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  Ute Tartz


Clara Hedwig von Eberstein

 

 

Der Name Eberstein ist eng mit dem Dorf und Rittergut Schönefeld bei Leipzig verbunden. 1794 kaufte der Kauf- und Handelsherr Johann Ulrich Schneider das Rittergut Schönefeld. Nach seinem Tod im Mai 1815 war seine Tochter Marianne Wilhelmine Rosine Elisabeth alleinige Erbin. Sie heiratete im Dezember 1815 den Königlich-Großbritannischen Capitän der Armee Freiherrn Franz Botho von Eberstein. 1849 starb Marianne von Eberstein, und ihre Tochter Clara Hedwig von Eberstein wurde nunmehr Besitzerin des Ritterguts Schönefeld. Sie war die letzte Baronesse auf dem Rittergut.

Geboren wurde sie am 02. 11. 1817 in Schönefeld.
Aus ihrer Kindheit ist bekannt, dass sie eine Rückgratverkrümmung hatte und deshalb jahrelang ohne Erfolg auf einem sogenannten Streckbett liegen musste. Mit diesem Leiden hatte sie ihr Leben lang zu kämpfen. Sie blieb auch unverheiratet.

Obwohl sie nicht unvermögend war und ihr Vermögen auch durch Verkäufe von Feldgrundstücken an die Stadt Leipzig (z.B. im Zuge der heutigen Mariannen- und Ludwigstraße) vergrößern konnte, führte sie ein sehr anspruchsloses Leben.
Ihre einzige Leidenschaft war das Reisen. Aus allen Erdteilen brachte sie natur- und völkerkundliche Gegenstände mit, die zunächst im Schloss Schönefeld untergebracht waren. Sie war auch Förderin der Künste und schenkte Leipziger Museen etliche Werke. Völkerkundliche Gegenstände wurden später an die städtischen Museen für Völker- und Länderkunde übergeben, Teile des Biedermeierzimmers aus dem Schloss sind im Besitz des Stadtgeschichtlichen Museums von Leipzig.

Während ihrer Amtszeit appellierte sie an die Schönefelder Bevölkerung, möglichst nur bei hiesigen Geschäftsleuten zu kaufen, um die Existenz der Händler und Gewerbetreibenden zu sichern. Gegenüber kleineren Pächtern zeigte sie sich großzügig, denn sie forderte von ihnen nie Pachterhöhungen.
 
Schloss
  Schloss Schönefeld
Seit 1864 war sie durch ihre Tätigkeit als Kirchenpatronin eng mit der Gedächtniskirche in Schönefeld (bekannt durch die Heirat von Robert und Clara Schumann) verbunden.
1871 ließ sie auf dem Gelände des Ritterguts ein neues Schloss erbauen, das 1876 fertig wurde. Das alte Herrenhaus und Rittergut waren am 18. Oktober 1813 während der Völkerschlacht völlig niedergebrannt.

Mit letztwilliger Verfügung vom 25. 4. 1881 beschloss Hedwig von Eberstein aus Trotz gegenüber ihrem Neffen, der ihr ein gewünschtes Darlehen verweigert hatte, dass ihr gesamtes Vermögen, bestehend aus Schloss und Rittergut, Grundbesitz und einem Kapital von 805.000 Mark nach ihrem Tode für die Einrichtung einer Versorgungsstätte für unbemittelte Töchter hoher Zivilstaatsbeamter und Militärs im Schloss einzusetzen ist. Zum ehrenden Andenken an ihre Mutter Marianne Freifrau von Eberstein gab sie der Einrichtung den Namen "Mariannenstiftung". Voraussetzungen für die Aufnahme in das Stift waren laut Vermächtnis:

  1. Die Töchter mussten 30 Jahre alt sein, unverheiratet und unbescholten. Später wurde das Mindestalter auf 50 Jahre festgelegt.
  2. Sie durften kein eigenes Vermögen über 6.000 Mark besitzen.
  3. Der Vater musste ein Jahreseinkommen von mindestens 4.500 Mark haben.
  4. Töchter aus der Familie Eberstein waren von der Förderung ausgeschlossen.
Die Stiftsdamen erhielten freie Unterkunft und Verpflegung und ein jährliches Nadelgeld1 von 600 Mark. Wer im Stiftshaus nicht aufgenommen werden konnte, erhielt eine laufende Beihilfe. Die finanziellen Mittel der Stiftung kamen aus den Erträgen der Rittergutsverpachtung, der Gärtnerei und dem Grundbesitz.
Am 2.November 1902 trat die Stiftung in Kraft.
Hedwig von Eberstein legte auch testamentarisch fest, dass das Gelände westlich der Lindenallee (heute Schönefelder Allee) nicht mit Wohnhäusern bebaut werden durfte. Dadurch war es möglich, dass hier 1913 der Volkspark Schönefeld entstand, der seit 1931 Mariannenpark heißt.
Noch zu ihren Lebzeiten erhielt in den 1870er Jahren eine Straße im "Neuen Anbau vor Schönefeld" den Namen Hedwigstraße nach Clara Hedwig von Eberstein.
Die Mariannenstraße und der Mariannenpark in Schönefeld wurden nach ihrer Mutter Marianne von Eberstein benannt.


Pyramide
 
Grabpyramide mit Löwen 2  
 
Pyramide
  Grabpyramide jetziger Zustand 2

Im Auftrag von Hedwig von Eberstein wurde 1883 neben der Schönefelder Kirche eine Begräbnisstätte in der Form einer Pyramide aus dunklem Granit mit einer gewaltigen Grufthalle im Inneren als Ruhestätte der Familien Schneider und von Eberstein erbaut. Die Anregung dazu hatte sie wahrscheinlich von einer Ägyptenreise mitgebracht. Den Entwurf fertigte der Architekt Constantin Lipsius, gebaut wurde sie vom Baumeister Leuthier. Den Eingang bewachten ursprünglich zwei große bronzene Löwen, die ägyptischen Sphynxen ähnelten.
Clara Hedwig von Eberstein wurde nach ihrem Tod am 10.10.1900 als letzte in der Eberstein-Pyramide beigesetzt. Danach wurde die Begräbnisstätte zugemauert. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Pyramide wie auch das Rittergut in den Besitz der Stadt Leipzig über. Leider wurde das Grabmal aufgebrochen und ausgeraubt. Auch die zwei bronzenen Löwen wurden gestohlen.

 

(März 2011)

 

1 http://www.enzyklo.de/Begriff/Nadelgeld
2 Bildquelle: Bürgerverein Schönefeld

 

 

 

 

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