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Wilhelm Traugott Krug und die Unterstützung des Freiheitskampfes der Griechen 1821-30

Die Eroberung Griechenlandes durch die Türken begann im 14. Jahrhundert. Die Griechen wehrten sich in mehreren Aufständen verzweifelt gegen die türkische Herrschaft. Im russisch-türkischen Krieg (1769-74) landeten russische Truppen 1770 auf der Peloponnes, sie wurden von griechischen Bewohnern unterstützt, unterlagen aber dann den von Türken ins Land gerufenen Albanern. 1787 begann ein neuer russisch-türkischer Krieg (1787-92), und wieder nahmen die Griechen begeistert daran teil, doch auch diesmal verloren sie. Viele Griechen gingen ins Ausland in die Diaspora. Zur Unterstützung des Freiheitskampfes der Griechen bildeten sich im In- und Ausland viele Geheimbünde, u.a. die "Hetärie" bzw. "Filiki Etairia" 1, die alle erforderlichen Vorbereitungen für einen gemeinsamen Aufstand trafen. Anfang 1821 begann er im Vertrauen auf russische Unterstützung, aber sie blieb aus, so dass auch diese Erhebung wieder zusammenbrach. Inzwischen hatte aber der Erzbischof von Patras zum allgemeinen Volksaufstand aufgerufen und den Griechen gelang es im ersten Anlauf, die Peloponnes und auch Athen unter ihre Kontrolle zu bringen. Ein schneller Erfolg blieb aber aus, weil sich die einzelnen griechischen Interessengruppen schon während des Aufstandes nicht auf ein gemeinsames Ziel einigen konnten.

 
Krug
  Wlhelm Traugott Krug
Der griechische Aufstand fand ein weltweites Echo. Die Zeitungen waren voll von Aufrufen zur Hilfe für die um Leben und Freiheit ringenden Hellenen. Unter dem schwärmerischen Begriff "Philhellenen" 2 zogen etwa 1.000 Sympathisanten, darunter auch ca. 250 Deutsche, nach Griechenland zur Unterstützung des Aufstandes. Ihrem anfänglichen Idealismus folgte aber bald eine schmerzhafte Ernüchterung. Bei den Griechen stießen die ausländischen Sympathisanten auf wenig Gegenliebe. Der bekannteste "Philhellene" war der englische Dichter Lord Byron, der sich dem Befreiungskampf der Griechen angeschlossen hatte, aber schon 1824 während der Belagerung von Missolunghi durch die Türken an Malaria gestorben war. In Deutschland beschwor der Leipziger Professor Wilhelm Traugott Krug als einer der ersten bereits im April 1821 die "Griechische Wiedergeburt". Ihm schlossen sich die Professoren Josef Görres und Friedrich Wilhelm Thiersch aus München an 3. Krug hatte einen ausgeprägten Freiheitssinn und bereits 1813 die Leipziger Studenten zum Kampf gegen Napoleon aufgerufen 4. Kriegerisch konnten die "Philhellenen" nicht viel bewirken. Hervorzuheben ist aber ihr mutiger Einsatz. Politisch waren sie wesentlich erfolgreicher durch die Wirkungen ihrer Begeisterung auf die öffentliche Meinung. Die europäischen Großmächte sahen sich dadurch gezwungen, sich für die Befreiung Griechenlands einzusetzen.

1825 entsandte der türkische Statthalter von Ägypten eine starke Flotte zur Rückeroberung Griechenlands. Innerhalb von zwei Jahren eroberten sie mit wechselndem Erfolg Griechenland zurück. Im April 1826 fiel die Stadt Missolunghi nach fast einjähriger Belagerung, im August auch Athen bis auf die Besatzung der Burg, die sich noch bis Juni 1827 dort halten konnte. Der Fall von Missolunghi und Athen, wobei auch eine bedeutende Anzahl europäischer "Philhellenen" ums Leben kamen, markierte das Ende des griechischen Befreiungskrieges. Im Juli 1827 einigten sich Russland, Großbritannien und Frankreich auf eine bewaffnete Vermittlung. Sie besiegten im Oktober 1827 die türkisch-ägyptischen Seestreitkräfte. Anschließend eroberten sie das griechische Festland zurück, wobei sie von den Griechen unterstützt wurden. Im Londoner Protokoll vom 3. Februar 1830 erhielt Griechenland seine volle Souveränität zurück. 1832 wurde der siebzehnjährige Prinz Otto von Bayern zum König von Griechenland gekrönt und blieb es bis 1862.

1 "Vereinigung von Freunden", die das Ziel hatte, Griechenland zu befreien.
2 "Griechenfreunde", die für die Wiederentdeckung der griechischen Kunst waren.
3 Weithmann, M.: Griechenland, Regensburg 1994, S. 168
4 Bruchmüller, W.: Kleine Chronik der Universität Leipzig von 1409-1914, Leipzig 1914, S. 18

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