Ziel der LeiSA-Studie ist es, zu erforschen wie Leichte Sprache im Arbeitsumfeld die Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Lernschwierigkeiten verbessern kann. Leichte Sprache wird als eine Form barrierefreier Kommunikation verstanden, mit der Texte sprachlich und inhaltlich zugänglich gemacht werden können. Im Projekt wird die derzeitige Teilhabesituation im Arbeitsleben analysiert sowie der Bedarf an Informationen und Kommunikation in Leichter Sprache ermittelt. Außerdem müssen die bisherigen Regeln und Prinzipien umfassend empirisch überprüft und theoretisch fundiert werden.

Ziel des Forschungsprojektes ist die Erstellung eines Qualifizierungsprogramms für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, das u.a. einen linguistisch abgesicherten Leitfaden zur Texterstellung und -überprüfung sowie konkrete didaktische Hinweise zum Einsatz von Leichter Sprache enthält.

Für aussagekräftige Ergebnisse ist es dringend erforderlich, Menschen mit Lernschwierigkeiten in den Forschungsprozess mit einzubeziehen, da sie selbst Experten ihrer Teilhabesituation sind. Der gesamte Forschungsprozess wird daher von einer Fokusgruppe, bestehend aus Forscherinnen und Forschern mit und ohne Behinderungserfahrungen, begleitet und kontrolliert.

Ziel des sozialwissenschaftlichen Teilprojekts ist es, zu untersuchen, inwiefern der gezielte Einsatz von Leichter Sprache die beruflichen Teilhabechancen erweitert: Dabei kann berufliche Teilhabe als ein Zusammenspiel von beruflichen Kompetenzen, beruflicher Zufriedenheit und beruflichen Motivationen verstanden werden. Es wird demnach untersucht, ob der Einsatz von Leichter Sprache am Arbeitsplatz die Ausbildung beruflicher Kompetenzen unterstützen kann, die berufliche Zufriedenheit positiv beeinflusst sowie zu einer stärkeren Motivation beitragen kann. Ein erster Schritt der Untersuchung besteht in der Bedarfs- und Situationsanalyse von Dokumenten in Leichter Sprache im Kontext Arbeit: Welche Dokumente gibt es bereits und welchen Bedarf an Leichter Sprache sehen die Einrichtungen und Organisationen darüber hinaus? Im weiteren Verlauf des Forschungsprozesses werden die berufliche Teilhabewirklichkeit sowie kommunikative Barrieren am Arbeitsplatz aus sozialwissenschaftlicher Perspektive untersucht. Betrachtet werden die Arbeitsplätze von Menschen mit Lernschwierigkeiten in Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM), auf Außenarbeitsplätzen und auf dem ersten Arbeitsmarkt. Anschließend soll überprüft werden, inwiefern durch den Einsatz von Leichter Sprache kommunikative Barrieren am Arbeitsplatz reduziert werden können.
Durch die zweieinhalbjährige Begleitung am Arbeitsplatz kann anschließend festgestellt werden, ob und inwiefern der Einsatz Leichter Sprache die berufliche Teilhabesituation verbessert.

Das linguistische Teilprojekt hat zwei Ziele. Das eine ist die theoretische Klärung und Begründung des Phänomens Leichte Sprache als einer möglichen und berechtigten Varietät des Deutschen sowie der Klärung des Problems, was Verständlichkeit und Zugänglichkeit für jeweilige Leser bedeuten kann.
Das andere ist die Beantwortung der Frage, welche sprachlichen und typografischen Gestaltungsmittel (inklusive des Einsatzes von Bildern) am besten dafür geeignet sind, Texte mit ganz unterschiedlichen Inhalten und Funktionen für Menschen mit Lernschwierigkeiten zugänglich zu gestalten. Der derzeitige Einsatz Leichter Sprache basiert auf Praxiserfahrung und erfolgt vielfach intuitiv. In empirischen Verständlichkeitsuntersuchungen mit Vertretern der Zielgruppe soll die Wirksamkeit gängiger Regeln und Prinzipien überprüft werden. Zentrale Fragen sind: Was leisten Wörter und grammatische Formen für die Verständlichkeit von Texten? Welche Rolle spielen die Merkmale von Textsorten, speziell die von beruflich orientierten? Wie können auch komplexe Inhalte vermittelt werden? Kann beispielsweise eine Bedienungsanleitung tatsächlich mit den gleichen sprachlichen Mitteln zugänglich gemacht werden wie ein Vertragstext?
Zudem sollen Möglichkeiten einer linguistisch fundierten Ausdifferenzierung in Schwierigkeitsstufen geprüft werden.