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  Ute Tartz


Susanna Eger

 

 

Susanna Eger war Köchin und die Verfasserin des "Leipziger Kochbuchs". Sie ist ein Beispiel dafür, wie sich verwitwete Frauen im 17. Jahrhundert behaupten mussten. Geboren wurde sie 1640 in Leipzig. Ihr Vater, Carl Günther Born, war der Vorsteher der Krämerinnung.

Mit 17 Jahren heiratete sie den Handelsmann Johann Eger aus Lindau am Bodensee, der Leipziger Bürger geworden war. Susanna hatte vier Kinder geboren und war, wie das üblich war, "nur" die Frau des Johann Eger. Die Ehe währte aber nur kurz, denn Johann Eger starb sehr früh, und seine Witwe stand mit ihren Kindern allein da. Sie musste sich nun schnell einen neuen "Ernährer" suchen oder sich selbst um ihren und ihrer Kinder Lebensunterhalt kümmern.

Leipzig war zu dieser Zeit bereits eine modern Messe- und Händlerstadt mit einem wohlhabenden Bürgertum. So entschloss sich Susanna Eger, für Leipziger Bürgerhäuser zu kochen. Sie entwickelte sich zu einer bekannten Berufsköchin.
Das wäre heute vergessen, wenn sie nicht gleichzeitig alle ihre Rezepte aufgeschrieben hätte. Es handelt sich um etwa 900 Rezepte aus der Leipziger Barockküche. Darunter gab es einfache preiswerte Speisen, aber auch aufwendige lukullische Genüsse und originelle Rezepte, z. B. für "Schau - Essen von Krebsen" oder für Hühner mit Pistazien und Spargel, "Schnecken - Suppe" und "Marcipan - Suppe".


 
Leipziger Kochbuch1
 

1706 erschienen ihre Rezepte erstmalig im sogenannten "Leipziger Kochbuch". Damals war der Titel wesentlich umfangreicher, nämlich: "Leipziger Koch-Buch, welches lehret, was man auf seinen täglichen Tisch, bey Gastereyen und Hochzeiten, gutes und delicates auftragen, auch Tische und Tafeln mit Speisen zierlich besetzen könne. Dem beygefüget XXX. Curieuse Tisch-Fragen, mit kurtzer doch gründlicher Antwort, sowohl für Gesunde als Krancke wie auch Tisch- und Speise-Lexicon, in welchem die Victualien, so ein jeder Mensch Jahr aus Jahr ein geniesset, ob und wie weit selbige gesund oder nicht gesund seyn, enthalten. Dann letztens zum Anhange die auf dem Marckt zum Einkauf gehende allzeit fertig-Rechnende Köchin".

Das Besondere ihres Kochbuches war, dass Mengenangaben der Rezepturen sowie Umrechnungstabellen für Münzen und Gewichte enthalten waren.

Die Aussage vieler Webseiten allerdings, dass in ihrem Kochbuch auch eines der ältesten Rezepte zum "Leipziger Allerlei" enthalten sei, ist falsch.

Das "Leipziger Kochbuch" erschien bis 1745 in fünf Auflagen.
Susanna Eger verstarb 1713 mit 73 Jahren. Sie erlebte nur die ersten zwei Auflagen ihres Kochbuchs.
1984 brachte es die Edition Leipzig als Reprint noch einmal auf den Markt. Die letzte Auflage erschien 2005.

Die Stadt Leipzig hat sich spät an Susanna Eger erinnert. 2005 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, das ehemalige "Berufliche Schulzentrum 10 für Ernährung und Hauswirtschaft/Textiltechnik und Bekleidung Leipzig" in Eutritzsch in "Susanna-Eger-Schule" umzubenennen. Mit der Hotelfachschule Leipzig gehört die zweitälteste Hotelfachschule Deutschlands, die seit 1955 besteht, zur Susanna-Eger-Schule. Dort werden auch heute noch ihre Rezepte zubereitet und Köche, Restaurant- und Hotelfachmänner und -frauen ausgebildet.

Seit 1990 veranstaltet der Internationale Kochkunst-Verein zu Leipzig 1884 e. V., der drittälteste aktive deutsche Köcheverein, gemeinsam mit der Susanna-Eger-Schule jährlich einen Wettbewerb für Auszubildende des Kochberufes um den Susanna-Eger-Pokal.

 

(Dezember 2014)

 

1 http://www.susanna-eger-schule.de/UnsereSchule/Susanna Eger.html

 

 

 

 

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