen Dorfes Ambelino am rechten Ufer der Čepelarska Reka.



Autor(en)Author(s)
ROSICA MOREVA

Erstellungsdatum
Creation Date
1995-01-01

Literatur und Quellen
References
Qu.: Typikon de Grégoire Pacourianos pour le monastère de Pétritzos (Bačkovo) en Bulgarie, ed. L. PETIT, in: VizVrem 11, 1904, Nr. 1, S. 6, 10, 48; Geoffroy de Villehardouin, La conquête de Constantinople II, ed. E. FARAL, Paris 19612, 156. Lit.: K. M. APOSTOLIDOU, O Stenimachos, Athen 1929; D. CONČEV, Stroeži na Grigorij Bakurijani v Asenovgrad i okolnostta, in: IzvArchInst 23, 1960, 99 - 110; K. I. ŽUGLEV, Proizchod na Stanimaka i negovijat etničeski oblik prez antičnostta i srednovekovieto, in: Izv. na Etnografskija institut i muzej 9, 1966, 51 - 74; S. LIŠEV, Bălgarskijat srednovekoven grad, Sofia 1970, 17 - 19, 24, 82, 90; ST. STOILOV, Asenovgrad - ognište na stroitelne tradicii, Sofija 1971; R. MOREVA, Srednovekovijat grad Stenimachos, in: Srednevekovijat bălgarski grad, Sofija 1980, 337.