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  Undine Jung


Gerta Taro (manchmal auch Gerda Taro)

 

 

Als Gerta Pohorylles wird sie am 1. August 1910 in Stuttgart geboren. Der Vater ist ein aus Ostgalizien (Polen) eingewanderter jüdischer Kaufmann. Kindheit und Jugend verbringt sie in Stuttgart und Reutlingen. 1929 zieht die Familie nach Leipzig, und Gerda schließt sich dort sozialistischen Gruppierungen an.

1933 beteiligt sie sich an Flugblattaktionen gegen die Nazis, wird im März 1933 verhaftet, aber nach knapp zwei Wochen wieder entlassen. Kurz darauf geht sie mit ihrer Freundin Ruth Cerf ins französische Exil, im Spätherbst 1933 kommt sie nach Paris. Als Sekretärin verdient sie ihren Lebensunterhalt. Ihre Freizeit verbringt sie in Straßencafés. "Charmant und hübsch wie sie war, standen die Männer Schlange, um ihr den Kaffee zu bezahlen. Das traf sich gut, denn Gerta hatte wenig Geld." 1

Dort lernt sie im September 1934 den ungarischen Fotografen André Friedman kennen, lernt vom ihm das Fotografieren und wird seine Lebensgefährtin. Ständige Geldnot bringt Gerta auf eine Idee. Andrés Lederjacke wird gegen einen eleganten Anzug getauscht. Klangvolle Künstlernamen sollen ihnen einen Neustart ermöglichen. Nun tritt er als der berühmte amerikanische Fotograf Robert Capa in Erscheinung. Sie, als seine Agentin, nennt sich von nun an Gerta Taro. Der erste Presseausweis von Gerta Taro ist datiert vom 4. Februar 1936, ausgestellt von einer Amsterdamer Fotoagentur. Die Zeitungsredaktionen glaubten diese Geschichte, und die Einnahmen des Paars verdreifachten sich.

Als der Militärputsch in Spanien am 18. Juli 1936 die Welt in Atem hält, gehen Gerda Taro und Robert Capa, wie viele andere Intellektuelle auch, nach Spanien, um den Bürgerkrieg zu dokumentieren. Am 5. August 1936 treffen sie in Barcelona ein. In den folgenden Monaten fotografieren Gerda Taro und Robert Capa die Gräuel des Spanischen Bürgerkrieges für verschiedene internationale Zeitungen. Taro entdeckt mit Rollei und Leica neue Blickwinkel - ihre oft aus der Froschperspektive aufgenommenen Fotografien überzeugen durch ihre Nähe zu den Personen. Sie hält schlafende Soldaten, republikanische Miliz-Frauen, die am Strand das Schießen üben, Kinder mit Soldatenhelmen im Bild fest. Ein Kriegswaise, der seine Suppe löffelt, schaut den Betrachter mit seinen traurigen Augen an.

Knapp ein Jahr verbringt Gerta Taro im Spanischen Bürgerkrieg. Am 25. Juli 1937 wird Gerta Taro während eines Luftangriffs der deutschen Legion Condor von einem republikanischen Panzer überrollt, nachdem sie von einem Trittbrett eines LKW abrutschte, mit dem sie aus der Kampfregion flüchtete. Einen Tag später erliegt sie in einem Hospital ihren schweren Verletzungen. Als sie am 1. August 1937, an ihrem 27. Geburtstag, auf dem Friedhof Père-Lachaise in Paris beigesetzt wird, folgen Tausende ihrem Sarg. Der Trauerzug, angeführt von Pablo Neruda und Louis Aragon, der auch die Trauerrede hält, wird zur Demonstration gegen den Faschismus. Das von Alberto Giacometti geschaffene Grabmal wird irgendwann abgeräumt, und die Erinnerung an Gerta Taro schwindet.

"Vielen ist die junge Frau bislang nur als Gefährtin Robert Capas bekannt. Kürzlich wurden drei Koffer Capas mit 3500 Filmrollen auf einem Dachboden in Mexiko gefunden. Darunter sind Aufnahmen von Gerta Taro, die nun in New York von Experten bearbeitet werden.
Dieser Fund könnte Taros Rolle als eigenständige Fotografin deutlicher sichtbar machen."
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In Leipzig trägt seit 1970 eine Straße in der südöstlichen Vorstadt den Namen Tarostraße zu Ehren von Gerda Taro.

Fotografische Arbeiten von ihr wurden 2010 in Stuttgart ausgestellt. 2

 

(Februar 2011)

 

 

 

 

 

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