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Die Gründung des Veteranenkollegs

Am 5. April 1979 eröffnete der damalige Rektor der Karl-Marx-Universität, Prof. Dr. h.c. Lothar Rathmann, das Veteranenkolleg als Bildungsstätte für ältere Menschen. Die Gründung des Kollegs folgte einem internationalen Trend der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Vorbild für Leipzig waren z.B. die "Universität des dritten Alters" in Warschau und die Veteranen-Universität der Humboldt-Universität Berlin.
Erster Leiter des Veteranenkollegs war der Gerontologe Prof. Dr. Werner Ries, ein Schüler von Max Bürger, dem Nestor der internationalen Altersforschung. In seinem Grußwort in der Festschrift zum 25-jährigen Bestehen des Veteranenkollegs schreibt Prof. Ries:

"...Mit einigen Bangen hatte ich im Jahre 1979 dem damaligen Rektor der Leipziger Universität, Lothar Rathmann, aus der Sicht der Gerontologie die Gründung einer Bildungsstätte für ältere Menschen vorgeschlagen. Umso größer war meine Freude, als er mir umgehend für die Realisierung dieser Idee grünes Licht erteilte und gleichzeitig die volle Unterstützung der Universität zusicherte. … Als "Büro" stand mir lediglich mein Kliniksekretariat mit Frau Gertraude Lorbeer zur Verfügung. Eine angenehme Überraschung wurde für uns der unerwartet große Zuspruch der Leipziger Bevölkerung. Schon nach den ersten Informationen in der Presse erreichte uns eine wahre Flut an Anmeldungen, die wir bei 1000 Hörern begrenzen mussten, …. Da der uns zur Verfügung gestellte Hörsaal 13 nur 500 Personen fasst, haben wir von Anfang an zwei Kurse geplant. Die Frage der Dozenten löste sich, nach mancher Skepsis der angesprochenen, erfolgreich, da im Laufe der Zeit zahlreiche Prominente des wissenschaftlichen und öffentlichen Lebens Vorträge übernahmen. In diesem Sinne verstand sich die damals als Veteranen-Kolleg bezeichnete Einrichtung als wahre universitäre Bildungsstätte und nicht nur als medizinisch orientierte Fortbildung. Dieser Bestimmung ist sie trotz mancher Variationen bis heute treu geblieben…."

Prof. Ries hatte von Beginn an die Vorstellung, eine allgemeinbildende Einrichtung zu schaffen. Zunächst vermittelte das Veteranenkolleg vor allem medizinisch-geriatrische Themen, indem viele Leiter der Leipziger Universitätskliniken und Institute aus der Sicht ihrer Fachgebiete interessante Befunde und Ergebnisse über das Altern vortrugen. Allmählich erweiterte sich das Themenangebot auf das gesamte Wissenschaftsspektrum der Universität.

Zielgruppe des Veteranenkollegs waren ältere Menschen ab 60 Jahre aus allen Bevölkerungsschichten. Man konnte für zwei Semester Mitglied des Kollegs werden, konnte sowohl die wöchentlichen Vorträge besuchen als auch alle Einrichtungen der Universität ohne Unkostenbeitrag benutzen. Die Resonanz war so groß, dass zeitweilig Wartelisten aufgestellt werden mussten. Prof. Ries hatte in der Gestaltung des Kollegs völlig freie Hand. Seinen guten Kontakten zu Kollegen an der Universität und zu Persönlichkeiten der Stadt, wie etwa dem Gewandhausdirektor, dem Zoodirektor, dem Chef der Oper und des Rundfunksinfonieorchesters war zu verdanken, dass Dozenten ehrenamtlich gewonnen werden konnten.

Nach 10 Jahren beendete Prof. Ries seine Tätigkeit. Sein Nachfolger wurde Prof. Dr. Wolfgang Rotzsch, Direktor des Instituts für Klinische Chemie und Pathobiochemie. Er benannte das Veteranenkolleg in Übereinstimmung mit Prof. Ries in "Seniorenkolleg" um, das bis heute besteht. Damals wie heute ist das Anliegen des Seniorenkollegs der Erwerb von Wissen im Alter. Die Erkenntnis der modernen Gerontologie, dass der alte Mensch bis in sein hohes Alter hinein lern- und bildungsfähig bleiben kann, hat sich in der Praxis bestätigt. Ein weiteres Anliegen des Seniorenkollegs ist die Begegnung der Senioren mit anderen Menschen, um der Einsamkeit im Alter entgegenzuwirken und Anregungen für den eigenen Alltag zu gewinnen.

Quellen:
http://www.uni-leipzig.de/~erwbild/sharedfiles/PDFs/pdf_uni.pdf, eingesehen am 12.11.2008
http://www.asp.sachsen-anhalt.de/presseapp/data/mk/2005/307_2005.htm, eingesehen am 12.11.2008
http://www.efos-europa.eu/downloads/efosnews12007.pdf, eingesehen am 12.11.2008


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