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Buchdruck und Verlagstätigkeit in Leipzig

Buchdruck, Verlagstätigkeit und Buchhandel haben in Leipzig eine lange Tradition. Bereits im 15. Jahrhundert, noch vor dem Druck der ersten Bücher, als sich die Stadt mit ihrer Messe zu einem der wichtigsten europäischen Handelsplätze herausbildete, als sich dank der Universität der Handschriftenhandel entwickelte, fasste auch der Buchhandel in Leipzig Fuß.

Um 1440 hatte Johannes Gutenberg in Mainz mit der Erfindung des Buchdrucks die technischen Voraussetzungen für einen sich rasch entwickelnden neuen Gewerbezweig geschaffen. In Leipzig hielt der Buchdruck relativ spät Einzug, nachdem er bereits in Mainz, Köln, Augsburg, Nürnberg und Erfurt Fuß gefaßt hatte. Der erste nachweisbare Drucker in Leipzig war Marcus Brandis, ein Wanderdrucker aus Delitzsch, der 1481 das erste in Leipzig erscheinende Buch herausgab. Die erste ständige Offizin richtete Konrad Kachelofen ein, deren erster Druck 1485 erschien. Um 1500 bereits stand Leipzig mit 11 Druckereien mit an der Spitze der deutschen Frühdruckorte. Ein wichtiger Auftraggeber für die Drucker war die Universität. Der eigentliche Aufschwung des Leipziger Buchgewerbes fällt aber in die Zeit der Reformation und der Bauernkriege. Martin Luther und Thomas Müntzer erkannten rasch die Wirksamkeit des in großen Auflagen verbreiteten Schriftgutes. In Leipzig erschienen zahlreiche Schriften Luthers, obwohl der katholische Landesherr, Herzog Georg der Bärtige, zwischen 1519 und 1539 Druck und Handel reformatorischer Schriften in Sachsen untersagte und mit Repressalien gegen die Drucker vorging. Das hemmte vorübergehend die weitere Entwicklung des Buchdrucks und führte zum Weggang einiger Drucker aus der Stadt, so auch von Stöckel, der für Thomas Müntzer tätig gewesen war.


Lotter
 
Druckerzeichen von Melchior Lotter  
Der angesehenste Verleger und Drucker der Reformationszeit war Melchior Lotter, der Schwiegersohn Kachelofens. Er druckte als erster in Leipzig mit griechischen Lettern und führte 1511 die Antiqua ein. Besonderen Einfluß auf seine Tätigkeit hatte die Begegnung mit Luther. Nach 1517 druckte er Reformationsschriften Luthers, u.a. die 95 Thesen. 1519 gründete er eine Zweigniederlassung in Wittenberg unter Leitung seines Sohnes, Melchior Lotter des Jüngeren. 1522/1524 erschien in Wittenberg die Bibelübersetzung Luthers. Ohne das Druckgewerbe hätte sich die Reformation nicht so schnell ausgebreitet.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden nahezu 20 Prozent der deutschsprachigen Titel nur in Leipzig gehandelt. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges ging die Bedeutung der Leipziger Messen zurück, die Buchproduktion erreichte einen Tiefstand. Doch bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nahmen Buchhandel und Buchmesse in Leipzig einen großen Aufschwung. Innerhalb weniger Jahre nahm die Leipziger Messe den ersten Platz unter den deutschen Handelsmessen ein, und die Verlagsproduktion Leipzigs übertraf bald die von Frankfurt am Main. Leipzig wurde zum Zentrum des deutschen Buchhandels.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatten Buchhandel und Buchmesse bereits eine solche Bedeutung, dass der führende Verleger dieser Zeit, Philipp Erasmus Reich, Leipzig zur "Hauptstadt des deutschen Buchhandels" erklärte.

Leipzigs Stellung als bürgerlich-kulturelles Zentrum in Sachsen, die Blütezeit der Messe als Marktplatz Europas und der enorme Aufschwung des Buchwesens im 18. Jahrhundert bedingten einander. Neben den Manufakturen und der Kaufmannschaft trugen Verleger und Buchhändler dazu bei, dass sich Leipzig zu einem hervorragenden Kulturzentrum entwickelte. Welche Bedeutung das Verlags- und Buchwesen hatte, zeigt sich auch darin, dass in den Adressbüchern die Buchhändler noch vor den Kaufleuten, den Kramermeistern und den Mitgliedern der Kramerinnung erschienen. Namen von Verlegern wie Johann Ludwig Gleditsch, Thomas Fritsch, Johann Heinrich Zedler, Immanuel Breitkopf und Georg Joachim Göschen sind nur einige Beispiele.

Es kamen neue Buchformen auf den Markt. Im 18. Jahrhundert nahm der Handel mit Belletristik explosionsartig zu. Auch Ratgeber und historische Kalender für Damen erschienen. Die Monatszeitschriften wurden das wichtigste Mittel zur schnellen Verbreitung neuer Erkenntnisse und Erfindungen. Gelehrte Nachschlagewerke, die Lexika und Enzyklopädien, vermittelten Wissen.
So entstanden bereits 1704 Johann Friedrich Gleditschs "Reales Zeitungs-Lexicon" und 1709 Thomas Fritschs "Allgemeines Historisches Lexicon".
1736/38 gab der Leipziger Wolffianer Carl Günther Ludovici eine dreibändige "Historie der Wolffschen Philosophie" heraus.

Jöchers Gelehrtenlexikon

1750/51 erschien im Verlag von Johann Gottlieb Gleditsch Jöchers vierbändiges "Allgemeines Gelehrten-Lexicon". Der Verleger Johann Heinrich Zedler brachte schließlich 1732 - 1754 in 68 Bänden das "Große Vollständige Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste" heraus, an dessen Bearbeitung unter anderen auch Ludovici beteiligt war.


Reich
 
Philipp Erasmus Reich  
Am Beginn des neuzeitlichen Buchhandels stehen die Reformen des Verlegers und Buchhändlers Philipp Erasmus Reich. Er trat 1745 als Geschäftsführer in die Weidmannsche Buchhandlung, 1680 in Frankfurt am Main gegründet und bereits 1682 nach Leipzig verlegt, in Leipzig ein und wurde 1762 Teilhaber und verantwortlicher Vertreter. Die Weidmannsche Buchhandlung genoss am Ende des 17. und Beginn des 18. Jahrhunderts großes Ansehen. Sie trug wesentlich dazu bei, den Ruf Leipzigs als Buchhandelszentrum zu festigen. 1694 hatte Johann Ludwig Gleditsch die Leitung der Buchhandlung übernommen und widmete sich besonders der Erweiterung des Verlages. Als Reich in die Buchhandlung eintrat, war ein Rückgang in den Geschäften vorausgegangen. Unter Reichs Leitung wurde der Verlag einer der bedeutendsten der Zeit. Reich gilt auch als der große Reformer des deutschen Buchhandels:
Er versuchte, juristische Voraussetzungen für den Schutz der Rechte der Autoren und Verleger zu schaffen. Außerdem investierte er in Qualität und Ausstattung seiner Drucke, brachte verbesserte und erweiterte Neuauflagen heraus. Unter Reich vollzog sich auch der Aufschwung der Buchmesse in Leipzig. Die Buchmesse von Frankfurt am Main verlor immer mehr an Bedeutung und wurde schließlich eingestellt. Dazu hatte beigetragen, dass die 1569 eingesetzte kursächsische Bücherkommission dem Buchhandel in Leipzig mehr Freiheiten ließ als die in Frankfurt tätige kaiserliche Bücherkommission. Reich beendete den bis dahin üblichen Tauschhandel der Drucker und Verleger untereinander und führte den Barverkehr (den sogenanten Nettohandel) ein. 1765 begründete er die "Buchhandelsgesellschaft", einen Zusammenschluss von 56 Verlegern und Buchhändlern, die als Vorstufe zum späteren, ebenfalls in Leipzig gegründeten, Börsenverein der deutschen Buchhändler betrachtet werden kann.
Reich machte die Weidmannsche Buchhandlung (in der Grimmaischen Straße/Ecke Neumarkt gelegen) zu dem führenden deutschen Verlag der Aufklärung.

Quellen:
Schneider, W.: Leipzig - Streifzüge durch die Kulturgeschichte, Köln 1995
Riedel, H.: Chronik der Stadt Leipzig, Gudensberg-Gleichen 2001
http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Erasmus_Reich

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