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Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig
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Aggersborg    PDF

Skandinavien

Nordjütland, Dänemark. Siedlung (um 750 - 980), königlicher Ringwall vom Typ Trelleborg (um 980 - 1000), königliche Höfe oder Burgen (bis 1579), mittelalterliche Kirche (Abb. Aggersborg 1). Aggersborg liegt am Nordufer des Limfjordes ungefähr in der Mitte zwischen seiner östlichen und westlichen Mündung. Hier gab es eine Übergangsstelle und in der Wikingerzeit vermutlich eine Wasserverbindung nach Norden zum Meer. Am Südufer des Fjordes, Aggersborg gegenüber, liegt Ørbæk, wahrscheinlich eine bedeutende Münzprägestätte der 1. Hälfte des 11. Jahrhundert Aggersborg wird erstmalig um 1120 von Ælnoth als Acresburh, id est: urbs agri in der Vita Canuti regis XIX und XXI in Verbindung mit dem Aufruhr gegen König →Knud (II.) den Heiligen 1086 erwähnt; zu diesem Zeitpunkt war der Ringwall aber längst zerstört. Auch in den nachfolgenden Jahrhunderten erscheint Aggersborg in den Quellen wiederholt als königlicher Besitz.Ein Teil der Siedlung und etwa die Hälfte der Burg wurden im Auftrag des Nationalmuseums Kopenhagen 1945 - 1952 von C. G. Schultz und 1970 von O. Olsen untersucht, die Kirche 1976 von H. Græbe und E. Roesdahl. Die Siedlung ist die erste ihrer Art, die in Dänemark ausgegraben wurde. Unter schwierigen Beobachtungsverhältnissen sind neben vielen Grubenhäusern (→Bauwesen/Bautechnik ) 8 Häuser mit gekrümmten Längswänden (Länge 13 - 41 m) festgestellt worden. Im längsten, das aus Stall- und Wohnteil bestand, kam ein Goldarmring zutage. Insgesamt sind die Funde vergleichsweise zahlreich. Darunter befinden sich viele Importgegenstände und einige Münzen, die die Siedlung datieren und auf ihren Charakter als Handelsplatz hinweisen. Das Ende der Siedlung fällt mit der Errichtung des Ringwalles an gleicher Stelle zusammen. Dessen Datierung ergibt sich aus dem Vergleich mit Trelleborg und Fyrkat, deren Bauzeit dendrochronologisch auf ca. 980 festgelegt wurde, und mit dem durch Münzen und Schmuck gleichdatierten Ringwall Nonnebakken. Aus der Aggersborg selbst stammen nur wenige Funde. Wie die übrigen Ringwälle war Aggersborg nur kurze Zeit in Funktion. Der Ringwall von Aggersborg ist die größte wikingerzeitliche Burg (→Befestigung ) in Nordeuropa (Abb. Aggersborg 2). Der Wall bestand aus Erde, Soden und Holz. Er war 11 m, die Berme 8 m und der Graben 4 m breit. Im Innenraum der Burg (Durchmesser 240 m) standen, wie die Pfostenlöcher zeigen, in regelmäßiger Anordnung (in jedem Burgviertel 3 x 4, insges. 48) Häuser mit schiffsförmigem Grundriß von 32 m Länge. Häuser und Wall entsprechen in ihrer Konstruktion den Befunden von Fyrkat; zur Trelleborg auf Seeland bestehen kleine Konstruktionsunterschiede. Wie die übrigen Ringwälle vom Trelleborg-Typ wurde Aggersborg vermutlich vom König errichtet, wahrscheinlich von →Harald Blauzahn († ca. 986). Ihre Zweckbestimmung wird noch immer diskutiert. Als Ausgangslager für England-Fahrten unter König →Sven Gabelbart († 1014) und →Knud I. , dem Großen, († 1035) kommen sie aus zeitlichen Gründen nicht mehr in Frage. Gedacht wurde auch an regionale königliche Machtzentren, an Zwingburgen gegen eine unruhige Bevölkerung. Die große Aggersborg muß jedoch weitere Funktionen besessen haben; u.a. diente sie vermutlich der Kontrolle des Limfjordes als eines wichtigen Wasserweges. Wikingerzeitliche Gräberfelder (→Bestattung/Bestattungssitten) sind nicht bekannt. Die ältesten datierten Gräber unter der Kirche nördlich der Burg stammen aus dem 11. Jahrhundert (C14). Sie gehörten zu einem abgegrenzten christlichen Friedhof, über dem sich die Steinfundamente einer nicht aufgeführten Kirche fanden. Der Chor der heutigen, aus Granitquadern bestehenden Kirche wurde um die Mitte des 12. Jahrhundert erbaut. Zu ihm gehörte ein Kirchenschiff in Holzkonstruktion, das spätestens in der 1. Hälfte des 13. Jahrhundert durch den jetzigen Bau ersetzt wurde. Die mittelalterlichen königlichen Höfe oder Burgen wurden archäologisch bisher nicht nachgewiesen, lagen aber wohl südlich des Ringwalles unter oder nahe dem jetzigen Aggersborggard aus dem 18. Jahrhundert.



Abb. Aggersborg. 2) Rekonstruktion des Ringwalles (nach E. ROESDAHL, 1981).




Abb. Aggersborg. 1) A. von Westen. a - Wikingerburg, b - Kirche, c - Aggersborggard (Foto H. STIESDAL).




Autor(en)Author(s)
ELSE ROESDAHL

Erstellungsdatum
Creation Date
1995-01-01

Literatur und Quellen
References
Qu.: Vitae sanctorum Danorum, ed. M. C. GERTZ, København 1908 - 1912, 105, 107 f. Lit.: C. G. SCHULTZ, A., vikingelejren ved Limfjorden, in: Fra Nationalmuseets Arbejdsmark 1949, 91 - 108; H. GRÆBE, E. ROESDAHL, Kirken ved A., in: Nationalmuseets Arbejdsmark 1977, 14 - 26; O. OLSEN, H. SCHMIDT, Fyrkat - en jysk vikingeborg, I: Borgen og bebyggelsen, København 1977; E. ROESDAHL, A., The Viking settlement and fortress, in: Chateau Gaillard VIII, Caen 1977, 269 - 278; DIES., A. in the Viking Age, in: Proceedings of the Eighth Viking Congress, hg. H. Bekker-Nielsen u.a., Odense 1981, 107 - 122; H. SCHMIDT, Trelleborghuset og Fyrkathuset, in: Nationalmuseets Arbejdsmark 1981, 132 - 143; N. P. STILLING, Trelleborghypoteser, in: Scandia 47, 1981, H. 1, 29 - 65; E. ROESDAHL, Viking Age Denmark, London 1982, 147 - 155; DIES., Aggersborgproblemer, in: Beretning fra 3. tværfaglige vikingesymposium, hg. G. Fellows-Jensen u.a., Århus 1984, 59 - 74; A. gennem 1000 år, hg. F. NØRGAARD, u.a., Herning 1986; E. ROESDAHL, The Danish geometrical Viking Fortresses and their Context, in: Anglo-Norman Studies 9, 1987, 208 - 226.