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Die Fakultäten in den Nachkriegsjahren

Nach Ende des Krieges existierten noch die fünf Fakultäten, die seit 1923 an der Alma mater Lipsiensis gelehrt und geforscht haben:

Zunächst waren die verbliebenen Lehrkörper in den Fakultäten bemüht, aus den Trümmern des Nationalsozialismus die Wiedereröffnung des Lehrbetriebes auf einer antifaschistischen und demokratischen Grundlage vorzubereiten. Die Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern einer Wiederherstellung der herkömmlichen "bürgerlichen" Universitätsordnung und den neuen gesellschaftlichen Kräften mit Unterstützung der sowjetischen Besatzungsmacht führte u.a. zu einschneidenden Veränderungen in der personellen Ausstattung der Fakultäten. Die im Mai 1945 noch vorhandenen Anzahl von 187 Professoren an der Universität waren durch die "Zwangsumsiedlung" von Hochschulpersonal nach Weilburg an der Lahn beim Abzug der Amerikaner sowie durch die auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) durchgeführte Entnazifizierung im Herbst 1945 so stark reduziert worden, dass noch 44 Professoren 1 verblieben. Bei der Auswahl der notwendigen Neuberufungen waren die Gewährleistung einer antifaschistischen und demokratischen Haltung der Personen sowie ihre loyale politische Einstellung zur sowjetischen Besatzungsmacht und zur Einheitspartei SED zwingende Voraussetzungen.

Mit der "Neueröffnung" - bewusst nicht "Wiedereröffnung genannt - der Universität im Februar 1946 war die Handelshochschule Leipzig eingegliedert und dafür eine finanzwirtschaftliche Fakultät eingerichtet worden, die später in Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät umbenannt wurde. Erster Dekan wurde Friedrich Lütge (1901 - 1968), der vormalige Rektor der Handelshochschule. Der Fakultät war keine lange Selbständigkeit beschieden, denn bereits ab WS 1949/50 war sie in die Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät eingegliedert worden.

Im Wintersemester 1946/47 nahm eine Pädagogische Fakultät den Lehrbetrieb an der Leipziger Hochschule auf. Sie war gegründet worden auf Befehl Nr. 205 der SMAD mit dem Ziel, die Ausbildung von Lehrern für die Mittelstufe der allgemein bildenden demokratischen Einheitsschule zu gewährleisten. Erster Dekan wurde Maximilian Lambertz. Theodor Litt war Direktor des Instituts für Theoretische Pädagogik, Adolf Menzel stand dem Institut für Praktische Pädagogik vor. Am 1. Oktober 1946 nahmen 163 Studenten das Studium auf, die nach den damals geltenden Auswahlkriterien überwiegend Mitglieder der SED (71% 2) waren und vorrangig aus den sozialen Schichten der Arbeiter und Bauern (69 Arbeiter, 3 Bauern 2) stammten.

Im Sommersemester 1947 wurde die Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät mit dem Ziel gegründet, in möglichst kurzer Zeit eine neue Intelligenz zur Ablösung der bürgerlichen Vertreter zu schaffen. Nach Eingliederung der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät wurde sie im WS 1951/52 zur Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät umgestaltet.

Aus der 1946 gebildeten Vorstudienanstalt wurde im Wintersemester 1949/50 nach Eingliederung derselben in die Universität die Arbeiter- und Bauernfakultät. In dreijährigen Kursen konnte die Hochschulreife errungen werden. Die Fakultät bestand bis 1962.

Damit waren in den Nachkriegsjahren bis zu neun Fakultäten an der Universität eingerichtet, bis dann nach der Gründung der DDR die 2. Phase der Hochschulreformen weitere Veränderungen hervor brachte.(s. auch Die Hochschulreformen der DDR)

1 Krause, K.: Alma mater Lipsiensis, Geschichte der Universität Leipzig von 1409 bis zur Gegenwart, S. 316
2 ebenda, S.333