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Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig
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Albanien

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Suedosteuropa inklusive Ungarn

Das Gebiet des heutigen Albanien bildete im Mittelalter nie eine politische Einheit. Im geographischen Sinn meint der Begriff ein Viereck, dessen Endpunkte →Bar (Antivari), Prizren, →Ohrid und →Valona (Vlora) waren (E. v. Šufflay). Im 2. - 1. Jahrhundert v.Chr. wurde Albanien von den Römern erobert und zunächst den Provinzen Dalmatia, Macedonia und Epiros zugeordnet. Nach der Verwaltungsreform Kaiser Diokletians (284 - 305) gehörte Albanien zu den neugebildeten Provinzen Praevalis, Epiros Nova und Epiros Vetus. Hauptstadt der Provinz Praevalis, die im Süden bis → Alessio (Lezha) reichte, war →Skutari (Shkodra). Mittel-Albanien bis zum Raum Ohrid gehörte zu Epiros Nova, dessen Hauptstadt →Dyrrachium (Durrës) war. Das Land südlich von Vjosa gehörte zu Epiros Vetus, dessen Zentrum →Nikopolis am Golf von Arta war. Bei der Reichsteilung 395 kam Albanien zur östlichen Reichshälfte. Im 1. - 4. Jahrhundert war Albanien einem Prozeß der Romanisierung (Norden) bzw. der Hellenisierung (Süden) ausgesetzt, der sich im Binnenland wohl nicht so stark bemerkbar machte. Parallel dazu verlief ein Prozeß der Christianisierung, der von den Küstenstädten (Dyrrachium soll bereits im Jahr 58 Bistum geworden sein) ausging. Im 6. - 7. Jahrhundert wurde auch das Gebiet Albaniens von der slavischen Landnahme betroffen; nur Teile des Küstenlandes konnten durch die Byzantiner behauptet werden, die in der 1. Hälfte des 9. Jahrhundert ihre Restbesitzungen in Albanien zum Thema Dyrrachium zusammenfaßten. Damals war aber bereits das gesamte albanische Binnenland der bulgarischen Expansion zum Opfer gefallen: Khan →Presjan (836 - 852) hatte Ohrid und →Devol erobert, →Boris-Michael (852 - 889) gewann →Berat und das Küstengebiet zwischen Vjosa und Semeni, und Zar →Symeon (893 - 927) beherrschte fast ganz Mittel- und Süd-Albanien; 893 soll er 30 Burgen im Thema Dyrrachium erobert haben, konnte die Stadt selber aber nicht einnehmen. Von dem christlich gewordenen Bulgarenstaat ging dann auch der Versuch aus, das seit dem Slaveneinfall wieder heidnische albanische Binnenland neu zu christianisieren: Nach 886 wurde das von den Bulgaren Kutmičeva genannte Gebiet der Mission des heiligen Kliment (→Clemens von Ohrid ) unterstellt, der in Devol auch eine Schule unterhielt, an der nach seiner Vita 3500 Schüler in altslavischer Sprache unterrichtet wurden. Zar →Samuil , der Ohrid zur Hauptstadt seines Reiches machte, hatte vorübergehend (989 - 997) sogar Dyrrachium in seinem Besitz. Nach seinem Tode (1014) zerfiel das sog. Westbulgarische oder Makedonische Reich allerdings rasch wieder. Samuils Nachfolger Gabriel Radomir wurde von seinem Vetter Ivan Vladislav ermordet, der selbst 1018 bei dem Versuch fiel, Dyrrachium zurückzuerobern. Im gleichen Jahr fanden in der Nähe von Berat die letzten Kämpfe zwischen bulgarischen und byzantinischen Truppen statt, danach wurde Albanien wieder byzantinisch. Ein halbes Jahrhundert nach der byzantinischen Rückeroberung werden dann die → Albaner das erste Mal in den Quellen erwähnt. Sie bewohnten ein → Arbanon genanntes Gebiet im Hinterland von Dyrrachium und halfen 1081 den Byzantinern bei der Verteidigung des von den →Normannen belagerten Dyrrachium. Im Gefolge des 4. Kreuzzuges (1202 - 1204) gewann Arbanon seine politische Selbständigkeit, verlor sie aber bereits 1216 wieder, als es dem Despotat von Epiros angegliedert wurde. Um die Mitte des 13. Jahrhundert wurde Albanien nicht nur Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen Epiros, Nikäa und dem wiedererstandenen bulgarischen Staat der Aseniden, auch eine westliche Macht versuchte dort erneut Fuß zu fassen: Der Staufer Manfred, König von Sizilien, nahm die antibyzantinische Politik der Normannenherrscher wieder auf. Er verbündete sich 1258 mit dem Despoten Michael II. Dukas Komnenos von Epiros, heiratete dessen Tochter Helena und besetzte Korfu, Dyrrachium, Valona und →Buthroton (Butrinti), die als Helenas Mitgift deklariert wurden. Die Stauferherrschaft in Albanien war indes von kurzer Dauer, denn das gegen Nikäa gerichtete Bündnis Epiros-Sizilien war nicht sehr erfolgreich. Außerdem erwuchs Manfred im eigenen Königreich Sizilien ein Konkurrent, dem er nicht gewachsen war - →Karl von Anjou, der 1263 vom Papst mit dem Königreich Neapel-Sizilien belehnt worden war. Nachdem er 1266 Manfred bei Benevent geschlagen hatte, trat er auch dessen Erbe in Albanien an. 1272 proklamierte Karl das 'Regnum Albaniae' mit dem Zentrum in Dyrrachium, das bis 1368 in anjouvinischem Besitz bleiben sollte.



Autor(en)Author(s)
PETER BARTL

Erstellungsdatum
Creation Date
1995-01-01

Literatur und Quellen
References
Qu.: Acta et diplomata res Albaniae mediae aetatis illustrantia I - II, hg. L. V. THALLÓCZY, K. JIREČEK, E. V. ŠUFFLAY, Wien 1913 - 1918; Burime të zgjedhura për historinë e Shqipërisë II, Tirana 1962. Lit.: Illyrisch-alban. Forsch. I, hg. L. V. THALLÓCZY, München - Leipzig 1916; Historia e Shqipërisë I, Tiranan 1959; A. DUCELLIER, P. SCHREINER, Der Dux von Dalmatien und die Belagerung Anconas im Jahre 1173, in: Byzantion 41, 1971, 285 - 311 (bes. 302 zur ersten Erwähnung von "Arbania"); La façade maritime de l'Albanie au moyen age. Durazzo et Valona du XIe au XVe siècle, Thessaloniki 1981.