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Erste Seminargründungen

Die Ideen der Aufklärung im 18. Jahrhundert hatten auch Überlegungen zu Veränderungen in Erziehung und Bildung gefördert. Die alte scholastische Lehrweise, basierend auf einem passiven Zuhören in den Vorlesungen und begrenzt auf einfache Übungen, entsprach nicht mehr dem aufgeklärten Zeitgeist. Neben der Verankerung der Pädagogik als Universitätsdisziplin - erste Vorlesungen wurden Ende des 18. Jahrhunderts an der Leipziger Universität gehalten - war die Bildung von "Seminaren" ein bedeutender Schritt zur Verbesserung der Lehrtätigkeit.
Die Anregung kam von der Universität Halle. Dort war 1787 ein "Philologisches Seminar" gegründet worden und wurde zur Musteranstalt für die Ausbildung von Philologen für eine Tätigkeit an Schulen.

Anlässlich der 400-Jahr-Feier der Universität wurde daraufhin am 6. Dezember 1809 in Leipzig das "Königlich-Philologische Seminar" unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit gegründet.

Beck
 
Gründungsvater war der Philosophie-Professor Christian Daniel Beck (1757 bis 1832). Beck lehrte an der Universität Griechisch und Latein, später auch Geschichte und befasste sich mit Theologie. Um die Jahrhundertwende hatte er eine "Philologische Gesellschaft" gegründet, in der Studierende unter direkter Anleitung der Professoren in die Spezifik der Sprachen eingeführt wurden. Aus dieser Gesellschaft wurde dann das erste Seminar an der Leipziger Universität.
Nach dem Tod Becks trat - nach einigen kurzzeitigen Zwischenbesetzungen - der Professor Gottfried Hermann (1772 -1848) die Nachfolge als Leiter des Philologischen Seminars an. Hermann hatte ebenfalls um die Jahrhundertwende eine "Gesellschaft für griechische Sprache" gegründet, die jetzt in das Seminar mit eingegliedert wurde. Hermann stellte das Studium im Seminar auf eine streng sprachwissenschaftliche Grundlage und erreichte eine starke Ausstrahlung und Anziehungskraft. Die Studenten wurden angehalten, ihre geistigen Fähigkeiten in einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Lehrstoff zu erproben. Und genau das war der Ursprung für die neue Studienqualität. (Siehe auch Denkumbrüche in der Lehre.)
Durch weitere Gründungen von Seminaren, so u.a. das von Lindner 1824/25 an der Theologischen Fakultät eingerichtete "Katechetisch-pädagogische Seminar", wurden die didaktischen Neuerungen im Lehrbetrieb an der Universität auf immer breitere Basis gestellt.

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