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  Ute Tartz


Clara Zetkin

 

 


Zetkin
 
Clara Zetkin 1920  

Clara Zetkin war eine der bedeutendsten Vertreterinnen der proletarischen Frauen- und der Arbeiterbewegung, Sozialistin, Pazifistin, Kämpferin für das Frauenwahlrecht und Begründerin des Internationalen Frauentages.
Sie kämpfte für die ökonomische Unabhängigkeit der Arbeiterinnen, für das Recht auf gleichen Lohn bei gleicher Arbeit, für gewerkschaftliche Organisierung und gleiche politische Rechte. Von der bürgerlichen Frauenbewegung grenzte sie sich konsequent ab. Ihrer Ansicht nach ging es den bürgerlichen Frauen nur um das Recht auf akademische Bildung und auf Arbeit für höhere Töchter, während es ihr um die weltweite Emanzipation der Arbeiterinnen ging, die in allen Ländern auf der untersten Stufe der Gesellschaft standen und von allen Ausgebeuteten die am meisten Unterdrückten waren.

Beurteilt wurde und wird sie auch heute noch kontrovers. In der bürgerlichen Öffentlichkeit war sie als „Rote Emanze“ verschrien. Für Kaiser Wilhelm war sie wegen ihrer antimilitaristischen Haltung z. B. die "gefährlichste Hexe des deutschen Reiches". Von ihrer Rede "Wir erheben uns gegen den imperialistischen Krieg" beim Internationalen Sozialistenkongress in Basel 1912 tief beeindruckt beschrieb der Dichter Louis Aragon sie dagegen so: "Sie spricht wie eine Frau, der außerordentliche Umstände die Kenntnisse und Fähigkeiten eines Mannes gegeben haben, wie eine geniale Frau ... Sie ist einfach die in hohem Grad vollendete Erscheinung der neuen Frau ... die Frau, die dem Mann gleich ist". 1

Clara Zetkin wurde als Clara Eißner am 5. Juli 1857 im Dorf Wiederau in Sachsen ca. 10 km westlich von Mittweida geboren. Aufgewachsen ist sie in kleinbürgerlichen Verhältnissen, ihr Vater war Lehrer und Kantor. Bis zu ihrem 15. Lebensjahr lebte Clara in Wiederau. 1872 zog die Familie Eißner nach Leipzig.
Claras Mutter Josephine Eißner hatte sich schon früh in der bürgerlichen Frauenbewegung engagiert. Sie hatte Kontakte zu Louise Otto-Peters und Auguste Schmidt, was Clara ab 1874 den Besuch des von Auguste Schmidt geleiteten Steyberschen Lehrerinnenseminars in der Leipziger Nordstraße ermöglichte. 1878 schloss sie die Ausbildung als Fachlehrerin für moderne Sprachen ab.

 
Ossip Zetkin
  Ossip Zetkin 1881

Zu dieser Zeit war Leipzig eines der wichtigsten Zentren der Frauen- und der Arbeiterbewegung. Im Arbeiterbildungsverein hörte Clara u.a. Vorträge von August Bebel und Wilhelm Liebknecht. Sie fand Anschluss an einen Kreis russischer Studenten, in dem über sozialistische Ideen gelesen und diskutiert wurde. Dort lernte sie ihren späteren Lebensgefährten kennen, den Sozialdemokraten Ossip Zetkin.

Somit waren Leipzig und später Stuttgart Stationen ihres Lebens, die sie prägten und für ihr gesamtes politisches Wirken von Bedeutung waren.

Clara Zetkins politisches Leben:

1878 trat sie der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) bei, die 1890 als Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) neu konstituiert wurde. Im gleichen Jahr am 21. Oktober wurde das Bismarcksche Sozialistengesetz vom Reichstag angenommen und in Kraft gesetzt. Verboten waren nun alle sozialdemokratischen Organisationen, ihre Presse sowie ihre Gewerkschaften.
1878 bis 1882 verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Hauslehrerin in Sachsen und Österreich, da sie als Frau und zudem Sozialdemokratin keine Anstellung an einer sächsischen Schule fand. 1882 ging sie nach Zürich. Dort kam sie in engen Kontakt mit den sozialistischen Emigranten, die im Exil lebten. An der Seite von Julius Motteler beteiligte sie sich an der Herstellung und Verbreitung von illegalen Zeitschriften und Flugblättern, die während der Geltung der Sozialistengesetze nach Deutschland geschmuggelt wurden. Durch Motteler wurde sie auch auf das Buch "Die Frau und der Sozialismus" von August Bebel aufmerksam. Dieses Werk hatte bleibenden Einfluss auf die junge Clara Eißner.
Ossip Zetkin war 1880 während einer geheimen Konferenz der Sozialisten verhaftet und aus Deutschland ausgewiesen worden. 1882 folgte ihm Clara ins Pariser Exil, wo sie als Journalistin arbeitete.
1889 referierte sie auf dem Gründungskongreß der Zweiten Internationale in Paris, den sie mit vorbereitet hatte, über die proletarische Frauenbewegung. Sie forderte die vollständige berufliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Frau sowie ihre aktive Teilnahme am Klassenkampf. Sie erklärte: "Wie der Arbeiter vom Kapitalisten unterjocht wird, so die Frau vom Manne; und sie wird unterjocht bleiben, solange sie nicht wirtschaftlich unabhängig dasteht." Auf ihre Initiative fasste man den Beschluss, die Frauen als gleichberechtigte Mitglieder in die sozialistischen Organisationen aufzunehmen.
1891 wurde das Sozialistengesetz aufgehoben, und Clara Zetkin kehrte nach Deutschland zurück. Sie ließ sich in Stuttgart nieder, wohnte zuerst in der Rotebühlstraße, später in Stuttgart-Sillenbuch. Von Anfang an war sie der Stuttgarter Polizei ein Dorn im Auge, zumal sie Ossip Zetkin nicht geheiratet hatte. Da sie jedoch Deutsche geblieben war, konnte sie nicht ausgewiesen werden. Nach französischem Namensrecht trugen die Söhne den Namen Zetkin ganz legal.
Sie war eine hervorragende Rednerin und sprach auf unzähligen Großveranstaltungen, zu denen sie teilweise inkognito anreisen musste. In Leipzig sprach sie beispielsweise im Pantheon (stand an der Ecke Dresdner Straße/Gerichtsweg) und im Felsenkeller, beide Häuser Versammlungslokale der Arbeiter- und der Frauenbewegung.
Ab 1892 übertrug ihr der Verleger Dietz die Leitung der sozialdemokratischen Frauenzeitschrift "Die Gleichheit - Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen".
1895 rückte sie als erste Frau in die Führungsspitze der Sozialdemokraten auf, von 1895 bis 1913 als erste Frau in der Kontrollkommission der Partei, von 1909-1917 im Parteivorstand.
1907 wurde sie auf der ersten Internationalen Konferenz sozialistischer Frauen in Stuttgart zur Vorsitzenden des Internationalen Frauensekretariats gewählt. Sie übte diese Funktion bis 1917 aus und wurde eine der führenden Repräsentantinnen der linken Strömung in der deutschen Arbeiterbewegung und eine der bekanntesten Frauenpolitikerinnen in Europa. Auf der zweiten Internationalen Konferenz sozialistischer Frauen in Kopenhagen 1910 schlug sie gemeinsam mit Käte Duncker die Einrichtung eines Internationalen Frauentags vor, der 1911 erstmalig begangen wurde.
1914/15 lehnte sie als Vertreterin der linken Strömung innerhalb der SDP die Politik des Burgfriedens ab. In einem im wesentlichen von ihr verfassten Manifest wurden die Arbeiterinnen aller Länder zu Sabotageakten für den Frieden aufgerufen. Deshalb wurde sie 1915 wegen versuchten Landesverrats verhaftet und 4 Monate inhaftiert.
Dass die Sozialdemokraten 1914 im Reichstag die Kriegskredite bewilligten, erregte sie dermaßen, dass sie nun gegen ihre eigenen Genossen kämpfte und 1916 mit Rosa Luxemburg an der Gründung des Spartakusbundes und 1917 der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) beteiligt war. Die Herausgabe der "Gleichheit" wurde ihr daraufhin entzogen. Stattdessen gestaltet sie nun die Frauenbeilage der Leipziger Volkszeitung mit.
1919 schloss sie sich der Kommunistischen Partei Deutschlands an. Von 1920 bis 1933 war sie für die KPD Mitglied des Reichstages.
1920 schloss sie auf ihrer ersten Reise in die Sowjetunion Freundschaft mit Lenin und seiner Frau Nadeschda Krupskaja. Danach lebte sie abwechselnd in Deutschland und in der Sowjetunion, wo sie als Leiterin der "Internationalen Gesellschaft zur Unterstützung von Revolutionären" tätig war, sich aber auch wegen ihrer schwachen Gesundheit in verschiedenen Sanatorien behandeln ließ.
1921 bis 1925 leitete sie die Zeitschrift "Die Kommunistische Fraueninternationale". 1921 bis 1933 war sie Mitglied desExekutivkomitee der Kommunistischen Internationale (Komintern).
Ab 1924 lebte sie in Moskau, wo sie das Frauensekretariat der "Dritten Internationale" leitete. Als Gegnerin Stalins geriet sie hier in politische Isolierung. Ebenso lehnte sie die Politik des Thälmannschen Zentralkomitees in Deutschland ab, die sich jeder Einheitsfront mit den Sozialdemokraten gegen die Nationalsozialisten widersetzte. Von 1925 bis 1933 war sie Präsidentin der Internationalen Roten Hilfe. Seit Juni 1921 war sie schon Mitglied des Zentralkomitees der kommunistischen Wohlfahrtsorganisation Rote Hilfe Deutschlands gewesen.
Beim "Internationalen Antikriegskongress" am 27. und 28. August 1932 wurde Clara Zetkin zusammen mit Heinrich Mann, Käthe Kollwitz, Maxim Gorki und Albert Einstein in das "Weltkomitee gegen den imperialistischen Krieg" gewählt.
Am 30. August 1932 eröffnete sie 75-jährig als Alterspräsidentin den neugewählten Reichstag in Berlin. Sie war schon fast blind und sehr geschwächt. In ihrer Rede plädierte sie erfolglos für eine Einheitsfront gegen den drohenden Faschismus und warnte vor dem kommenden Krieg. Von Joseph Goebbels wurde sie dafür mit Beschimpfungen überschüttet. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 und dem Ausschluss der KPD aus dem Reichstag flüchtete Clara Zetkin in die UdSSR, wo sie 1933 auch starb.

Clara Zetkin war aber nicht nur als politischer Mensch interessant, auch ihr Leben war aufregend:

Sie kämpfte nicht nur für die Emanzipation der Frauen, für die Industriearbeit der Frauen als Chance der finanziellen Unabhängigkeit und für soziale Gerechtigkeit, die nach ihrer Meinung nur in einer sozialistisch organisierten Gesellschaft verwirklicht werden kann. Damals war das ein revolutionärer Gedanke, nicht nur für die Kinder-Küche-Kirche-Ideologen, sondern auch für viele SPD-Genossen. Sie trat auch für eine Verbesserung der Rolle der Frau in der Familie ein. Die Ehe sollte eine Vereinigung gleichberechtigter Partner sein, wo beide sowohl für den Haushalt als auch für die Erziehung der Kinder verantwortlich seien. Insbesondere forderte sie gleiche Bildungschancen für Mädchen und Jungen. Die Kinder sollten nicht in den Vorurteilen erzogen werden, dass es Arbeiten gibt, die eines Mannes nicht würdig sind, aber Frauen verrichten müssten.
Sie verteidigte die Liebe ohne Trauschein, Schwangerschaftsabbruch als private Entscheidung und war für Ehescheidungen. 2

Ihre "wilde" Ehe mit Ossip Zetkin war damals eine gesellschaftlich wie rechtlich riskante Lebenspartnerschaft. Sie nahm den Namen Zetkin an, heiratete aber nicht, um ihre deutsche Staatsbürgerschaft nicht zu verlieren. In Paris wurden 1883 und 1885 ihre Söhne Maxim und Konstantin (genannt Kostja) geboren. Während ihres Aufenthalts in Paris lernte sie den Beruf einer Journalistin und Übersetzerin. Damit trug sie zum Lebensunterhalt der Familie bei. Als Ossip schwer erkrankte, pflegte sie ihn aufopferungsvoll bis zu seinem Tode 1889. Wegen der schwierigen materiellen Verhältnisse, in denen die Familie wohnen musste, erkrankte auch sie an Tuberkulose. Sie hatte seit dieser Zeit zeitlebens mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.
Nach dem Tod von Ossip Zetkin 1889 musste sich Clara um den Lebensunterhalt für die Familie und die Ausbildung ihrer Söhne allein kümmern.
Maxim studierte von 1902 bis 1908 Medizin in München, arbeitete ab 1920 als Chirurg in Moskau. 1936/37 nahm er als Arzt am spanischen Bürgerkrieg teil, kehrte dann in die Sowjetunion zurück und kam nach Kriegsende nach Berlin, wo er Professor an der Humboldt-Universität, Ärztlicher Direktor der Charité und Mitarbeiter im Ministerium für Gesundheit der DDR war.
Kostja studierte in Berlin Medizin, wo er während des Studiums Untermieter bei Rosa Luxemburg war, mit der er jahrelang eine Liebesbeziehung hatte. Da er 1915 den Kriegsdienst antreten musste, konnte er sein Studium erst 1923 beenden. Er arbeitete in Frankfurt/Main, floh dann vor den Nazis in die Sowjetunion, über Umwege in Frankreich und den Vereinigten Staaten ging er in den 1950er Jahren als Arzt nach Kanada.

1899 heiratete Clara Zetkin den 18 Jahre jüngeren Georg Friedrich Zundel, Meisterschüler an der Kunstschule in Stuttgart. Die Ehe war nach bürgerlichen Moralvorstellungen unmöglich: erstens weil die Frau schon 42, der Mann erst 24 Jahre alt waren, zweitens die Frau zwei Söhne im Alter von 16 und 14 Jahren mit in die Ehe brachte. Sogar August Bebel meldete ernsthafte Bedenken an, weil sie eine bekannte Politikerin sei und in der Öffentlichkeit stehe.
Sie ließ sich aber nicht beirren, behielt außerdem weiterhin den Namen Zetkin.
Für den bayrischen Dichter Ludwig Thoma war sie ein "russisches Mannsweib". Er schrieb 1920 das folgende Gedicht über sie:

    Die Zundel
    Frau Klara Zetkin, USP,
    Geschah ein unerwartet Weh.
    Ein Raunen geht von Neuß bis Nakel;
    An ihrem Namen hängt ein Makel.
    Sie war Herrn Zetkins holde Braut
    Und sang mit Strauß: "Wer uns getraut...?"
    Doch diese Ehe, mystisch-düster,
    Vermerkt kein Standesamts-Register.
    Kaum zieht sie in den Reichstag ein,
    Mengt sich der Prüfungsausschuß drein.
    Sogar die Zietzen zieht das Mundel: 3
    "Kiek an; die Zetkin heißt ja Zundel."
    Die kommunistische Partei
    Durchhallt ein schriller Schreckensschrei.
    Wenn alle Schleier man erst lüftet -
    Soll sehen, wie's dann lieblich düftet! 4

Eine ihrer besten Freundinnen war Rosa Luxemburg, mit der sie vor allem vor dem Ersten Weltkrieg politisch eng zusammenarbeitete. 1899 hatten sich die beiden Frauen näher kennengelernt. In ihren Briefen vermischen sich stets Politisches und Familiäres. Wenn Clara in Berlin weilte, wohnte sie bei Rosa Luxemburg. Rosa dagegen war gern gesehener Gast des Ehepaares Zetkin/Zundel in Sillenbuch. Sie schwärmten beide für die Schönheiten der Natur und für Claras Garten in Sillenbuch.

Das Haus in Stuttgart-Sillenbuch hatte das Paar 1903 nach Entwürfen Friedrich Zundels bauen lassen. Leisten konnten sie sich das, weil Zundel als Porträtmaler reiche Kundschaft hatte. Das Haus in der Kirchheimer Straße in Sillenbuch war gastfreundlich und wurde bald zu einem Treffpunkt der sozialistischen Prominenz. 1907 übernachtete sogar Lenin dort. Auch viele Künstler kamen nach Sillenbuch. Obwohl der Lebensstil der Zetkin und ihre politische Arbeit mit Skepsis betrachtet wurden, hatten Zetkin/Zundel ein gutes Verhältnis zu den Dorfbewohnern. Clara half z.B. mit Geldspenden an die Armenkasse, mit Kleiderspenden und Geschenken für die Dorfkinder, Not zu lindern, und ihr Mann stellte in Notfällen sein Auto für Fahrten ins Krankenhaus Stuttgart zur Verfügung. Das Waldheim Sillenbuch konnte nur durch die Unterstützung des Ehepaares eingerichtet werden. Es trägt den Namen "Clara-Zetkin-Haus". 5
1928 wurde die Ehe nach zunehmender Entfremdung der Ehepartner geschieden. Friedrich Zundel hatte sie wegen einer jüngeren Frau verlassen, und Clara lebte seit 1924 in Moskau.

Von 1929 bis 1932 lebte sie in einem Haus in Birkenwerder bei Berlin, das ihr Sohn Konstantin für sie 1929 erworben hatte. Ihrem älteren Sohn Maxim beschrieb sie das Gebäude als "ein Haus mit sonnigen Zimmern und einem größeren, abgeschlossenen Garten", in dem sie spazieren humpeln und eingepackt liegen könne.
Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten lebte sie in Moskau oder in einem Sanatorium in Archangelskoje bei Moskau, betreut von ihrem Sohn Maxim und ihrer Schwiegertochter. Trotz ihrer Seh- und körperlichen Schwäche arbeitete sie weiter an ihren letzten Schriften. Sie hinterließ das Werk "Zur Geschichte der proletarischen Frauenbewegung Deutschlands" als Fragment.

Am 20. Juni 1933 starb Clara Zetkin nach schwerer Krankheit in Archangelskoje. Stalin und Molotow trugen bei ihrer Beisetzung an der Kremlmauer in Moskau ihre Urne, obwohl sie sie 1928 als unzuverlässige, mit sozialdemokratischer Herkunft belastete Genossin kaltgestellt hatten. Sie war von der Komintern- und der KPD-Führung zwar als Ikone hoch geehrt und ausgezeichnet, aber aus der aktuellen Politik herausgehalten worden, weil sie die Politik Stalins und Thälmanns nicht guthieß. An dem Trauerzug beteiligten sich mehr als 600.000 Arbeiterinnen und Arbeiter, Studentinnen und Studenten sowie Soldaten der Roten Armee.

Wie wird heute mit dem Andenken an Clara Zetkin umgegangen?

In der DDR wurde Clara Zetkin hoch verehrt. So zeigte z.B. der 10-Mark-Schein der DDR-Banknoten auf der Vorderseite ein Altersbildnis Clara Zetkins. Ihr Porträt befand sich auch auf Briefmarken der DDR.

Ihr Wohnhaus in Birkenwerder, das ihr Sohn Konstantin für sie 1929 erworben und in dem sie von 1929 bis 1932 gelebt hatte, übertrug die DDR 1949 ihrem aus der Sowjetunion zurückgekehrten Sohn Maxim. Auf dessen Initiative wurde 1957 zum 100. Geburtstag seiner Mutter in dem Haus eine Gedenkstätte eingerichtet.

Zetkindenkmal
 
Zetkin-Bronzestandbild in Leipzig  

Zetkin-Denkmäler gibt es außer in Leipzig auch in Dresden und Neubrandenburg. Viele Straßen und Schulen trugen ihren Namen.

Das Waldheim Sillenbuch wurde oben bereits erwähnt.

Vor dem Wohnhaus ihrer Kindheit in Wiederau, der früheren Dorfschule, steht eine Bronzestatue. Ansonsten erinnert nichts mehr im Dorf an Clara Zetkin, keine Straße, kein Betrieb wie früher z.B. die Clara-Zetkin-Gärtnereigenossenschaft, auch die einstige Clara-Zetkin-Mittelschule gibt es nicht mehr. 1952 war die alte Dorfschule auf dem Kirchhof in "Clara Zetkin" - Gedenkstätte umgewandelt worden. Heute ist es das "Museum der alten Dorfschule".

In Leipzig wurde 1955 durch die Stadtverordneten der Beschluss gefasst, unter dem Namen "Zentraler Kulturpark Clara Zetkin" mehrere historische Parkanlagen zu vereinigen. Außerdem befindet sich im Clara-Zetkin-Park ein lebensgroßes Zetkin-Bronzestandbild von Walter Arnold. Es wurde am 03. 07. 1967 anlässlich des 110. Geburtstages Clara Zetkins enthüllt. 2010 ging eine Petition eines Leipziger Bürgers beim Stadtrat ein, nach der die einzelnen Parkteile wieder ihre ursprünglichen Namen erhalten sollten. Damit wäre der Name Clara Zetkins als offizielle Bezeichnung verschwunden, was eine Protestwelle Leipziger Bürger verhindern konnte. Im April 2011 beschloss der Stadtrat allerdings, dass der Name "Zentraler Kulturpark Clara Zetkin" aufgehoben wird, mehrere Parkteile ihre alten Namen zurück erhalten und nur der Albertpark und das Scheibenholz Clara-Zetkin-Park heißen.

 
  Inschriftstele neben der Bronzeplastik in Leipzig
Die ehemalige Pädagogische Hochschule in Leipzig trug den Namen "Clara Zetkin". Der Bildhauer Walter Arnold schuf eine Clara-Zetkin-Büste, die 1972 in der Karl-Heine-Straße 22b aufgestellt wurde.

In Berlin gab es seit 1951 eine Clara-Zetkin-Straße, die 1995 in Dorotheenstraße zurückbenannt wurde, weil der Regierende Bürgermeister Diepgen der Meinung war, die "Adresse des demokratisch gewählten Parlaments der Bundesrepublik Deutschland" könne nicht Clara-Zetkin-Straße heißen. 6
In Berlin-Marzahn gibt es aber noch eine Wohngebiets-Grünanlage, die seit 1987 Clara-Zetkin-Park heißt.

Die Partei Die Linke ehrt Clara Zetkin auch heute noch, z.B. wurde der Fraktionssaal der Linksfraktion im Bundestag nach ihr benannt, und die Linkspartei verleiht den Clara-Zetkin-Frauenpreis für herausragende Leistungen von Frauen in Gesellschaft und Politik, erstmals 2011 anlässlich des 100. Frauentages.

 

(Dezember 2012)

 

1 http://www.bundesarchiv.de/oeffentlichkeitsarbeit/bilder_dokumente/00987/index-0.html.de
2 http://www.dadalos-d.org/deutsch/Menschenrechte/Grundkurs_MR3/frauenrechte/woher/portraets/clara_zetkin.htm
3 Als Clara Zetkin sich aus der SPD zurückzog, übernahm Luise Zietz ihre Ämter.
4 Quelle: Martha Schad, "Frauen, die die Welt bewegten", Pattloch Verlag 2000
5 Waldheime waren Orte, an denen Kinder aus den unterbemittelten Arbeiterschichten kostengünstig ihre Ferien
   außerhalb der häuslichen Armut verbringen konnten.

6 http://www.zeit.de/1995/22/Nur_nichts_Anstoessiges/komplettansicht

 

 

 

 

Website der Projektgruppe Frauenpersönlichkeiten