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Das Mittelalter und die Gründung
europäischer Universitäten


Europäische Universitäten
 
Europäische Universitäten bis 1500
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In den Jahrhunderten des Hochmittelalters und des Spätmittelalters entstanden in den europäischen Ländern viele Universitäten, die oft die Tradition noch heute bestehender universitärer Bildungsstätten begründeten. Im 12. und 13. Jahrhundert konzentrierten sich diese Gründungen auf Italien (Bologna - erstgenannt um 1088), Frankreich (Paris - um 1150), Spanien (Sevilla - 1254) und England (Oxford - 1187). Die ab dem 13. Jahrhundert gegründeten Universitäten verfügten in der Regel über ein päpstliches, kaiserliches und/oder landesherrschaftliches Privileg.
Mitte des 14. Jahrhunderts begannen in rascher Folge Gründungen im deutschsprachigen und südost- europäischen Raum. Die erste dieser Universitäten war die Universität Prag, die 1348 mit Privileg des Papstes und des Kaisers Karl IV. gegründet wurde. Es folgten u.a. Wien (1365), Krakau (1384), Heidelberg (1385), Köln (1388), Ofen (1389), Erfurt (1392).
Die Universität Prag war nach dem Vorbild der Pariser Universität gegliedert und lehrte in den vier klassischen Fakultäten (Artistenfakulät, Juristenfakultät, Theologische Fakultät, Medizinische Fakultät). Die Magister und Scholaren waren nach ihrer Herkunft vier Nationen zugeordnet. Die bayerische Nation umfasste den gesamten Südraum, die sächsische Nation den nordwestdeutschen Raum, England und Skandinavien, die polnische Nation den gesamten östlichen Raum, die böhmische Nation das Königreich Böhmen. Die Nationen waren im Rahmen des Lebens an der Universität gleichberechtigt, u.a. bei der Wahl des Rektors und anderer Honoratioren. Die Balance zwischen den Nationen war wesentlicher Faktor der Stabilität der Universität.
Das ausgehende 14. und beginnende 15. Jahrhundert war von schweren Krisen der geistlichen und weltlichen Macht gekennzeichnet. Mit der Doppelpapstwahl von 1378 wurde das 40-jährige Schisma eingeleitet, in dessen Folge die lateinische Kirche von 2 Päpsten regiert wurde. Auch das Konzil von Pisa (1409) konnte die Kirchenspaltung nicht beenden. Es setzte zwar die Päpste in Rom und Avignon ab und wählte Alexander V. zum Papst der einheitlichen Kirche. Dieser konnte sich nicht durchsetzen, sodass 3 Päpste um die Macht stritten. Erst nach dem Konzil von Konstanz (1414) wurde mit der Wahl Martins V. 1417 das Schisma offiziell beendet.
Dem charismatischen Karl IV. folgte 1378 dessen Sohn Wenzel I. als König von Böhmen und Römischer König. Er konnte das Schisma nicht beilegen, überwarf sich in Böhmen mit Adel und Geistlichkeit nach der Folterung und Tötung des Generalvikars Johannes von Nepomuk. Er vernachlässigte das Reich und wurde schließlich am 21.08.1400 von den 4 rheinischen Kurfürsten als Römischer König abgesetzt. Er blieb jedoch König von Böhmen und unterstützte Jan Hus.
Hus predigte in Prag, lehrte an der Universität und war Beichtvater am Hofe Wenzels. Er war ein Vertreter der Ideen Wycliffes zur Reform der Kirche, die seit 1390 an der Prager Universität in Umlauf waren und setzte sich damit in Widerspruch zur Kirchenführung, wurde schließlich als Ketzer mit Bann belegt, verurteilt und verbrannt. Seine politisch-kulturelle Leistung ist sein Beitrag zur nationalen Verselbständigung der Tschechen, zur Schaffung einer einheitlichen tschechischen Schriftsprache und zur Begründung einer nationalen Literatur.

Karte entnommen aus:
Der große Atlas Weltgeschichte, hg. von E. Stier u. a., Westermann-Verlag, Sonderausgabe Braunschweig 1990, S. 91.

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