Projektgruppe

Zwischen religiöser Tradition, kommunistischer Prägung und kultureller Umwertung: Transnationalität in den Erinnerungskulturen Ostmitteleuropas seit 1989

Finanzierung: DFG (2006–2008), BMBF (2008–2010)
Leitung: Prof. Dr. Stefan Troebst (GWZO)
Koordination: Dr. Agnieszka Gąsior (GWZO)
Laufzeit: Juni 2006–Dezember 2010
Beteiligte Disziplinen: Geschichte, Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Kulturgeschichte und Ethnologie

Kurzbeschreibung

Die gegenwärtigen Erinnerungskulturen der Gesellschaften Ostmitteleuropas sind durch Faktoren unterschiedlicher Stärke und Dauer geprägt: durch die politischen Veränderungen seit der Wende des Epochenjahres 1989 (bzw. 1991), durch die staatliche Geschichtspolitik der kommunistischen Ära, die das Feld der Erinnerungskultur über Jahrzehnte weitgehend dominierte, und durch die Langzeitwirkung von Prägekräften, die bereits in der vorkommunistischen Zeit wirksam waren, darunter an erster Stelle die Religion(en) bzw. Kirche(n). Das Projekt verfolgt das Ziel, solche prägenden Kurz- und Langzeitfaktoren in den Erinnerungskulturen im Ostmitteleuropa der Gegenwart in einer Kombination von literaturwissenschaftlichen, kunsthistorischen, kulturgeschichtlichen und ethnologischen Herangehensweisen sowie in vergleichender Perspektive zu untersuchen.
Untersuchungsgegenstand sind die religiös konnotierten und kulturell sowie politisch instrumentalisierten Erinnerungsorte Antemurale christianitatis, d. h. die Vorstellung, Vormauer des Christentums zu sein, der Marienkult und die Verehrung der Slawenapostel Kyrill und Method. Da sie in Ostmitteleuropa weit verbreitet sind und immer wieder neu aufgerufen werden, lassen sich an ihnen Kontinuität und Wandel exemplarisch zeigen. Charakteristisch für diese Erinnerungsorte ist, dass sie meist dezidiert national gedeutet werden, zugleich aber – beispielsweise durch kirchliche Strukturen – in transnationale Zusammenhänge eingebunden sind. Es ist danach zu fragen, inwiefern sie eine verbindende Funktion erfüllen bzw. – vor allem seit 1989 – zur Abgrenzung gegenüber dem „Osten“ oder dem "Balkan" eingesetzt werden.
Der erinnerungstheoretische Ansatz und die Frage nach Transnationalität und Transnationalisierungsprozessen bilden die Grundlage der Zusammenarbeit der international und interdisziplinär zusammengesetzten Forschergruppe.

Abgeschlossene Projekte

Dr. Agnieszka Halemba
Religion and Memory in the Carpathian Mountains: Sites and Motion

Dr. Agnieszka Gąsior
Marienkult als ostmitteleuropäischer Erinnerungsort: Kirchliche Kultbildpraxis, staatliche Repräsentation und künstlerische Verarbeitung

Dr. Anne C. Kenneweg
Der Antemurale- Topos als gedächtnisstrukturierende Denkfigur in der kroatischen Literatur: Literarische Inszenierungen und politische Instrumentalisierung im ostmitteleuropäischen Vergleich

Dipl.-Kulturwiss. Rumjana Mitewa-Michalkowa
"Wiege der Weltkultur". Nationale Tradition und internationalistisches Postulat in der Kulturpolitik der Volksrepublik Bulgarien unter Ljudmila Živkova

Dr. Elena Temper
Die Slawenapostel Kyrill und Method in der Erinnerungskultur der postsowjetischen Republik Belarus'

Dr. Vasile Dumbrava
Antemurale – Orte und Vorstellungen in Rumänien im Roman und im Film

kooperierende Mitarbeiterin

Dr. Jenny M. Alwart
Der ukrainische Dichter Taras Ševčenko als lieu de mémoire von 1960 bis heute

Aktivitäten der Projektgruppe

  • Ringvorlesung "Die 'Slawische Idee' im langen 20. Jahrhundert" (Leitung: Prof. Dr. Stefan Troebst und Dr. Agnieszka Gasior) Leipzig, WS 2008/2009
  • Workshop des GWZO-Projekts "Erinnerungskulturen" mit der Projektgruppe "Topographie pluraler Kulturen Europas in Rücksicht auf die 'Verschiebung Europas nach Osten'" am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin (Vorbereitung: Agnieszka Gąsior und Daniel Weidner) Berlin, 26. Juni 2008.
  • Internationale Tagung: "'Maria in der Krise' – Gesellschaftspolitische Instrumentalisierung einer religiösen Symbolfigur zur Zeit der Konfessionalisierung und im postkommunistischen Transformationsprozess in Ostmitteleuropa", in Zusammenarbeit mit dem GWZO-Projekt "Konfessionalisierung" (Leitung: Dr. Agnieszka Gąsior und PD Dr. Stefan Samerski) München 25.–27. Juli 2007.
  • Workshop: "Maria und Nation. Marienkult in Zeiten von Krieg und nationaler Mobilisierung" (Leitung: Dr. Agnieszka Gąsior) GWZO 4. April 2007,
  • Internationale Tagung: "Zwischen religiöser Tradition, kommunistischer Prägung und kultureller Umwertung: Transnationalität in den Erinnerungskulturen Ostmitteleuropas", in Zusammenarbeit mit dem Sorbischen Institut Bautzen (Leitung: Dr. Agnieszka Gąsior und Anne C. Kennweg) Bautzen, 28. Juni–1. Juli 2007.

Publikationen der Projektgruppe

Monographien / Sammelbände

  • Anne Cornelia Kenneweg, Stefan Troebst (Hg.): Marienkult, Cyrillo-Methodiana und Antemurale. Religiöse Erinnerungsorte in Ostmitteleuropa vor und nach 1989. Marburg 2009 (Themenheft der Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 59 (2008) 3).
  • Agnieszka Gąsior, Stefan Samerski (Hg.): „Maria in der Krise“. Gesellschaftspolitische Instrumentalisierung einer religiösen Symbolfigur zur Zeit der Konfessionalisierung und im postkommunistischen Transformationsprozess in Ostmitteleuropa. Köln – Weimar – Wien 2010 (im Druck)

Aufsätze

  • Alwart, Jenny: Taras Ševčenko als lieu de mémoire bei Ivan Dzjuba, in: Zeitschrift für Slawistik (im Erscheinen).
  • Rezension zu: KASIANOV, Georgiy / THER, Philipp (eds.): A Laboratory of Transnational History. Ukraine and Recent Ukrainian Historiography, Budapest, New York 2009 (im Erscheinen).
  • Tagungsbericht: ALWART, Jenny / BAUMGARTL, Susan, „‚Gerontokraten‘, ‚Helden‘, ‚Betonköpfe‘? Die kommunistischen Parteiführungen Mittel- und Osteuropas 1989“, Tagung in Leipzig 5.–6.2.2009, in: Deutschland Archiv 3/2009, S. 525–528.
  • Agnieszka Gąsior: Die Gottesmutter. Marias Stellung in der religiösen und politischen Kultur Polens. In: Die Renaissance der Nationalpatrone. Erinnerungskulturen in Ostmitteleuropa im 20./21. Jahrhundert. Hg. von Stefan Samerski in Zusammenarbeit mit Krista Zach. Köln Weimar Wien 2007, 77–98.
  • Agnieszka Gąsior: Das Marienheiligtum Licheń und sein Rückgriff auf die Ikone von Tschenstochau: Nationale Selbstvergewisserung im Polen der Nachwendezeit. In: Marienkult, Cyrillo-Methodiana und Antemurale. Religiöse Erinnerungsorte in Ostmitteleuropa vor und nach 1989. Hg. v. Anne Cornelia Kenneweg und Stefan Troebst. Marburg 2009 (= Themenheft der Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 59 (2008) 3), 6–46.
  • Agnieszka Gąsior: Die Politisierung des Marienkultes in Polen vor und nach 1989. In: „Maria in der Krise“. Gesellschaftspolitische Instrumentalisierung einer religiösen Symbolfigur zur Zeit der Konfessionalisierung und im postkommunistischen Transformationsprozess in Ostmitteleuropa. Hg. v. Agnieszka Gąsior und Stefan Samerski. Köln – Weimar – Wien 2010 (im Druck)
  • Agnieszka Halemba: From Džublyk to Medjugorje: Virgin Mary as a transnational actor. Transnationalism and the nation state. In: Marienkult, Cyrillo-Methodiana und Antemurale. Religiöse Erinnerungsorte in Ostmitteleuropa vor und nach 1989. Hg. v. Anne Cornelia Kenneweg und Stefan Troebst. Marburg 2009 (= Themenheft der Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 59 (2008) 3), 43–59
  • Halemba, Agnieszka: Virgin Mary and the border: identity politics of the Greek Catholic Church at the Ukrainian/Slovak borderland. In: Sociology. Slovak Sociological Review. 40 (2008), 548–565.
  • Halemba, Agnieszka: Greek Catholics of Zemplin: Dilemmas of contemporary pastoral care. In: Churches In-between: Greek Catholic Churches in Postsocialist Europe. Hg. v. Stephanie Mahieu und Vlad Naumescu. Halle 2008, 299–318.
  • Halemba Agnieszka: Church - state relations and apparitions of Virgin Mary – a view from the Ukrainian-Slovak borderland. In: Etnologia Polona (2009) (in press)
  • Halemba, Agnieszka: Virgin Mary, Ukraine and the underground Greek Catholic Church In: “Maria in der Krise”. Gesellschaftspolitische Instrumentalisierung einer religiösen Symbolfigur zur Zeit der Konfessionalisierung und im postkommunistischen Transformationsprozess in Ostmitteleuropa Hg. v. Agnieszka Gąsior und Stefan Samerski. Köln – Weimar – Wien 2010 (in press)
  • Halemba, Agnieszka: National, transnational or cosmopolitan heroine? Virgin Mary’s apparitions in contemporary Europe. submittted to Ethnic and Ratial studies (to be published in 2011).
  • Anne Cornelia Kenneweg: Modi der Verwendung des antemurale christianitatis-Topos in Kroatien seit 1990. In: Marienkult, Cyrillo-Methodiana und Antemurale. Religiöse Erinnerungsorte in Ostmitteleuropa vor und nach 1989. Hg. v. Anne Cornelia Kenneweg und Stefan Troebst. Marburg 2009 (= Themenheft der Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 59 (2008) 3), 60–75
  • Rumjana Mitewa-Michalkowa: Zwischen Religion und Ideologie. Kyrill und Method als Erinnerungsort in Bulgarien vor und nach 1989. In: Marienkult, Cyrillo-Methodiana und Antemurale. Religiöse Erinnerungsorte in Ostmitteleuropa vor und nach 1989. Hg. v. Anne Cornelia Kenneweg und Stefan Troebst. Marburg 2009 (= Themenheft der Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 59 (2008) 3), 73–95.
  • Rumjana Mitewa-Michalkowa: Ästhetische Erziehung auf dem Weg Bulgariens nach Europa. Die Kulturpolitik Ljudmila Živkovas in den 1970er Jahren. In: Themenportal Europäische Geschichte (2009), URL: http://www.europa.clio- online.de/2009/Article=342
  • Rumjana Mitewa-Michalkowa: Bulgarskijat proekt za modernizacija na obstestvoto. Transnationalni aspekti na kulturnata politika pri Ludmila Živkova”[Das bulgarische Projekt zur gesellschaftlichen Modernisierung. Transnationale Aspekte der Kulturpolitik unter Ludmila Živkova]. In: Universitetski četenija i izsledvanija po bălgarska istorija. IV Meždunaroden seminar, hrsg von Iskra Baeva und Plamen Mitev, Sofija 2008, 607–612.
  • Rumjana Mitewa-Michalkowa: Sprachenpolitik in Bulgarien – Transformation und Perspektiven in einer multikulturellen Gesellschaft. In: Aĩda Kruse, Iris Mortag, Dieter Schulz (Hg.) „Sprachen und Schulpolitik in multikulturellen Gesellschaften“, Leipziger Universitätsverlag, 2007, 180–188.

Gastwissenschaftler

2006

  • ,Raim Beluli M.A. (Universität Leipzig, Promotionsstudiengang)

2007

  • Jenny Marietta Alwart M.A. (Universität Leipzig, Promotionsstudiengang)
  • Michaela Schäuble M.A. (Universität Tübingen / SSEES - Schloof of Slavonic and East European Studies)
  • Dr. Monique Scheer (Universität Tübingen, SFB 497: Kriegserfahrungen - Krieg und Gesellschaft in der Neuzeit)
  • Prof. Dr. Sorin Antohi (Rumänien)
  • Prof. Dr. Georg Kasianov (Institut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der Ukraine/Kyiv)
  • Michaela Schäuble M.A.(London)
  • Dr. Ewa Agnieszka Klekot (Universytet Warszawski)
  • Dr. Yvonne Kleinmann (Berlin)
  • Steffi Schönrock (Universität Leipzig)

2008

  • Dr. Péter Prohászka (Eötvös Lóránd Tudományegyetem Budapest)
  • Dr. Oleksandr Grytsenko (Ukrainian Center for Cultural Studies Kyiv)
  • Dr. Małgorzata Ruchniewicz
  • Dr. habil. Krzysztof Ruchniewicz (Willy-Brandt-Zentrum Warschau)
  • Ass.-Prof. Daniela Koleva (Sofia University St. Kliment Ohridski Faculty of Philosophy Sofia/Bulgaria)
  • Dr. Dmytro Myeshkov (Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östl. Europa)
  • Prof. Dr. Bogdan Murgescu (Universtiät von Bukarest Fakultät für Geschichte)
  • Steffi Töpfer M.A. (Leipzig)
  • PD Dr. Dittmar Schorkowitz (Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Historisches Institut)
  • Dr. Ewa Agnieszka Klekot (Instytut Etnologii i Atropologii Kulturowej Warszawa)
  • Dr. Grigor Grigorov (Institut za kulturologija, Jugozapaden universitet "Neofit Rilski", Blagoevgrad, Bulgarija)
  • Dr. Juraj Buzalka (Comenius Universität, Bratislava)
  • Kornelia Kończal M.A. (Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften)
  • Martina Baleva (Berlin/Sofia)
  • Andrj Svitlynets (Departament of Conetmporay History, National University Užhorod/Ukraine)
  • Bálint Kovács M.A. (Peter Pozmany Universität, Historisches Seminar, Piliscsaba, Ungarn)
  • Dr. Gerhard Gnauck (Warszawa/Polen)

2009

  • Dr. habil. Galina Valtchinova (Bulgarian Academy of Sciences, Sofia/Bulgarien)
  • PhD Sarka Dankova (Prag/Tschechische Republik)
  • Frank Förster M.A. (Universität Leipzig)
  • Christian Methfessel M.A. (Berlin)
  • Dr. Dmytro Myeshkov (Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)

Kooperationspartner

  • Carpathian Foundation (Košice, Slowakei)
  • The Romanian Institute for Recent History (Bukarest, Rumänien)
  • Instytut Etnologii i Antropologii Kultury Uniwersytetu Warszwawskiego (Institut für Ethnologie und Kulturanthropologie der Universität Warschau, Polen)
  • Południowo-Wschodni Instytut Naukowy (Wissenschaftliches Süd-Ost-Institut, Przemyśl, Polen)
  • Katedra za sociologija na Pravno-istoričeski fakultet na Jugozapadnija Universitet "Neofit Rilski" (Lehrstuhl für Soziologie der Juristisch-historischen Fakultät der Südwest-Universität "Neofit Rilski", Blagoevgrad, Bulgarien)
  • Ukrainian Center for Cultural Studies / Ukraïns'kyj centr kul'turnych doslidžen' (Kyiv/Ukraine)
  • Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung (Halle/S.)