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Samuel von Pufendorf

 
Pufendorf
Samuel Pufendorf wurde am 08.01.1632 im erzgebirgischen Dorfchemnitz geboren. Er stammte aus einer alten sächsischen Theologenfamilie, deren Mitglieder seit Generationen Pfarrstellen in verschiedenen Orten Sachsens innehatten. Von 1645 bis 1650 besuchte er die Fürstenschule in Grimma, für die er eine Freistelle erhielt. Hier wurde er im Geiste des orthodoxen Luthertums erzogen.
Im September 1650 begann er, der Familientradition folgend, ein Studium an der Universität Leipzig. 1657 setzte er sein Studium in Jena fort, wo er bereits 1656 zum Magister der Philosophie promoviert worden war. 1658 kehrte er nach Leipzig zurück, erhielt hier aber nicht die erhoffte Anstellung. Er ging nach Kopenhagen, wurde später Professor in Heidelberg (1661) und in Lund (1668), wechselte 1677 als schwedischer Hofhistoriograph und Staatssekretär nach Stockholm, wo er geadelt wurde, und schließlich 1689 als brandenburgischer Historiograph und Geheimer Rat nach Berlin. Hier starb er am 26.10.1694.

Während des Studiums setzte er sich mit dem in Leipzig herrschenden System der Neoscholastik und der lutherischen Orthodoxie auseinander und entwickelte sich zu einem Wegbereiter der Aufklärung. Er steht in einer Reihe mit anderen in Leipzig wirkenden oder aus Leipzig stammenden Gelehrten der Frühaufklärung wie Gottfried Wilhelm Leibniz, Christian Thomasius, Christian Wolff und August Hermann Francke.
Prägenden Einfluss auf seine geistige Entwicklung hatte zweifellos seine Mitgliedschaft im Collegium Anthologicum, einer Leipziger Gelehrtengesellschaft in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Er trat dem Kollegium unmittelbar nach dessen Gründung im Juli 1655 bei und gehörte ihm mit Unterbrechungen während seines Aufenthalts in Jena bis zu seinem Weggang nach Kopenhagen im April 1658 an.
In der Handschriftenabteilung der Leipziger Universitätsbibliothek sind Protokollbände des Collegium Anthologicum erhalten, aus denen die Aktivität Pufendorfs ersichtlich ist. Aus der Zeit vom Juli 1655 bis zum März 1658 gibt es 48 Referate, die er in dieser Zeit im Kollegium gehalten hat. Es können jedoch mehr sein, da vom 18.10.1656 bis 06.03.1658 keine Protokolle vorliegen und er zweifellos auch in dieser Zeit an einigen Sitzungen teilgenommen hat.
Interessant sind die Themen der Referate, die deutlich machen, womit er sich in dieser Zeit vorwiegend beschäftigt hat. Allein 27, also mehr als die Hälfte, behandeln Probleme der Geschichte Assyriens, des Achämenidenreichs und Makedoniens. Dabei wurde nicht nur Faktenwissen zusammengetragen, die Vorträge enthielten auch rechtsphilosophische Betrachtungen. Döring verweist z.B. auf die Sitzung des Kollegiums vom 04.08.1655, in der Pufendorf über den Ursprung des Staates referiert hat. 1
Die weiteren Vorträge hatten folgenden Inhalt:
     9 waren theologischen Themen gewidmet, vor allem der Auslegung von Texten
        des Alten und Neuen Testaments,
     5 Beiträge die antike und jüdische Kulturgeschichte,
     4 das germanische Altertum und die deutsche Geschichte des Mittelalters,
     2 die neuere historische Entwicklung,
     1 die Ähnlichkeit der Aussprüche biblischer und antiker Autoren.
Hier wird sichtbar, dass die Anfänge von Pufendorfs Naturrechtslehre und auf dieser Grundlage seines Systems der Staatslehre, des Vernunftsrechts und der Moralphilosophie während seiner Leipziger Studienzeit entstanden sind. In den späteren Jahren baute er dieses in einer Vielzahl von Publikationen planmäßig aus. Dazu gehören Schriften zur Ethik, zu den Pflichten gegenüber dem Vaterland (De obligatione Patriam -1663), seine Kritik an der Reichsverfassung (De statu imperii Germanici - 1667) sowie sein Hauptwerk zum Natur- und Völkerrecht (De jure naturae et gentium - 1672).

Quellen:
Döring, D.: Samuel Pufendorf und die Leipziger Gelehrtengesellschaften in der Mitte des 17. Jahrhunderts, Berlin 1989
Döring, D. (Hrsg.): Samuel von Pufendorf, Kleine Vorträge und Schriften, Frankfurt am Main 1995

1 Döring, D.: Samuel Pufendorf und die Leipziger Gelehrtengesellschaften in der Mitte des 17. Jahrhunderts, Berlin 1989; S. 27 f.

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